Es wird heiß hier drin

In der Fußball-Bundesliga, diesem herrlichen Wettbewerb, in den wir alle zumindest indirekt involviert sind, beginnt die heiße Phase. So viel steht vor dem 29. Spieltag fest. Der Zweikampf um die Meisterschaft geht in die möglicherweise entscheidenden Runden. Am Sonntag trifft Verfolger Leverkusen auf die Sündenböcke aus dem sündigen St. Pauli. Eine Partie, die einen klarstmöglichen Favoriten hat und deren Ausgang klar erscheint. Auf dem Papier. Das allein würde mich als 04-Fan in dieser verrückten Saison schon nervös machen.

Der Spitzenreiter kann bereits am Samstag vorlegen. Borussia Dortmund gastiert beim Hamburger SV. Tradition und Emotionen sind da garantiert. Fast zehn Jahre lang sahen die Schwarz-Gelben in Hamburg gut aus, die letzten vier Spiele gingen jedoch alle verloren. Da ich bei der Beurteilung der Chancen eher gegenwartsbezogen bin, messe ich diesen Statistiken nicht viel Bedeutung bei. Die aktuelle sportliche Lage der Gastgeber und die fehlende Konstanz unter Armin Veh haben mich nicht sonderlich überrascht. Im Gegensatz zu Jürgen Klopp habe ich den HSV nicht für einen Geheimfavoriten gehalten. Veh hat mich bis auf die Meistersaison in Stuttgart nie völlig überzeugt und der Hamburger Kader dieser Saison erscheint vor allem charakterlich unausgewogen zu sein. Was sonst noch so im Verein passiert ist, habe ich als Außenstehender natürlich nicht vorhergeahnt.

Nun heißt der HSV-Trainer auf Abruf Michael Oenning. Ein sehr sympathischer Mann, den ich vor kurzem beim Fußball-Filmfestival „11 mm“ in Berlin live erlebt habe. Ein Urteil über seine Fähigkeiten als Bundesliga-Trainer traue ich mir nach seiner Nürnberger Zeit und den paar Wochen in Hamburg nicht zu. Wie jeder neue Trainer wird er zunächst mal den sprichwörtlichen frischen Wind hineingebracht haben. Ob über seine Zukunft als Cheftrainer beim Traditionsklub die sportlichen Ergebnisse oder Frank Arnesen entscheiden, wissen wohl nicht mal die HSV-Fans.

Die Mannschaft des HSV hat in dieser Saison auf dem Spielfeld selten geglänzt und war schrecklich unkonstant. Trotzdem haben die Gastgeber ihre individuellen Qualitäten, die sie hin und wieder auch gemeinsam auf den Platz bekommen. Worauf ich hinaus will: Eine Prognose zu ihrem Auftreten ist verdammt schwer – und damit auch die Vorhersage des Spielausgangs. Die größte Qualität ist sicher in der Offensive vorhanden. Petric kennen wir Dortmunder noch, van Nistelrooy kennt jeder und Guerrero kann auch viel, wenn es denn läuft. In der Hinterhand hat Oenning noch den Koreaner Son. Ein weiterer Offensiver mit großem Potenzial, aber weniger großer Konstanz ist der Niederländer Eljero Elia.

Schwierigkeiten hatte der HSV zwar gelegentlich auch vorne, echte Besetzungsprobleme gibt es jedoch nur in der Abwehr. Heiko Westermann ist nach seinem Wechsel aus Gelsenkirchen hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Die ihm zugedachte Rolle des Innenverteidigers übernimmt inzwischen routinemäßig Gojko Kacar, während Westermann sich im Mittelfeld versucht. Am Samstag könnte die Rückversetzung erfolgen, falls der beim „Kicker“ notenbeste Hamburger Innenverteidiger Joris Matthijsen verletzungsbedingt passen müsste. Für den Spielaufbau hat Michael Oenning auch schon einen Plan:

Wir sind noch dabei, etwas auszuhecken, wie wir dieses Spiel erfolgreich bestreiten können. Ob es gelingen wird, wird man sehen.

Wenn es darum geht, das Spielfeld ‚eng zu halten‘, wie Westermann vermutet, ist das die gleiche Taktik, die unsere Gegner in der Rückrunde mit wenigen Ausnahmen angewendet haben. Manche hatten ein bisschen Erfolg damit, andere nicht. Es wird auch dem HSV darum gehen, in der Zentrale für Sahin, Bender und Lewandowski/Götze die Räume eng zu machen. Ob sie damit Erfolg haben, wird vor allem vom Dortmunder Flügelspiel, von Laufwegen und dem Gelingen ‚tödlicher‘ Pässe abhängen.

Personell hat Jürgen Klopp keinen Grund für Veränderungen. Sebastian Kehl befindet sich wieder, Florian Kringe noch im Aufbautraining, Shinji Kagawa absolviert Laufeinheiten. Bleiben die elf, die gegen Hannover überzeugt haben, als die wahrscheinlichsten Kandidaten für die Startelf. Nicht völlig ausgeschlossen erscheint ein Wechsel auf der 10er-Position: Götze könnte für Lewandowski zentral spielen, Kuba über rechts kommen. Eine echte Notwendigkeit besteht dafür nicht, auch wenn Robert gegen Hannover unauffällig blieb. Es wird davon abhängen, auf welcher Position Klopp Mario Götze für wertvoller hält.

Es wird heiß und es kribbelt vor diesem Spiel. Für den HSV geht es um das Minimalziel Europa League. Es wird eine schwere, eine spannende und vielleicht eine aufregende Partie. Sollte dem BVB tatsächlich nach fünf Jahren wieder ein Sieg in Hamburg gelingen, könnten das absolute big points sein. Auch wenn sich das vielleicht noch nicht am Sonntag, sondern erst nächste Woche herausstellt.

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