You’ve come a long way, Dortmund

1. Bundesliga, 30. Spieltag / BVB 3 SC Freiburg 0

Borussia Dortmund steht kurz vor dem Gewinn der deutschen Meisterschaft. Und es ist immer noch unglaublich, das zu schreiben – wenn man mal zurückdenkt. Als der BVB zum letzten Mal Meister wurde, stand Fatboy Slim, dessen LP-Titel mich zu der Überschrift inspirierte, auf dem Höhepunkt seiner Karriere und spielte vor 250.000 Leuten am Strand von Brighton. Die Borussia lernte nur wenig später, nach dem Verpassen der Champions League, die dunkle Seite des Geschäfts kennen und stand kurz vor dem Zwangsabstieg. Hans-Joachim Watzke hat kürzlich gesagt, dass der BVB kein Bundesligist mehr wäre, wenn die internationale Finanzkrise ein paar Jahre früher gekommen wäre.

Die zweite Hälfte der ‚Nullerjahre‘ lief von den Ergebnissen her meist so, wie man es erwarten konnte, es war aber dürftig anzusehen. Bert van Marwijk war der Trainer, der mithalf, die Krise zu meistern. Die nächsten beiden Übungsleiter waren alles in allem Fehlgriffe. Der Glücksgriff, der der Vereinsführung im Anschluss gelang, hat uns dorthin geführt, wo wir heute stehen. Egal wie es ausgeht – was für einen Weg hat dieser Verein mit Jürgen Klopp schon hinter sich gebracht!

Rechnerisch ist die Meisterschaft noch nicht entschieden. Sollte die Borussia nächsten Samstag bei der anderen Borussia verlieren und Leverkusen das Heimspiel gegen Hoffenheim gewinnen, hätten wir unter umgekehrten Vorzeichen die gleiche Konstellation wie nach dem 31. Spieltag der Saison 2001/02. Doch wer glaubt nach dem gestrigen Sonntag noch an einen Einbruch der Schwarz-Gelben?

Die Mannschaft zeigte nach dem Führungstor eine unglaublich souveräne, eines Meisters würdige Leistung. Schon in den ersten 20 Minuten hatte die Borussia dominiert, doch die Gäste standen in dieser Phase im Mittelfeld gut und ihre Gastgeber ließen noch etwas Biss vermissen. Die Freiburger spielten jedoch an der Grenze des Erlaubten, waren teilweise überaggressiv und für das Foul an Nuri Sahin, das zu dessen späterer Auswechslung führte, hätte Mujzda Gelb sehen müssen.

Das Tolle an dieser Partie war, wie viele Spieler herausragende Leistungen boten und wie viele schöne Spielzüge wir zu sehen bekamen. Nehmen wir Mats Hummels. So als hätte es nie eine Diskussion um seine langen Zuspiele gegeben, brachte er in der 23. Minute einen Bilderbuch-Pass zu Marcel Schmelzer auf die linke Seite. Der flankte in den Strafraum, der Ball sprang zu Mario Götze und der schoss ihn aus zehn Metern ins rechte Eck. Es war bei weitem nicht die einzige gute Flanke von Schmelle und nur eine von vielen starken Aktionen von Mario.

Die Freiburger brachen nach dem Rückstand nicht direkt zusammen, offensiv gelang ihnen jedoch erst in der 38. Minute ein verhältnismäßig harmloser Torschuss, den Weidenfeller problemlos fing. Noch vor der Pause fiel aber doch die Vorentscheidung: Ein weiterer Pass von Hummels wurde von Freiburgs Toprak ziemlich kläglich auf Lewandowski weitergeleitet. Der für Barrios ganz vorne spielende Stürmer umkurvte zunächst Torwart Baumann, ehe er zum 2:0 einschob. Es war wohl die richtige Entscheidung, denn bei zwei Schussversuchen sah Robert gestern unglücklich aus (einmal wurde er jedoch von Kevin Großkreutz behindert).

Ich tendiere trotzdem dazu, seine Leistung deutlich positiv zu beurteilen. Robert war sehr engagiert, konnte die Bälle im Sturmzentrum besser halten als in der Position der letzten Wochen und bereitete schließlich auch noch das 3:0 vor. Es war bereits die 78. Minute, als er im richtigen Moment einen Pass durch die Freiburger Viererkette spielte und Götze sowie Großkreutz frei waren. Mario spielte den Pass auf Kevin und der musste nur noch einschieben.

Zuvor hatten sich die Freiburger gezwungenermaßen bemüht, zu mehr Chancen zu kommen, hatten dadurch jedoch vor allem den Schwarz-Gelben weitere ermöglicht. Großkreutz, Lewandowski und Kuba hätten durchaus weitere Treffer erzielen können, aber bei einem derart souveränen 3:0 brauchen wir uns wirklich nicht über die Chancenverwertung zu beklagen. Die einzige große Chance der Gäste bot sich kurz vor Schluss, als Weidenfeller einen Reisinger-Schuss glänzend parierte und Cissé Slapstick-artig am freien Ball vorbeitrat. Ansonsten räumte die Innenverteidigung alles ab, was die Freiburger in Strafraumnähe brachten. Hummels war aufgrund seiner Torvorbereitungen auffälliger, aber Neven Subotic defensiv genauso sicher. Eine überragende Leistung bot auch Lukasz Piszczek. Er war extrem zweikampfstark und defensiv wie offensiv sehr präsent. Der Prozess in Polen gegen ihn und frühere Mannschaftskollegen scheint ihn nicht zu belasten.

In der 82. Minute wechselte Jürgen Klopp Dede für Götze ein. Das Westfalenstadion hatte das schon einige Minuten lang gefordert und vermutlich nicht zum letzten Mal sorgte der Auftritt von Leonardo für Gänsehautstimmung. Offensiver als sonst spielte er noch einige gelungene Pässe und wenn man sein emotionales Interview nach dem Spiel gesehen hat, könnte man denken, er würde sich das mit dem Wechsel noch mal überlegen.

Dieses meisterliche Spiel wurde nur durch einen einzigen Wermutstropfen getrübt. Wie schon erwähnt musste Nuri Sahin verletzt ausgewechselt werden. Noch während der Partie äußerte sich der Spielmacher gegenüber Götze optimistisch, aber eine Innenbanddehnung oder Schlimmeres könnten einen wochenlangen Ausfall bedeuten. Wollen wir hoffen, dass Nuri nicht bereits sein letztes Spiel in Schwarz-Gelb bestritten hat.

Ich möchte diesen Beitrag jedoch sicher nicht mit einem negativen Gedanken beenden. Wie Mats Hummels schon sagte: der BVB hat nun jede Woche die Möglichkeit, Meister zu werden. Bald haben wir es sogar selbst in der Hand. Mit der gestrigen Leistung wären die Chancen auf einen Sieg in Gladbach exzellent und es käme auf die Vorlage von Leverkusen an. Klar, man hat in den letzten Jahrzehnten schon viel erlebt im Fußball. Im Moment spricht aber nichts dafür, dass ausgerechnet Leverkusen die größte Aufholjagd seit Menschengedenken gelingt und ausgerechnet dieser BVB noch die Meisterschaft verspielt.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Schmelzer, Hummels, Subotic, Piszczek – Sahin (28. da Silva), Bender – Großkreutz (86. Feulner), Götze (82. Dede), Kuba – Lewandowski. Gelbe Karte: Hummels. Tore: Götze, Lewandowski, Großkreutz.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s