Bube, Dame, König, Meister

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(Updated) Borussia Dortmund hat vier Spieltage vor Saisonende in der Fußball-Bundesliga alle Trümpfe in der Hand. Es liegt nun an der Mannschaft, sie so auszuspielen, dass der Meistertitel herausspringt. Welche Karten der Konkurrent hat, ist erst mal irrelevant – die eigene Hand der Schwarz-Gelben ist dank des großen Vorsprungs so stark, dass man sich um andere keine Gedanken mehr machen muss.

Jeder Trumpf kann der entscheidende sein. Ein Sieg dürfte reichen, um die Führung endgültig uneinholbar zu machen. Doch zumindest in den nächsten beiden Partien warten auf die Borussia Gegner, für die es um viel geht. Für Borussia Mönchengladbach sogar um sehr viel. Eine unheilvolle Mischung aus Unvermögen und Pech hat die andere Borussia ans Tabellenende geführt, wo sie mittlerweile seit dem 13. Spieltag steht. Ich bin sicher nicht der Einzige, der dem Gladbacher Kader mehr zugetraut hätte – zumindest Platz 14 bis 16. Der Vorstand und Sportdirektor Eberl haben lange an Michael Frontzeck festgehalten. Auf Außenstehende wie mich hat es sympathisch gewirkt, dass man diesem bodenständigen Trainer Zeit gegeben hat. Unter Nachfolger Lucien Favre wirkt Gladbach wieder kompetitiver, die Ergebnisse haben sich etwas gebessert, womöglich jedoch nicht genug.

Man kann lange von Verletzungen und fragwürdigen Schiedsrichterentscheidungen erzählen – symptomatisch für den Gladbacher Niedergang ist aber das Eigentor von Torwart Bailly vor ein paar Wochen gewesen. Es hat zwar ’nur‘ ein Spiel beeinflusst, als Symbol für unendliche Fehlerketten taugt es jedoch sehr gut. Trotz aller Rückschläge hat der VFL noch realistische Chancen im Abstiegskampf – es sind tatsächlich nur drei Punkte bis Platz 16. Einzig die selbstzerstörerischen Tendenzen auf dem Spielfeld sprechen explizit gegen den Verein. Die Gladbacher brauchen Siege, haben es in dieser Saison aber noch nicht geschafft, zweimal hintereinander zu gewinnen.

Respekt habe ich vor allem vor zwei Gladbachern: Natürlich vor dem gebürtigen Dortmunder Marco Reus, dem Mann der schönen Tore, an dem diverse Bundesligisten interessiert sein sollen. Und vor Igor de Camargo, dem treffsichersten echten Stürmer der Gastgeber, der nach einer Verletzung zumindest im Kader stehen dürfte. Dagegen ist Winter-Zugang Mike Hanke nach einer gelb-roten Karte gesperrt und der Einsatz von Innenverteidiger Dante entscheidet sich mutmaßlich heute beim Abschlusstraining.

Die Gladbacher werden morgen um ihre letzte Chance kämpfen. Die Hauptkonkurrenten Wolfsburg und St. Pauli haben vermeintlich leichtere Heimspiele gegen Köln und Bremen zu bestreiten. Eine weitere Niederlage kann sich der VFL also nicht leisten. Borussia gegen Borussia wird ein Spiel werden, in dem das erste Tor noch wichtiger sein dürfte als sonst. Geht der BVB in Führung, muss Gladbach auf Offensive setzen und die Schwarz-Gelben kämen gegen eine besonders über Außen anfällige und eventuell durch Dantes Ausfall geschwächte Defensive sicher zu Gelegenheiten für erfolgreiche Konter. Eine eigene Führung würden die Gladbacher natürlich mit aller Macht versuchen, zu verteidigen – wobei das gegen den aktuellen BVB nie einfach ist.

Vor allem bei einem Rückstand könnte das Fehlen von Nuri Sahin ins Gewicht fallen. Antonio da Silva ist weniger der Typ, der ein Spiel an sich reißen und im Alleingang drehen kann. Zum Glück wird es keine weiteren Ausfälle in der aktuellen Mittelfeld-Stammformation geben. Allerdings werden die Alternativen im defensiven Mittelfeld dünner: Sebastian Kehl musste seine Comeback-Versuche für diese Saison abbrechen und sich einer Operation unterziehen. Seine Leidenszeit geht weiter. Sollten nun Bender oder da Silva ausfallen, müssten Markus Feulner oder Mats Hummels einspringen, die zumindest auf dieser Position keine Spielpraxis haben.

Lucas Barrios wird nach seinem Muskelfaserriss heute erstmals das volle Mannschaftstraining absolvieren. Jürgen Klopp ist optimistisch, was seinen Einsatz angeht, deutet jedoch an, dass er in diesem Fall noch weniger Risiko eingehen wird als sonst: „Es wäre fatal, wenn wir Lucas zu früh brächten und Robby sich gleichzeitig eine Gelbsperre abholt.“ Sollte Barrios erneut verletzt ausfallen und Robert Lewandowski eine Sperre bekommen, müsste man im Sturmzentrum auf Mohamed Zidan, Damien Le Tallec oder Marco Stiepermann zurückgreifen.

Es wäre Lewandowski sebstverständlich zuzutrauen, dass er auch in Mönchengladbach trifft. Genauso wie ich davon ausgehe, dass die gesamte Mannschaft mit voller Konzentration in die Partie gehen wird. Jürgen Klopp hat mit der Anordnung von zwei Tagen Geheimtraining allen gezeigt, wie ernst er die Begegnung nimmt. Sollte Leverkusen ‚mitspielen‘, könnte bereits der erste Trumpf des BVB stechen. Morgen Abend um halb neun, am viertletzten Spieltag, könnten wir bereits die Meisterschaft feiern. Wie wahrscheinlich das ist, darüber will ich heute mal nicht spekulieren. Ich bin mir jedoch ziemlich sicher, dass es wieder 90 packende Minuten werden. Wollen wir nicht hoffen, dass unser aller Lieblingsschiedsrichter Wolfgang Stark in den Mittelpunkt des Geschehens rücken wird.

UPDATE: Gladbach muss morgen auf de Camargo, der sich im Abschlusstraining erneut verletzt hat, und Dante verzichten. Mit dem VFL möchte gerade wohl niemand tauschen.

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