Wir sind Champions League! Und nun?

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Es gibt für einen deutschen Fußballverein nichts Schöneres und Wichtigeres als Deutscher Meister zu werden, egal was manche Beteiligte sagen. Höchstens der Rekordmeister kann es sich leisten, für maximal ein Jahr die Champions League in den Vordergrund zu stellen. Auf die Arbeit von BVB-Sportdirektor Michael Zorc hat die Frage, ob die Borussen den nationalen Titel holen oder nicht, jedoch keinen großen Einfluss. Seit die Teilnahme an der Champions League feststeht, kennen die Vereinsverantwortlichen die finanziellen Eckdaten für die kommende Saison, die sich nur noch durch Spielerverkäufe erheblich verändern könnten. Eine mögliche Meisterprämie vom Sponsor oder die etwas höheren Einnahmen aus dem Fernsehgeld-Topf fallen dagegen kaum ins Gewicht.

Der BVB kann mit garantierten 20 Millionen Euro von der UEFA rechnen. Geschäftsführer Aki Watzke hat sich zur Verwendung der Einnahmen bereits geäußert. Zehn Millionen sollen für die Verstärkung des Kaders zur Verfügung stehen, fünf für Renovierung und Verbesserungen des Stadions und mit den restlichen fünf Millionen sollen Verbindlichkeiten abgebaut werden. Watzke sagt im Interview, dass die zehn Millionen für den sportlichen Bereich Ablösesummen und Gehälter umfassen. Es ist davon auszugehen, dass die Gehälter neuer Spieler komplett aus diesem ‚Topf‘ finanziert werden müssen, da die geplante Aufstockung des Gehaltsetats von 36,5 auf 40 Millionen Euro allein durch Vertragsverlängerungen und die damit verbundenen Gehaltsanhebungen absorbiert werden wird. Wie schon angedeutet können nur Transfererlöse den Spielraum erheblich erweitern.

Die Planung der Herren Watzke, Zorc, Klopp, Treß etc. ist solide und ich stehe voll dahinter. Wenn wir eins in den letzten 15 Jahren gelernt haben, dann hoffentlich, dass wir keine unvernünftigen Dinge machen sollten, um zu den Großen Europas zu gehören. Selbst mit größeren Investitionen wäre die Borussia bei der ersten CL-Teilnahme seit Jahren in der Gruppenphase Außenseiter. Wir werden so gut wie sicher im vierten Lostopf landen und drei nach dem UEFA-Koeffizienten stärkere Gegner zugelost bekommen. In dieser Situation macht es am meisten Sinn, im wesentlichen der Mannschaft zu vertrauen, die die Qualifikation geschafft hat und auf eine Überraschung zu hoffen.

Die Stammelf dieser Saison dürfte weitgehend zusammenbleiben. Viele der jungen Spieler haben kürzlich ihre Verträge verlängert und würden sehr hohe Ablösesummen kosten. Ganz zu schweigen davon, dass der BVB und selbst manche der Spieler nicht allzu gesprächsbereit wären, wenn Interessenten kommen sollten. Bei Nuri Sahin geht die Tendenz entgegen übertriebener früherer Medienberichte hin zur Vertragsverlängerung. Diese Frage ist jedoch nicht abschließend geklärt, also gibt es auch noch keinen Grund für übertriebene Vorfreude. Der Stammspieler, der mir bei einem eingehenden Topangebot als Wackelkandidat erscheint, ist Lucas Barrios. Ich nehme ihm ab, dass er gerne in Dortmund spielt – das würde derzeit fast jedem Spieler Spaß machen. Ein eindeutiges Bekenntnis habe ich dem kürzlich veröffentlichten Interview mit „Spox“ jedoch nicht entnommen – trotz der Überschrift „Ich möchte noch einige Jahre  bleiben“.

Neben den Spielern, die der BVB unbedingt halten will, gibt es jene, die man nicht abgeben möchte, bei denen man jedoch unter Umständen gesprächsbereit wäre. Dazu gehören Kuba, Lewandowski, Zidan, Le Tallec und Felipe Santana (sollte dieser auf den Verein zukommen). Die Personalie Dede wurde hinreichend diskutiert und ist wohl geklärt. Tamas Hajnal wird mit dem VfB Stuttgart die Klasse halten und endgültig zu den Schwaben wechseln. Somit gäbe es noch zwei Spieler, bei denen der Verein vermutlich über Angebote froh wäre: Florian Kringe und Markus Feulner. Sollten jedoch keine akzeptablen Offerten eingehen und sollte Sebastian Kehl weiterhin nicht auf die Beine kommen, könnte man sich wohl jedoch auch mit einem Verbleib der beiden Spieler arrangieren.

Alles bisher Gesagte deutet darauf hin, dass der BVB in den nächsten Monaten keine große Einkaufstour starten wird. In den letzten Wochen wurde komischerweise vor allem über das Mittelfeld spekuliert. Bei einem Verbleib Sahins und der anderen Stammspieler wäre hier höchstens ein Transfer zu erwarten. Das könnten Ilkay Gündogan oder Ivan Perisic sein, aber nicht beide. Ein Wechsel von Marco Reus ist aufgrund der aufgerufenen Summe und anderer Interessenten eher unwahrscheinlich. Man darf nicht vergessen, dass der vielseitige Moritz Leitner in der nächsten Saison unser Mittelfeld ohnehin verstärken wird.

Im Sturm müsste der BVB nur bei einem Abgang tätig werden. Am meisten Handlungsbedarf besteht ohne Zweifel auf den Außenverteidiger-Positionen. Links wird ein Ersatz für Dede gesucht, womöglich sogar jemand, der Marcel Schmelzer Konkurrenz machen kann. Rechts ist die Situation vertrackt. Patrick Owomoyela hat soeben um ein Jahr verlängert, fällt nun aber mit einem Sehnenriss im Hüftmuskel etwa vier Monate aus. Julian Koch wird voraussichtlich vom MSV Duisburg zurückkehren, aber die ganze Hinrunde fehlen. Zurzeit und für den Saisonauftakt steht der Borussia also nur ein fitter Rechtsverteidiger zur Verfügung: Stammbesetzung Lukasz Piszczek.

Hier sind drei Szenarien denkbar: 1. Man wird auf dem Transfermarkt tätig und holt für ein halbes oder ganzes Jahr einen Leihspieler. 2. Man versucht, den (im günstigsten Fall) einen Monat mit Alternativen aus dem vorhandenen Kader zu überbrücken. Hier führe ich gerne wieder den Namen Florian Kringe an. 3. Idealerweise findet man einen Außenverteidiger, der auf beiden Flügeln spielen und somit für Schmelle oder Lukasz einspringen kann. Auch wenn Watzke sich bedeckt hält – auf den AV-Positionen wird sich auf jeden Fall etwas tun.

Egal, was der BVB dieses Jahr noch erreicht – wir können nicht davon ausgehen, dass sich eine solche Saison so schnell wiederholt. Wir können höchstens darauf hoffen, dass das spielerische Niveau annähernd erhalten bleibt. Dazu braucht es punktuelle Verstärkungen, aber vor allem die gleiche Einstellung und Geschlossenheit wie in dieser Spielzeit.

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5 Gedanken zu “Wir sind Champions League! Und nun?

  1. Ich kopieren diesen Artikel ganz nach Guttenberg einfach mal in meinen Blog, okay? ;)
    Ersetze Aki durch Holzi, Zorc durch Völler, setze vor jedem „Meister“ ein „Vize“ und man könnte meinen du beschreibst die Situation in Leverkusen.

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  2. Andy

    Obwohl in dieser Saison ja noch nichts 100% sicher ist, freue ich mich schon auf die nächste Saison in der CL.
    Fakt ist das wir wohl ein paar starke Gegner zugelost bekommen aber viell. hat man ja ähnlich Glück wie die Blauen in dieser Saison..

    Habe letztens im Kicker unter den möglichen Neuzugängen neben Perisic, den Namen „de Jong“ gelesen..
    weiß jemand über den Spieler mehr???

    Wenn Gündogan oder Perisic kommen sollten wäre das jedenfalls großartig.. und auf Moritz Leitner bin ich auch gespannt..

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  3. @Stefan: Es wäre mir eine Ehre. ;-) In der Tat gibt es in der Ausgangslage für die nächste Saison einige Parallelen zwischen Leverkusen und Dortmund. Vor allem auch, was die Erwartungen und Vorgaben der Verantwortlichen angeht. Bloß steht in Leverkusen im Hintergrund noch Doktor Bayer mit der Finanzspritze bereit – nur für den Notfall natürlich. Oder sehe ich das zu plakativ?

    @Andy: Siem de Jong von Ajax Amsterdam. Ich wusste bisher nichts groß über ihn, er ist aber ein eher offensiver Mittelfeldspieler und immerhin einmaliger niederländischer Nationalspieler. Sollte uns niemand Wichtiges verlassen, wäre er eine Alternative zu Gündogan und Perisic – wir würden wohl kaum zwei von diesen dreien holen. So weit ich weiß stammt das Gerücht um de Jong aus niederländischen Medienberichten, deren Glaubwürdigkeit ich schwer einschätzen kann. Ich tendiere dazu, das mit Vorsicht zu genießen, weil ein Spieler von Ajax sicher nicht billig werden würde und wir wie gesagt auf der Außenverteidiger-Position mehr Bedarf haben.

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  4. Generell stimmt das, aber Holzhäuser setzt alle Hebel in Bewegung, damit man die Bayer AG nicht zusätzlich anpumpen muss (weil diese wohl auch nicht möchte). Es gibt jährlich eine bestimmte Summe, die nur wenige Menschen kennen, weil die Fußball GmbH zu 100% mit der großen Bayer AG verrechnet wird.

    Aber auch bei uns wäre es zu größeren Einsparungen gekommen, hätte man die CL-Plätze verpasst und derzeit sieht es auch so aus, dass es den eigentlich versprochenen Innenverteidiger von internationalem Format nicht geben wird. Die Verlängerung von Vidal, Adler und Co. werden zu teuer.

    Die Frage, die sich einige Fans derzeit stellen: Will die AG, dass Bayer in der CL einfach anwesend ist (wegen Werbewert und so) oder soll auch mal eine Achtelfinale herausspringen.

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  5. Und genau das ist halt der Unterschied. Der BVB kann und wird sich nichts Unvernünftiges erlauben und alle Fans wissen hoffentlich, dass bei der Ausgangssituation ein Weiterkommen in der CL ein weiteres Wunder wäre. Denn unser Hauptsponsor Evonik wird zwar für Meistertitel und CL-Qualifikation zusammen vier Millionen Euro extra zahlen – die dürften jedoch größtenteils in Spielerprämien fließen.

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