Das perfekte Wunder: Der BVB ist Meister!

1. Bundesliga, 32. Spieltag / BVB 2 1.FC Nürnberg 0

„Wenn mir das vor der Saison jemand gesagt hätte“…so fangen derzeit häufig die Sätze von direkt oder indirekt an der Meistersaison von Borussia Dortmund beteiligten Menschen an. Es ist mittlerweile schon fast langweilig, seine Überraschung darüber zu äußern, wie weit es der BVB gebracht hat – aber das hat wiederum mit der Schnelllebigkeit des Fußball- und Mediengeschäfts zu tun. Wir Schwarz-Gelbe sollten es uns deshalb nicht nehmen lassen zu sagen, wie es ist: Wir sind Meister und das ist eine der größten Leistungen im deutschen Fußball der letzten Jahre!

Besonnene Beobachter rechneten am Anfang der Saison damit, dass die Borussia wieder um die internationalen Plätze mitspielen könnte. Allerdings wurde auch registriert, dass die Konkurrenz – vor allem die finanzstarke – aufgerüstet hatte, so dass es für uns nicht leicht werden würde. Ich selber habe dem BVB Platz 4 zugetraut. Aber dieser Wahnsinnstrainer mit seinem Team und diese charakterlich wie leistungsmäßig hervorragenden Spieler haben das Wunder vollbracht, mit dem zu diesem Zeitpunkt und nach den letzten Jahren niemand rechnen konnte.

Die Vollendung erfolgte vor heimischer Kulisse und mit der Schützenhilfe der Kölner, die zum ersten Mal seit 14 Jahren wieder einen Ligaerfolg über Leverkusen feiern konnten. Von der Dramaturgie und dem eigenen Gemütszustand her kann man die Partie gegen Nürnberg in drei etwa gleich lange Phasen teilen. Die erste halbe Stunde war geprägt durch gut stehende und gestaffelte Abwehrreihen, die auf beiden Seiten kaum Chancen zuließen. Angriffe wurden meistens schon im Mittelfeld unterbunden. Nürnberg war höchstens bei einigen, teilweise fragwürdigen, Freistößen gefährlich, der BVB hatte einen Distanzschuss von Großkreutz zu verbuchen. Man kann nicht in die Spieler hineinschauen, aber es wirkte in dieser Phase so, als ob ein bisschen Nervosität im Spiel war. Obwohl die Schwarz-Gelben mehr vom Spiel hatten, kamen zu viele Zuspiele in die Spitze nicht an. Zum Glück unterlief unserer Spitzendefensive nicht wieder ein untypischer Fehler wie in Gladbach.

Die Erlösung kam in der 32. Minute. Ein von der Nürnberger Abwehr zu kurz geklärter Ball kam zu Mario Götze, der aus ca. 20 Metern abzog. Torwart Schäfer konnte den Ball nur abprallen lassen und der rechtzeitig vor dem Spiel fitte Lucas Barrios erzielte mal wieder ein sehr wichtiges Tor. Phase 2 des Spiels hatte begonnen, geprägt von Zuversicht bei Fans und Spielern. Das Tor war der ‚Dosenöffner‘, wie Jürgen Klopp so gerne sagt. Leichtigkeit und Passsicherheit kehrten zurück ins BVB-Spiel. Fünf Minuten nach dem Führungstor kam Barrios in aussichtsreicher Position zum Kopfball, erwischte das Leder aber nicht perfekt, so dass es erst auf den Boden und dann über die Latte sprang.

Die Schwarz-Gelben legten trotzdem noch vor der Pause nach. Nach einem langen Pass von Hummels ließ Lewandowski im Zweikampf Pinola schlecht aussehen und überlupfte im Anschluss Schäfer. Es war ein schönes Tor, das wieder einmal die Klasse des Stürmers bewies. Die nach dem Gladbach-Spiel geäußerte Kritik an ihm ist überzogen. Schon dort hätte sein Heber über ter Stegen einen Torerfolg verdient gehabt.

Nach der Pause war klar: Der BVB würde nichts mehr anbrennen lassen und der Club nichts mehr anzünden. Die Schwarz-Gelben bestimmten das Spiel, die Gäste hatten nur noch wenige Offensivaktionen. Auch von den Gastgebern gab es kein Feuerwerk mehr – um im Bild zu bleiben. Es sah aber sehr souverän aus und Subotic sowie Barrios hatten weitere dicke Kopfballchancen. Über einen Dortmunder Sieg allein wären auch schon alle glücklich gewesen, aber in der 67. Minute gelang dem Effzeh in Köln die Führung durch Novakovic. In der Kneipe waren die Bilder der jubelnden Südtribüne schneller als die Ergebnisticker der Handys. Phase 3 konnte beginnen: Aufwärmen zur Meisterfeier. Bis zum 2:0 der Kölner in der 82. Minute war mir durchaus bewusst, dass Leverkusen schon Spiele gedreht hat – danach war alles klar.

Nicht nur in Dortmund, auch in Berlin wurde im Anschluss auf der Straße gefeiert. Danke an Jürgen Klopp, Zeljko Buvac und Team, danke an die schwarz-gelben Jungs, danke an Michael Zorc, Aki Watzke, Reinhard Rauball und alle anderen Beteiligten! Egal was passiert – diesen wunderbaren, unerwarteten Erfolg, die Gefühle, die tollen Meisterfeiern, die es schon gab und noch geben wird – das kann uns niemand mehr nehmen, das wird lange nachwirken und noch viel länger in Erinnerung bleiben!

Die Mannschaft: Weidenfeller – Schmelzer, Hummels, Subotic, Piszczek – da Silva (83. Santana), Bender – Großkreutz (90. Dede), Lewandowski (78. Kuba), Götze – Barrios. Gelbe Karte: Barrios. Tore: Barrios, Lewandowski

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7 Kommentare

  1. Gratuliere!
    Verdienter gehts nicht mehr.
    Vor 6 Jahren vorm Konkurs, jetzt Meister. Chapeau.
    Wenn sich Geschichte wiederholt sind wir in 3 Jahren dran :-))

    PS: Geile Stimmung übers TV, im Stadion muss es Hammer gewesen sein.

    Gruß aus Lautern

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  2. @Betzebub: Danke! Ich muss sagen, Lautern hat mich auch überrascht. Ich hätte nicht gedacht, dass ihr zu diesem Zeitpunkt schon so gut wie gerettet seid.

    @Kirsten: Das Schöne ist ja, dass uns die Allermeisten den Titel gönnen. Es wäre auch nicht schlimm, wenn das nicht so wäre, aber so ist es schon wunderbar.

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  3. Meine Schalker Kollegen haben sich noch nicht gemeldet, doch das macht nichts. Diese Saison ist, wenn man zurückschaut, ein perfekter Lauf gewesen. Das erste Spiel der Rückrunde gegen Leverkusen und das späte 1:0 gegen Köln waren für mich die Schlüsselmomente und, man mag es kaum glauben, das 1:1 gegen Hamburg, wo es zu der Zeit noch nachvollziehbare Ambitionen gab. Im richtigen Moment ganz auf dem Platz zu stehen, das zeichnet den BVB dieses Jahr aus. Ich kann mich an keine Saison seit der erinnern, in der Ricken sein Tor zum 3:1 gemacht hat, die mir mehr Freude bereitet hat als diese. Das war, das ist eine echte Welle und nicht zu wiederholen. Umso interessanter ist es, welche Schritte Trainer und Mannschaft in der nächsten Spielzeit gehen. Ich bin schon jetzt ultrahibbellig, wie der BVB 2001/2012 spielen wird. Anything goes.

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  4. @Le Karl: Da stimme ich vollkommen überein. Ich fand auch, dass das 1:1 beim HSV sehr wichtig, obwohl nur ein Unentschieden, war. Diese Saison wird nicht zu wiederholen sein, aber in der nächsten wird es etwas Neues geben und darauf können wir uns mit diesem Trainer freuen. Und diese Saison war mMn noch ein Stückchen besser als das was wir in den 90ern gesehen haben – vom CL-Finale und der Freude über die erste Meisterschaft seit Ewigkeiten mal abgesehen.

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