Das gleiche alte Spiel

Standard

„Von Lüdenscheid nach Madrid – Alles deutet darauf hin, dass der Meister Borussia Dortmund seinen Schlüsselspieler Nuri Sahin verliert“ (Berliner Zeitung 3.5.2011, S.13). Wenn man im so überschriebenen Artikel nachliest, was eigentlich genau darauf hindeutet, stößt man lediglich auf Informationen der spanischen Sportzeitung „Marca“. Ansonsten ist der vom Sportinformationsdienst stammende Bericht ein zusammengeschustertes Sammelsurium aus halb-neuen und historischen Geschichten über Borussia Dortmund. Für die Überschrift dürfte jedoch die Sportredaktion der Berliner Zeitung verantwortlich sein.

Was jeder kompetente Fußballblogger weiß, sollte eigentlich auch deutschen Sportjournalisten nicht verborgen geblieben sein: Die „Marca“ lebt von Spekulationen, da deren Mitarbeiter täglich ein Blatt füllen müssen. Es geht darum, die Leser zu unterhalten und ihnen stets etwas Neues zu bieten. Ob die Neuigkeiten auch wahr sind, ist zweitrangig. Diese Zeitung hat schon so viele Fußballspieler zu anderen Vereinen geschrieben und nur ein kleiner Teil von ihnen ist auch angekommen. Leider beschränkt sich diese Art von Journalismus nicht auf die „Marca“ und Spanien. Hierzulande gibt es die gleiche Spezies und offensichtlich nicht nur beim Boulevard. Wer etwas behauptet und zwei Wochen später das Gegenteil berichtet, setzt einfach darauf, dass die Leser Behauptung eins vergessen haben oder ihnen der Widerspruch egal ist, weil sie gut unterhalten wurden.

Nuri Sahins Berater Reza Fazeli hat inzwischen seinen Freunden vom Springer-Boulevard verraten, dass es noch keine Einigung des Spielers mit Real Madrid gibt. Bis spätestens Ende nächster Woche soll es dafür ein Gespräch Sahins mit den Verantwortlichen der Borussia geben. Man kann sich vorstellen, wie die Interessenlage bei Fazeli aussieht. Bis wir allerdings Nuris Entscheidung kennen, müssen wir wohl noch zwei Wochen Medientheater über uns ergehen lassen. Als Meister geht das selbstverständlich einfacher. Trotzdem langweilen die immergleichen Muster, das Schema F, nach dem die Sportberichterstattung abläuft. Vor allem nervt die Weiterverbreitung von Gerüchten und Informationen aus einer einzigen Quelle – ohne sie zu überprüfen oder wenigstens zu hinterfragen.

Ich würde mich nicht wundern, wenn Nuri Sahin am Saisonende seinen Vertrag beim BVB verlängert oder zumindest noch ein Jahr in Dortmund bleibt. Ob es so kommt, weiß ich nicht und darum behaupte ich es auch nicht. Das klingt banal, vielleicht sogar selbstgerecht, aber so einfach könnte das sein.

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7 Gedanken zu “Das gleiche alte Spiel

  1. Letztes Jahr vermeldete die Marca übrigens schon am 15.7. den Wechsel von Khedira: http://www.11freunde.de/newsticker/131535

    Der Kicker war satte zwei Wochen (31.7.) später dran: http://www.kicker.de/news/fussball/bundesliga/startseite/540517/artikel_madrid-zahlt2c-khedira-geht.html#omsearchresult

    Also egal wie dubios das Orakel Marca vielleicht ist, als Hokus Pokus würde ich die nicht Nachricht nicht abtun.

    Allerdings ist ein Szenario wo Sahin verlängert, damit der BVB mehr Ablöse bekommt sicherlich nicht ausgeschlossen.

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  2. Klar, die „Marca“ landet auch mal Treffer. Macht die „Bild“ ja auch. Der „Marca“ werden gute Kontakte zu Real Madrid nachgesagt und das mag zutreffen. Aber man kann als Journalist von einem Verein auch gezielt mit Gerüchten versorgt werden, um die Vereinspolitik zu unterstützen. Da wird mit der Veröffentlichung eines angeblich fast vollzogenen Transfers öffentlicher Druck erzeugt.

    Ich bin sehr gespannt, was Nuri Sahin macht. Geht er wirklich, hatte die „Marca“ Recht. Bleibt er, wäre es wieder mal eine peinliche Ente der Spanier und der abschreibenden deutschen Sport- und Tagespresse. Ich kritisiere mit diesem Beitrag ja nicht die Berichterstattung über Sahins Zukunft an sich, sondern nur die, die so tun, als sei er schon weg, ohne dazu verlässliche Informationen zu haben.

    Sollte Nuri verlängern, dann wird er noch mindestens ein Jahr beim BVB spielen und das wäre gut für uns.

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  3. So sieht es aus. Sahin wird zu Madrid gehen, aber eben nicht in diesem Sommer. Kann ihm ja auch keiner verdenken, wenn einer der größten Vereine der Welt anfragt.

    Oder Sahin nutzt das interesse Reals, um deutlich bessere Bezüge beim BVB zu erhalten oder sich die Ausstiegsklausel abkaufen zu lassen. Man weiß es nicht.

    Nächste Woche sind wir schlauer.

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  4. Da Sahins Berater eben Reza Fazeli ist, kann man getrost davon ausgehen, dass der Spieler am Schluss der große Gewinner sein wird. Der Typ weiß wie es geht.

    Grundsätzlich wäre es denkbar, dass Sahin noch ein paar Monate in Dortmund bleibt, wie Özil einst in Bremen. Dagegen spricht allerdings der Druck, den Real gerade hat. Acht Punkte Rückstand in der Meisterschaft, das Aus in der CL, ich denke man will jetzt und nicht irgendwann was ändern. Auch für Sahin wäre es jetzt der beste Zeitpunkt. Möglicherweise ist im Winter der Zauber verflogen, Bayern rüstet auf, CL und Meisterschaft wird eine schwierige Doppelbelastung.

    Ich denke es läuft auf einen sofortigen Wechsel hinaus. Ma’kucken.

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  5. @Torsten: Reza Fazeli ist definitiv gut mit Real im Geschäft. Vor allem, wenn er nach Özil und vermutlich Sahin auch noch Hamit Altintop zu den ‚Königlichen‘ vermittelt. Ob das für den Spieler im Einzelfall das Beste ist, wird sich noch zeigen. Ich bin da als Schwarz-Gelber so selbstbewusst zu sagen: Ob Sahin bei Real die gleichen glänzenden Bedingungen (wenn man das Gesamtpaket betrachtet) vorfindet wie in Dortmund, bezweifle ich etwas. Gerade nach den Vorkommnissen der letzten Wochen bei den ‚Clasicos‘.

    Du hast insofern Recht, dass es für Sahin keine Garantie gibt, dass Real nächstes Jahr noch mal anfragt. Das ist bekanntlich ein ungeduldiger Verein. Hätte Nuri allein entschieden, hätte ich ihm aber das Selbstbewusstsein zugetraut, zu sagen: Kommt nicht Real, kommt jemand anderes. Ein aus seiner Sicht guter Grund, mit dem Wechsel nicht zu warten könnte allerdings sein, dass die Ausstiegsklausel nur in diesem Jahr gilt (Spekulation). Die Entscheidung wird ihm so oder so nicht leicht gefallen sein.

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