Mehr als nur übrig

Borussia Dortmund ist seit dem vergangenen drittletzten Spieltag der Fußball-Bundesliga Deutscher Meister. Gut, das mag für viele meiner Leser keine Neuigkeit sein – bleibt die Frage: was machen wir mit den restlichen beiden Spielen? Heinz Kamke hat im Blog „Angedacht“ eine interessante Statistik dazu veröffentlicht, wie sich in der Vergangenheit vorzeitige Meister in ihren ‚übrigen‘ Partien schlugen. Der Rekordmeister FC Bayern durfte natürlich am häufigsten schaulaufen und hat aus diesen Begegnungen eine sehr respektable Bilanz vorzuweisen. Die Erfolgsquote wird allerdings vom BVB übertroffen, der die einzige Partie als feststehender Titelträger 1996 gegen den SC Freiburg mit 3:2 gewann.

Der Ausbau dieser schwarz-gelben Erfolgsbilanz wäre wünschenswert. Es geht selbstverständlich um die sportliche Fairness gegenüber den Konkurrenten von Werder Bremen und Eintracht Frankfurt im Abstiegskampf. Es geht auch um drei mögliche Rekordmarken: die ligaweit meisten Auswärtssiege pro Saison, die wenigsten Gegentreffer und die höchste erreichte Punktzahl, bei der man den FCB zumindest einholen könnte. Mindestens genauso wichtig wäre es aber, wenn die Mannschaft das machen würde, was Jürgen Klopp in der gestrigen PK als weiteren kleinen Entwicklungsschritt bezeichnete: sich voll zu konzentrieren, obwohl es die ganz großen, übergeordneten Ziele nicht mehr gibt. Am Ende der letzten Saison habe ich mich ein klein wenig geärgert (wenn auch nur kurz), wie das abschließende Spiel beim SC Freiburg verloren wurde. Wenn unsere Mannschaft aus den beiden jetzt noch ausstehenden Partien vier Punkte (oder mehr) holen würde, hätte sie eine ohnehin schon perfekte Saison noch mal verfeinert.

Es ist klar, dass das besonders morgen in Bremen eine Herausforderung wird. Der Wille wird bei diesen schwarz-gelben Jungs und mit diesem Trainer nicht das Problem sein. Die Frage ist, ob die Konzentrationsfähigkeit nach den Glücksgefühlen und den Feiern vom Wochenende schon wieder zu 100% hergestellt ist. Und ob nach nur drei Tagen Training in dieser Woche die Fitness wieder stimmt. Schön ist, dass es keine neuen Verletzten zu beklagen gibt. Marcel Schmelzer wird seine muskulären Probleme bis Samstag überwunden haben. Für das Frankfurt-Spiel hat Jürgen Klopp sogar die Rückkehr von Shinji Kagawa in Aussicht gestellt.

Werder Bremen, der Gegner von morgen, ist für mich die neben Hannover und Freiburg größte Überraschung der Saison. Ich hätte der Mannschaft von Thomas Schaaf erneut den dritten Platz zugetraut – tatsächlich spielen sie am 33. Spieltag noch gegen den Abstieg. Was selbst Werder-Fans nicht völlig schlüssig erklären können, möchte ich nur kurz anreißen. Großes Verletzungspech verband sich offensichtlich mit einer durchwachsenen Transferpolitik und Leistungseinbrüchen bei einigen Stammspielern. Der Defensive fehlte über weite Strecken die Stabilität und der Offensive ein echter Spielmacher.

Was den Gastgebern neben den Dortmunder Meisterfeierlichkeiten etwas Hoffnung geben wird, ist die Rückkehr von Sandro Wagner an die Seite von Claudio Pizarro in den Sturm. Ob es jetzt mehr für Wagner oder gegen Werder spricht, dass der 23-jährige in der Rückrunde vom Fehleinkauf zum Hoffnungsträger aufgestiegen ist, sei mal dahingestellt. Tatsache ist, dass von diesem Offensivduo potenziell Gefahr ausgeht, denn den Herrn Pizarro kennen wir ja zu Genüge. Andererseits besteht durchaus die Möglichkeit, dass die Herren Barrios, Lewandowski, Götze oder Großkreutz auch die Bremer Innenverteidigung in Bedrängnis bringen können. Diese wird höchstwahrscheinlich von Per Mertesacker und Petri Pasanen gebildet, da Naldo und Sebastian Prödl weiterhin langzeitverletzt ausfallen.

Um die Erkenntnisse zusammenzufassen: Es würde mich wundern, wenn dieses Spiel 0:0 ausgeht. Die Hoffnung besteht, dass sich selbst Neven Subotic nach seinem herrlichen Auftritt vom Wochenende wieder auf Fußball konzentrieren kann und die Tore auf der anderen Seite fallen. Wenn Romans Rekord doch nicht halten sollte und der BVB 4:3 gewinnt, könnte ich das jedoch auch verschmerzen. Klar ist und bleibt natürlich eins: Jungs, wir lieben euch sowieso – jetzt gehts raus und spielt noch mal schönen Fußball!

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2 Kommentare

  1. Danke für den freundlichen Verweis.

    Und für diese Bemerkung:
    „Ob es jetzt mehr für Wagner oder gegen Werder spricht, dass der 23-jährige in der Rückrunde vom Fehleinkauf zum Hoffnungsträger aufgestiegen ist, sei mal dahingestellt.“

    Gefällt mir

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