Das Ende einer Ära ist der Anfang von etwas Neuem

Nuri Sahin wechselt zu Real Madrid. Was am Wochenende schon weitgehend zur Gewissheit geworden war, gab der Mittelfeld-Regisseur heute Mittag auf einer Pressekonferenz im Westfalenstadion bekannt. Live-Bilder waren davon meines Wissens weder im Fernsehen noch im Internet zu sehen. Ein Szenario, das bei einem Wechsel von beispielsweise Bastian Schweinsteiger völlig undenkbar wäre.

Ob die Substanz der PK eine Übertragung wirklich gerechtfertigt hätte, ist ein anderes Thema. Gemäß dem Ticker von „Der Westen“ hatte Nuri nichts Überraschendes zu sagen. Der Wechsel und die Benachrichtigung von Mannschaft und Trainer sind ihm schwergefallen. Geld spielte keine Rolle, es ging nur um die sportliche Perspektive. Er wird den Verein, die Stadt und die Fans vermissen und immer Dortmunder bleiben. Sahin relativierte zudem den Mythos, dass die Mannschaft sich versprochen habe, zusammenzubleiben.

Soweit sind die Aussagen erwartbar gewesen. Man sollte sie Sahin größtenteils abnehmen, auch wenn sie Teil einer Enttäuschung sind. Womöglich hätte sich Nuri ohne die Überzeugungskraft seines Beraters Reza Fazeli dazu entschieden, noch ein bisschen in Dortmund zu bleiben. Dieser wird ihm eindringlich geraten haben, das Angebot von Real jetzt anzunehmen, weil es womöglich nicht wiederkommt. Ob es Nuri wirklich geschadet hätte, später zu wechseln, bezweifle ich, aber wir werden es nicht mehr erfahren – höchstens wenn es in Madrid gar nicht läuft.

Ärgerlich war Sahins Aussage, dass die Fans wussten, wie er sich entscheiden würde. Nein, Nuri, das wussten wir nicht! Seine Äußerungen im ZDF so zu interpretieren, ist wohl niemand in den Sinn gekommen. Keine Ahnung, was ihn damals geritten hat.

Der BVB musste sich den Gesetzmäßigkeiten der Branche beugen. Ohne die Ausstiegsklausel hätte Sahin 2009 seinen Vertrag möglicherweise nicht verlängert. Ob Madrid für ihn auch einen angemessenen Preis gezahlt hätte, ist fraglich. Für die Zukunft kann die Lehre nur lauten, als Verein solchen Vertragsklauseln nicht mehr zuzustimmen. Durch die Transfereinnahmen haben Michael Zorc und Jürgen Klopp nun Spielraum, im Mittelfeld neben Ilkay Gündogan noch einen weiteren Spieler zu holen, möglicherweise Ivan Perisic. Auch im defensiven Mittelfeld könnte – in Abhängigkeit von Sebastian Kehls Situation – noch etwas passieren. Bereits letzte Woche hatte Zorc bestätigt, dass als Ersatz für Dede noch ein Außenverteidiger verpflichtet wird.

Der Wechsel von Nuri Sahin nach so langer Zeit ist für die Borussia ein Rückschlag. Emotional auf jeden Fall, spielerisch wahrscheinlich. Es ist nicht zu erwarten, dass der Verlust vom ersten Spieltag der neuen Saison an kompensiert werden kann. Es ist aber angesichts der jüngsten Glücksgriffe unserer Verantwortlichen auf dem Transfermarkt nicht auszuschließen, dass das im Lauf der Spielzeit gelingt. Eine Mannschaft ist immer eine Baustelle und ich bin jetzt schon gespannt, wie Jürgen Klopp das Loch im Mittelfeld reparieren wird.

Von Nuri Sahin hätte ich mir eine andere Entscheidung gewünscht. Wir müssen aber akzeptieren, dass er die ihm von uns eingeräumte Chance wahrgenommen hat. Seinen Abgang hätte er jedoch gerne anders gestalten dürfen. Am Samstag wird der Abschied von Dede mit Sicherheit herzlicher ausfallen. Trotzdem danke für alles, Nuri! Mal sehen, ob es sechs Jahre in Madrid werden.

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8 Kommentare

  1. Ich bin auch ein wenig enttäuscht von ihm, gerade hinsichtlich seiner damaligen Aussagen im ZDF..

    dann die Aussagen auf der PK : „er wird die Borussia gebührend in der CL vertreten“ ja klar, aber warum dann nicht direkt beim BVB???

    Ich glaub ihm schon das Real für ihn ein Kindheitstraum ist und war, und das er liebend gern der erste türkische Nationalspieler bei den Königlichen sein will.. denke auch nicht das er zu einem anderen Verein gewechselt wäre..

    Trotzdem bleiben viele Punkte offen!

    Wird er Stammspieler bei dem Überangebot im Mittelfeld?
    Wer weiß ob Mourinho nächste Saison noch da ist..
    und mit Titelgewinnen siehts bei Real momentan auch nicht rosig aus, auch wenn die Häufigkeit sicherlich höher ist als beim BVB..

    dennoch hätte ich mir gewünscht das Sahin lieber DER MANN beim BVB geblieben wäre als einer von Vielen, bei einer Mannschaft die sicherlich keine Sympathiewerte mit ihrem auftreten gewonnen hat in dieser Saison..

    Trotzdem alles Gute Nuri und danke für die schöne Zeit..!!!

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  2. Ich hoffe und gönne es Nuri auch, dass er sich in Madrid durchsetzt. Bitter wäre es eher, wenn er dort nicht klar kommt und wir in der Bundesliga auch nicht.

    Wichtig ist natürlich, gerade wenn man es mit dem Fall Neuer vergleicht, dass er ins Ausland wechselt. Es wäre bedeutend schwieriger zu ertragen gewesen, wenn in der nächsten Saison unser treuester UND unser bester Spieler bei einem Ligakonkurrenten spielen würden.

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  3. Also man muss mal realistisch bleiben. Wenn Barca, Real oder Milan anklopfen, dann gehen die Jungs. Würde ich wahrscheinlich auch.
    Und dass Gündogan verpflichtet wurde, war doch ein Zeichen, daß die vom Wechsel wussten.
    Übrigens ist Gündogan ein Guter…
    Die PK habe ich übrigens gesehen. Weiß nicht mehr ob im TV oder im Netz, aber die Tränen (ist anscheinend Mode) sind gekullert.
    Langsam fühle ich mich als Fan verarscht wenn von großer Liebe gesprochen wird und Tränen und mimimi. Wenns doch so toll ist, warum wechsle ich dann?

    Nehmts mit Stolz, Spieler kommen und gehen, der Verein bleibt! (außer vielleicht Golfsburg oder Hoppenheim..:-)

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  4. @Betzebub: Danke für den Link! Ich hätte halt gedacht, dass wenn der beste Spieler vom Deutschen Meister zu Real Madrid wechselt, die PK auch LIVE gezeigt wird. Auch wenn der Meister mal nicht FC Bayern heißt. Das gehört sicher nicht zur Grundversorgung, aber irgendein Sportportal im Netz oder wenigstens der BVB selber hätten es zeigen können. Letztendlich macht es aber selbstverständlich keinen Unterschied.

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  5. Mei, Nuri Sahin hat nun einmal das Recht, sich für Real zu entscheiden. Er wird halt kein Ryan Giggs werden. Was nur schade ist: Dortmund wird dadurch nicht unbedingt international standfester in der nächsten Saison. Sahin war eine durchaus erfahrene feste Größe im Team.

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  6. Klar hat er das Recht, und ich kanns ihm auch nicht verdenken..

    schade ist nur wenn man immer wieder hört..

    „ich möchte den nächsten Schritt gehen, Real ist ein großer Verein..“

    denken wir mal 15 Jahre zurück da war der BVB gleich auf mit vielen großen Vereinen..

    Ich würde mir einfach nur mal wünschen das auch ein Spieler sagt :

    „Ich bleibe hier und gebe mein Bestes das der BVB wieder zu den ganz Großen gehört“
    das wäre mal ein Zeichen an die anderen Spieler gewesen,aber ist wahrscheinlich utopisch die Vorstellung..
    wenn immer alle top Spieler ins Ausland wechseln ist klar das die Liga nie zu den anderen aufschließen kann.. aber das wird sich ja hoffentlich dank der Financial Fair Play Regelung ändern in den nächsten Jahren..

    Und ich stimme zu das Real mir 1000mal lieber ist als der FC Bayern..

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