Deutscher Meister schreibt auf

1. Bundesliga, 34. Spieltag / BVB 3 Eintracht Frankfurt 1

Das vergangene Wochenende war der Abschluss einer „grandiose Saison“, wie Roman Weidenfeller sagen würde. Borussia Dortmund verabschiedete sich mit einem Ergebnis und einer Meisterfeier, die absolut zu dieser tollsten aller Spielzeiten passten. 3:1 gegen die Eintracht, keine Ausschreitungen nach dem Spiel und keine Probleme bei der Meisterfeier am Sonntag, zu der geschätzte 400.000 Menschen kamen. Noch mehr meiner Leser als sonst werden die Ereignisse live vor Ort oder in den Medien verfolgt haben – daher besteht der letzte Spielbericht der Saison aus mehr Bildern und weniger Worten als gewöhnlich.

Gegenüber von DO Hbf um halb zwölf

Die Atmosphäre vor Anpfiff im Westfalenstadion war großartig. Auf der Videowand wurde ein erneut emotionales Abschiedsinterview von Dede gezeigt und anschließend machte sich unser Liebling auf die Stadionrunde und warf Trikots ins Publikum. Mir selber war nach Feiern zumute und ich denke, den meisten Fans ist es ebenso gegangen. Es war ein fröhlicher Abschied von Dede. Natürlich nicht ohne Wehmut, aber ich habe das Gefühl, dass wir ihn irgendwann wiedersehen. Mir scheint, er selber hat die Meisterfeier genossen und so ging es mir auch. Nuri Sahin wurde ebenfalls würdig verabschiedet und kurz vor dem Spiel entrollte die Südtribüne eine tolle Meisterchoreographie.

Es war wichtig, dass sich Borussia Dortmund auf dem Spielfeld würdig verabschiedet. Wären die Frankfurter trotz einer erneut schwachen Leistung in der Liga geblieben und Gladbach trotz des Aufschwungs abgestiegen, hätte das einen Schatten auf die Feierlichkeiten geworfen. Nicht weil ich es den einen oder den anderen eher gegönnt hätte, die Klasse zu halten – es wäre einfach ein schaler Beigeschmack gewesen, wenn der BVB den Ausgang des Abstiegskampfes mit zwei unnötigen Niederlagen beeinflusst hätte. Die Schwarz-Gelben starteten mit Santana für den kranken Neven Subotic in der Abwehr und Mario Götze für den angeschlagenen Sven Bender im defensiven Mittelfeld. Auf der rechten Außenbahn spielte dafür Kuba.

Meisterkreis kurz nach Abpfiff

Die Mannschaft war zunächst sichtlich bemüht, direkt ins Spiel zu finden und keinen Freizeitfußball wie in Bremen zu präsentieren. Gegen defensiv eingestellte Gäste, die auf ihre Chance lauerten, aber doch zu passiv und harmlos waren, hatte sie es in der ersten halben Stunde nicht schwer. Wenn die Frankfurter in der Liga geblieben wären, hätten sie vor dem Waldstadion eine Statue von Ralf Fährmann aufstellen müssen. Der Torwart hielt nicht nur den von ihm und Köhler verschuldeten Elfmeter von Barrios, sondern war auch bei großen Chancen von Lewandowski und Hummels zur Stelle. Außer ihm erreichten nur wenige Gäste Bundesliga-Niveau.

Nach einer halben Stunde sah es so aus, als würde der BVB doch in die Form von Bremen zurückfallen. Ohne das die Eintracht viel dazu tat, fehlte bei den Schwarz-Gelben plötzlich die Entschlossenheit im Zweikampf und die Dynamik im Offensivspiel. So kamen die Gäste kurz vor der Pause noch zu einer gefährlichen Möglichkeit, als Weidenfeller einen Ball von Gekas an die Latte lenkte.

Konfetti und Schale

Kurz nach der Pause wurde die Borussia für ihre verhaltenere Spielweise bestraft. Mit einem der wenigen vielversprechenden schnellen Angriffe kam die Eintracht zum Erfolg. Nach einer Altintop-Flanke und Verlängerung von Gekas war Rode zur Stelle, den Kid Klappergass als eine der Hoffnungen der SGE in der kommenden Zweitliga-Saison betrachtet. Im Anschluss an das Tor wurden dann ein, zwei Rauchbomben im voll besetzten Gästeblock gezündet. Ansonsten muss man den SGE-Fans ein Kompliment machen. Es gab keine größeren Zwischenfälle und auch wenn es verständlicherweise nicht über 90 Minuten ihr lautstärkster Auftritt im Westfalenstadion war, vertraten sie ihren Verein noch mal besser als viele andere Gäste.

Es war klar, dass die Halbzeitansprache von Jürgen Klopp nicht die Anweisung beinhaltet hatte, auf 0:0 zu spielen oder gar eine knappe Niederlage in Kauf zu nehmen. Zum Glück fanden die Borussen schließlich einen Weg, gegen die tief stehenden Frankfurter wieder ins Spiel zu kommen. Tore helfen da meistens. Lukasz Piszczek war ohnehin schon eine der positivsten Überraschungen der Spielzeit – mit seinem Sololauf und dem Hackenpass auf Barrios vor dem Ausgleich krönte er eine richtig starke Saisonleistung.

Die Absperrung des Rasens ließ sich erwartungsgemäß nicht durchsetzen.

Die Eintracht ist trotz einer guten Hinrunde letztendlich zu Recht abgestiegen. Das wurde noch mal an der fehlenden Reaktion auf den Ausgleich deutlich. Im ganzen Spiel kam von den Gästen zu wenig. Man hätte es dem Meister schwerer machen können. Beim umjubelten 2:1 sah die Frankfurter Defensive ganz alt aus. Hummels passte auf Barrios, dessen Schuss Fährmann noch parieren konnte. Der Ball landete jedoch am Bein von Russ, der von Lewandowski unter Druck gesetzt das Eigentor nicht verhindern konnte. Der Endstand gelang kurz vor Schluss erneut dem starken Barrios, diesmal per Kopf.

Zuvor hatte Dede einen weiteren Elfmeter für den BVB vergeben. Es war klar, dass er diese Chance in seinem letzten Spiel bekommen musste. Titsch-Rivero sah für das Foul an Schmelzer nicht mal eine Minute nach seiner Einwechslung die Rote Karte. So nebensächlich der erneut von Fährmann parierte Strafstoß letztendlich war – für die nächste Saison brauchen wir wieder einen sicheren Schützen und Jürgen Klopp sollte die scherzhafte Aufforderung von der Meisterfeier – „Elfmeterschießen üben“ – beherzigen.

Die Champions League-Millionen sollten für einen neuen Rasen reichen.

Der 34. Spieltag ging wie erwartet und, was unser Spiel betrifft, wie gewünscht aus. Wolfsburg hatte am Ende leider doch zu viel Qualität, um abzusteigen. Gladbach hat sich die Relegation verdient und die Eintracht muss sich aufgrund der Rückrunde zu Recht in der zweiten Liga neu formieren. Ob sie das mit Christoph Daum tun werden, wage ich zu bezweifeln.

Von den Verabschiedungen abgesehen wurde die Feierlaune der Schwarz-Gelben also von nichts getrübt und dementsprechend wurde es eine lange Nacht in diversen Kneipen im Kreuzviertel und der Innenstadt. Der Sonntag begann etwas später, so dass ich die Mannschaft nur im Fernsehen und auf Videoleinwänden sah. Die schwarz-gelben Jungs werden dafür Verständnis haben – ihrem Aussehen nach zu urteilen. Ob Jürgen Klopp und Kevin Großkreutz beim Benefizspiel für Japan am Dienstag in Duisburg wieder voll einsatzfähig sind?

Ich habe zu danken: Für ein perfektes Abschluss-Wochenende einer perfekten Saison. Ja, ihr wart grandios, Roman!

Die Aufstellung: Weidenfeller – Schmelzer, Hummels, Subotic, Piszczek – da Silva, Götze (88. Feulner) – Großkreutz (73. Dede), Lewandowski, Kuba (88. Kagawa) – Barrios. Gelbe Karte: Barrios. Tore: Barrios (2), Russ (ET)

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