Mats the Skipper

Die lange Leidensgeschichte von BVB-Kapitän Sebastian Kehl ist neben dem Schicksal von Florian Kringe der tragischste Teil des Dortmunder Meisterjahres. Sicher – ein Spitzenverdiener wie Kehl ist auch im Verletzungsfall noch privilegiert, aber was Borussias Nummer 5 in den letzten Jahren wegstecken und überwinden musste ist auch im Profisport nicht alltäglich. Ob Kehl die Rückkehr schafft und welchen Status er künftig in der Meistermannschaft haben wird, hat selbstverständlich Implikationen für sein ‚Amt‘. Es ist nicht ausgeschlossen, dass Jürgen Klopp – eher unfreiwillig – einen neuen Kapitän bestimmen wird.

In der abgelaufenen Saison war Roman Weidenfeller der Mannschaftskapitän auf dem Platz. Sollte aus der Sicht des Trainers auch ein formaler Wechsel im Amt nötig werden, ist der BVB-Torwart der natürliche und wahrscheinlichste Kandidat. Er ist ‚handelnder Kapitän‘ und hat ohne Zweifel die nötige Autorität. Wie viel und welche Autorität braucht ein Kapitän jedoch heutzutage? Hat nicht die Theorie, dass der ‚Spielführer‘ am besten ein Feldspieler sein sollte, manches für sich, und sei es nur wegen der Kommunikation mit dem Schiedsrichter?

Mats Hummels wäre ebenfalls ein sehr geeigneter Kapitän für Borussia Dortmund. Es überrascht immer wieder aufs Neue, welch kluge und besonnene Interviews er gibt. Mit der gleichen Haltung könnte er das Amt des Kapitäns auf und neben dem Platz hervorragend ausfüllen. Das Interview mit ihm, das jetzt in der „FAS“ erschienen ist, hat diesen Eindruck nochmals voll bestätigt. Mats macht darin klar, dass man sich bei Klopps BVB Autorität durch Leistung und nicht durch das Alter oder laute Töne erwirbt. Prinzipiell hat jeder Spieler auf dem Platz die gleichen Rechte und Pflichten.

Besonders überzeugend ist Hummels‘ Reaktion auf die Vorwürfe von Altstar Thorsten Frings an die ‚junge Spielergeneration‘. Frings ist nicht der erste ältere oder ehemalige Spieler, der den ‚jungen Leuten‘ vorwirft, sie seien zu angepasst und achteten zu sehr auf ihre Worte. Mats bestreitet das etwas pauschale Urteil gar nicht, sondern liefert vielmehr eine überzeugende Erklärung:

Ich glaube, dass es wirklich so ist. Dass man immer mehr darauf achten muss, was man sagt, weil es immer gleich höhere Wellen schlägt, wenn man mal was überraschend ist oder als nicht passend interpretiert wird. Die größte Gefahr besteht darin, dass aus einem Interview nur zwei, drei Sätze ohne den Gesamtzusammenhang zitiert werden – und schon hast du die tollsten Schlagzeilen.

Da hat jemand ganz offensichtlich verstanden, wie Medien und gerade der Sportjournalismus funktionieren. Möglicherweise ist diese besonders auf- und abgeklärte Haltung bei Mats familiär bedingt, schließlich war seine Mutter Sportjournalistin. In jedem Fall würde sie ihn dafür prädestinieren, sich als erster Ansprechpartner gegenüber den Medien zu äußern – wie das von einem Kapitän erwartet wird.

Es ist nicht wahrscheinlich, dass Mats Hummels in der kommenden Saison dieses Amt übernimmt. Sollte Kehl im Sommer fit werden, wird er wohl vorerst Kapitän bleiben – ansonsten steht Weidenfeller bereit. Das wäre völlig in Ordnung, wie die vergangene Spielzeit gezeigt hat. Eine gute Alternative ist Hummels jedoch allemal. Nicht nur weil man in der Champions League einen Skipper gebrauchen könnte, der ordentlich Englisch spricht.

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2 Kommentare

  1. Ich warte halt bei jedem Interview von ihm darauf, dass er mal was Dummes sagt. Macht doch jeder Fußballer. Aber Mats enttäuscht meine Erwartungen glücklicherweise konsequent. ;-)

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