Kein schwarz-gelbes Märchen

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Viele BVB-Fans werden sich gestern zum ersten Mal seit längerer Zeit wieder an Bajram Sadrijaj erinnert haben (mich eingeschlossen). In der Lokalpresse wurde gemeldet, dass der ehemalige Borussia-Profi am Ostwall in Dortmund einen Verkehrsunfall hatte, dem ein illegales Autorennen vorausgegangen war. Sadrijai blieb (möglicherweise dank des Airbag) unverletzt, sein BMW ist jedoch schrottreif.

Zuvor schien sich der 24-jährige still und leise von der Profikarriere in Dortmund verabschiedet zu haben. Nicht jedem dürfte aufgefallen sein, dass sein Vertrag vor der vergangenen Saison ausgelaufen war und nicht verlängert wurde. Verletzungen spielten dabei eine nicht unerhebliche Rolle. Dabei hatte die Geschichte am Anfang durchaus einen Hauch Fußball-Romantik zu bieten. Bei einem Pokalspiel in Thannhausen war Bajram Sadrijaj den BVB-Verantwortlichen aufgefallen. Etwas später sollte er tatsächlich den Sprung aus dem Amateurfußball zum großen Bundesligisten schaffen. Sadrijaj wurde wohlgemerkt als Perspektivspieler geholt, der zunächst eher für die zweite Mannschaft eingeplant war. Aber 2008 sah es für ein paar Monate so aus, als könne er zumindest als Ergänzungsspieler den Kader der Bundesliga-Mannschaft bereichern.

Bajram Sadrijaj ließ zweimal aufhorchen. Im August 2008 sah er im Erstrunden-Pokalspiel in Essen die schnellste rote Karte aller Zeiten, die sogar im Guinness Buch der Rekorde steht. Doch knapp zwei Monate später hätte er das Happy End des Märchens perfekt machen können, als er beim atemberaubenden Europapokal-Rückspiel in Udine in der Verlängerung eingewechselt wurde. Der BVB hatte bekanntlich mit einem großartigen Auftritt den 0:2-Rückstand aus dem Hinspiel aufgeholt. Kurz vor dem Ende der Verlängerung schoss Sadrijaj dann beherzt aufs Tor, setzte den Ball aber knapp über die Latte. An jenem Tag schien aber auch ein fast unglaubwürdiges Happy End möglich. Das Elfmeterschießen verhalf den Schwarz-Gelben wie so häufig nicht dazu.

Danach wurde es ruhig um Sadrijaj. Heute ist er vereinslos, scheint aber in der Region geblieben zu sein. Als gefallenen Star kann man ihn nicht bezeichnen, es war 2008 nur das kurze Aufblitzen eines Sternchens. Wenn man ehrlich ist gibt es Spieler, die knapp am Durchbruch scheitern, bei vielen Vereinen. Es waren jedoch schon zwei besonders intensive Momente, die man mit dem Namen Bajram Sadrijaj verbindet und sein Aufstieg wäre wirklich kometenhaft gewesen (um im Bild zu bleiben).

Natürlich ist seine unrühmliche Rückkehr in die Schlagzeilen genauso schade wie die Tatsache, dass es ein junger Spieler beim BVB nicht geschafft hat. Aber ebenso natürlich wird das immer wieder vorkommen und man kann meines Wissens nach niemand im Verein vorwerfen, Sadrijaj mehr versprochen zu haben als gehalten wurde. Es ist eine Geschichte vom Rande des Vereins, aber eine, die gerade in diesen Tagen trotzdem erzählt werden sollte.

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5 Gedanken zu “Kein schwarz-gelbes Märchen

  1. Ja, tragisch oder tragikomisch, man kann das wohl so oder so sehen. Das Krasse ist: Wenn danach alles so gelaufen wäre, wie es ist, er aber das Tor in Udine gemacht hätte, wäre er jetzt in unseren Gedanken für immer verewigt.

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  2. Ich denke, dass er selbst Schuld ist, dass seine Karriere schon praktisch zu Ende ist. Ob man sein Tor im Kopf noch hätte? Ich weiß nicht. Ich denke beim Namen Hajnal auch nicht sofort an die 2 Tore gegen Udine.

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  3. Selbst schuld oder es hat einfach nicht gereicht.
    Ich denke aber schon, dass man sich an ein Tor am Ende der Verlängerung von einem Nachwuchsmann aus dem Amateurfußball länger erinnern würde. Selbst oder gerade wenn es seine letzte große Leistung für den BVB gewesen wäre. Schließlich wäre es auch noch das entscheidende Tor gewesen. Da sehe ich insgesamt schon mehr fußballromantisches Potenzial. ;-)

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