Das schönere Zeitspiel?

Über den Frauenfußball wird immer wieder und natürlich auch dieser Tage gesagt, er sei fairer als sein männliches Pendant. Weniger Fouls, weniger Theatralik, weniger Unsportlichkeiten seien zu sehen. Stimmt das noch oder ist es nur noch ein gern wiederholtes Klischee? Die Japanerinnen zeigten gestern bei der WM, dass sie eine Unsportlichkeit schon gelernt haben: das unsägliche Sperren des Balles an der Eckfahne, um die Zeit herunterlaufen zu lassen. Es ist eine Form des Zeitspiels, die ich persönlich hasse wie die Pest und auch beim BVB verurteile, wenn sie denn mal vorkommt. Sie ist im Gegensatz zu anderen Formen, wie wir sie beispielsweise in Sevilla kennengelernt haben, weniger verrufen. Aber warum eigentlich? Es handelt sich um Zeitspiel in Reinform, es ist kein Fußballspiel mehr, sondern Fußballverhinderung – ob bei Männern oder Frauen.

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6 Gedanken zu “Das schönere Zeitspiel?

  1. Marvin

    Da muss ich widersprechen, sorry.
    Natürlich ist das „den Ball halten“ an der Eckfahne Zeitspiel, aber es ist nunmal „Spiel“; der Ball ist also im Spiel und die gegnerische Mannschaft hat die Möglichkeit, ihn zu erobern.
    Das hat für mich einen ganz anderen Charakter als die unzähligen Unverschämtheiten, die verhindern, dass der Ball überhaupt wieder ins Spiel kommmt.
    Sonst dürfte der Ball ja auch nicht durch die Abwehr zirkulieren, man enthält dem Gegner ja den Ball vor…überspitzt , aber läuft für mich aufs Gleiche hinaus.
    Ich denke, das gehört zu einem Spiel, das zeitlich begrenzt ist, einfach dazu, dass die in Führung liegende Mannschaft kurz vor Spielschluss versucht, den Ball nicht zu verlieren.

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  2. Erstmal „Tach“!

    Ich stimme da mit Marvin überein, es gehört dazu und warum sollte es verpöhnt sein? Eine Mannschaft möchte die letzten Minuten gerne mit Ballbesitz überstehen und versucht dies an der Eckfahne. Verlieren sie den Ball, was ja auch gut möglich ist, hat man die Chance einen Angriff zu starten. Mag vielleicht wie Zeitspiel rüberkommen, aber dann würde ich sagen, es ist legitimes Zeitspiel, die Pille ist schließlich im Spiel und kann zurückerobert werden.

    Wie gesagt, Marvin hat eigentlich schon meine Meinung getroffen. ;-)

    Gruß
    Pilstim

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  3. Ich muss da Marvin klar zustimmen. Solange der Ball im Spiel ist, sehe ich darin kein Problem, weil der Gegner die Chance hat, an den Ball zu kommen. Liegen die Spieler aber nur am Boden wir die Männer aus Sevilla, obwohl man gar nichts hat, dann ist es Zeitspiel und gehört meiner Meinung nach auch bestraft. Entweder mit einer Verwarnung oder eben damit, dass man als Schiedsrichter dann halt 5 Minuten drauf packt.

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  4. Marvin schreibt, das Ball halten an der Eckfahne sei „Spiel“, aber das ist es nur formell. Für mich ist es Spielverhinderung. Die Zeitspieler(innen) versuchen, mit ihrem Körper die Gegner(innen) daran zu hindern, an den Ball zu kommen. Sie sperren den Ball und haben gar kein Interesse, ihn selber zu spielen. Sie versuchen höchstens, Eckbälle und Einwürfe zu provozieren, um noch mehr Zeit schinden zu können.

    Es ist in diesen Situationen für den Gegner viel schwerer, an den Ball zu kommen und etwas Sinnvolles mit ihm zu machen, als wenn der Ball nur durch die Abwehrreihe zirkuliert. In letzterem Fall ist der Ball frei und der Gegner hat gute Chancen, ihn zu erobern, wenn er etwas Risiko eingeht. Und solch ein ‚Zeitspiel‘ halte ich auch für vollkommen legitim.

    Das Ball sperren an der Eckfahne widerspricht dagegen mMn dem Charakter des Spiels, auch wenn der Ball formell im Spiel bleibt. Ich finde es unschön und unsportlich und eine einfach umzusetzende Regeländerung könnte dafür sorgen, dass diese Form von Zeitspiel in Zukunft unterbleibt. Dazu bräuchte man keine technischen Hilfsmittel wie bei anderen diskutierten Neuerungen.

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  5. Es ist zwar schwerer, aber es ist eben möglich. Klingt jetzt vielleicht auf den ersten Blick komisch, trotzdem nenne ich es eine Kunst den Ball so abzuschirmen, dass der Gegner ihn nicht erobern kann. Die Situation ist doch diese, ein Spieler geht mit dem Ball in Richtung der Eckfahne und ein Verteidiger verfolgt ihn. Es ist sozusagen ein Zweikampf. Diesen kann auch der Verteidiger gewinnen und dann einen Angriff seiner Mannschaft einleiten. Wo sollte bei einer Regeländerung denn überhaupt die Grenze gezogen werden? Eine solche Situation kann ja auch eher zufällig entstehen und eben kein Platz zum Abspiel bzw. keine Anspielmöglichkeit vorhanden sein. Dann bleibt, außer den Ball zu behaupten und evtl. ’ne Ecke rauszuholen, keine andere Möglichkeit.

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  6. Es ist ein Zweikampf, aber ein ungleicher, weil der eine Spieler nur zerstören will und der andere den Ball erobern UND verwerten muss. Diese ‚Zweikämpfe‘ finden ja immer an der für den Verteidiger eigenen Torauslinie statt, so dass es für ihn schwierig ist, direkt einen Angriff einzuleiten. Aus diesen Situationen heraus sind selten zielgerichtete Pässe möglich.

    Bei einer Regeländerung würde man die Interpretation der Situation dem Schiedsrichter überlassen. Ich halte es für nicht besonders schwer, hier zwischen gewollter Spielverzögerung und einer zufällig entstandenen Situation zu unterscheiden. Im letzteren Fall, der während dem Spiel öfter vorkommt, versucht der Stürmer eine Standardsituation zu erzwingen, ohne das Spiel während des Zweikampfs oder im Anschluss zu verzögern. Wenn der Stürmer aber kurz vor Schluss zielstrebig die Eckfahne anstrebt, obwohl ein Angriff aufs Tor auch nicht aussichtslos wäre, ist das meistens gut zu erkennen.

    Die Grenze könnte man auch zeitlich definieren: Wenn ein Spieler den Ball an der gegnerischen Eckfahne länger als sechs Sekunden (analog zur Regel bei den Torhütern) dergestalt sperrt, dass er ihn mit dem Rücken zum Spielfeld verteidigt, würde Freistoß für den Gegner gegeben.

    Die Regeln verbieten es bereits, den Ball dadurch zu sperren, dass man beispielsweise auf oder über ihm liegt. Der Ball muss prinzipiell zugänglich sein und das gilt im von mir geschilderten Fall nur sehr eingeschränkt. Die bestehende Regel dementsprechend zu erweitern, wäre kein großes Problem. Ich finde diese ‚Taktik‘ einfach unsportlich, sie ist ein verhältnismäßig neues Phänomen und ich wüsste nicht, was dem Fußball verloren ginge, wenn sie wieder verschwinden würde.

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