Engländer lernen deutsch

Dietmar Hamann hat einen neuen Verein – den englischen Fünftligisten Stockport County. Der Torschütze aus dem ‚Finale für Wembley‘ übernimmt dort seinen ersten Posten als hauptverantwortlicher Trainer. Zuletzt hatte er als Coach bei Leicester City gearbeitet – unter Sven-Göran Eriksson. Stockport ist eine Nachbarstadt von Manchester, wo Hamann drei Jahre selbst gegen den Ball getreten hat. Die ‚Hatters‘, wie County auch genannt wird, sind allerdings gerade nach über 100 Jahren wieder aus dem Profifußball abgestiegen.

Hamanns erstes Engagement als Cheftrainer ist sicher auch einer Investorengruppe aus Liverpool zu verdanken, die den finanziell angeschlagenen Hatters unter die Arme greifen will. Der Verein spielt in der nächsten Saison zwar nominell in der obersten Amateurliga, der Conference National (Blue Square Bet Premier), wird jedoch bessere Bedingungen haben als die meisten Konkurrenten. Das Stadion Edgeley Park ist zwar kein Schmuckstück, fasst aber über 10.000 Zuschauer. Die Fans machen für die Ebene, auf der der Club zuletzt spielte, gut Stimmung. Für Hamann ist der Einstieg auf Amateurebene Chance und Herausforderung zugleich. Dank der zu erwartenden Investitionen wird Stockport zu den Ligafavoriten gehören, die Verantwortlichen könnten jedoch schnell nervös werden, wenn nicht wenigstens die Play-Offs in Sichtweite sind.

Stockport County ist nicht der einzige englische Verein, der neuerdings einem deutschen Trainer vertraut. Vor einigen Wochen hat der sympathische, wenn auch nicht unbedingt trendige Londoner Vorstadtverein Brentford Uwe Rösler als Trainer verpflichtet. Der ehemalige DDR-Nationalspieler ist in England vor allem durch sein Engagement als Spieler bei Manchester City bekannt, in Deutschland war er unter anderem für Dresden, Nürnberg und den FCK aktiv. Rösler beendete seine Spielerkarriere 2003 bei Lillestrom SK aufgrund einer Krebserkrankung. Nachdem er diese glücklicherweise überwinden konnte, machte er sich in Norwegen einen Namen als Trainer. Sein Ruf reichte immerhin, um dem ambitionierten englischen Drittligisten Brentford aufzufallen. Die ‚Bees‘ hatten bereits zuletzt auf die jungen Trainer Andy Scott und (übergangsweise) Nicky Forster gesetzt. Auch auf dieses deutsche Engagement in England darf man gespannt sein. Als eine der ersten Neuverpflichtungen Röslers ist Marcel Eger vom FC St. Pauli nach London gewechselt.

Stellen Brentford und Stockport nun schon einen Trend dar? Warum vertrauen zwei englische Vereine ihre ‚Fußballschüler‘ deutschen ‚Lehrern‘ an? Der gute Ruf, den sich der deutsche Fußball durch die letzte WM und die stimmungsvolle und spannende Bundesliga erworben hat, ist inzwischen auch in England angekommen. Der positive Fußball, den die Nationalmannschaft (gelegentlich) zeigt und den junge Trainer wie Klopp, Slomka, Tuchel etc. vermitteln, hat im Mutterland des Sports Eindruck hinterlassen. Es spielt jedoch mit Sicherheit auch eine Rolle, dass Hamann und Rösler bereits vorher in England tätig waren und den dortigen Fußball kennen. Wie die beiden zurechtkommen, wird eins der vielen spannenden Themen sein, die der unterklassige englische Fußball zu bieten hat.

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10 Kommentare

  1. Als Rösler bei Man City gespielt hat, trugen die City fans ein t shirt „Rösler’s Grand Pa bombed Old Trafford“, was natürlich ein wenig geschmacklos ist aber wunderbar die Geschichte und die Rivalität beider Clubs untermalt.

    War nicht Hamann letztens noch beim Franchise FC in Milton Keynes als Spielertrainer unter Vertrag?

    Beide, Rösler und Hamann, kennen Englands Fußball sicher sehr gut, dennoch wage bin ich der Meinung, dass sie in ihren jeweiligen Vereinen nicht das herbeizaubern können, was Klopp, Tuchel und Co. in den letzten zwei, drei Jahren in Deutschland mit ihren Vereinen gemacht haben, nämlich hoch ansehnlichen Fußball spielen zu lassen. Dafür sind die Vereine, Stockport und Brentford einfach nicht gut genug und zu sehr bestrebt nach oben zu kommen, egal wie.

    Ansonsten wollen wir abwarten, wie es sich für beide entwickelt. Hamann hat sicher mehr Druck, weil er bekannter ist aber Rösler spielt in der 3. Liga, was auch nicht ohne ist.

    We’ll see.

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  2. Tja, bei Didi Hamann ging in der Tat im letzten Jahr alles ziemlich schnell. Wer wollte auch länger als nötig in Milton Keynes bleiben?
    Ich glaube auch nicht, dass Rösler und Hamann jetzt direkt die Ligen aufmischen werden wie die genannten deutschen Trainer. Für beide sollte es im ersten Jahr das Ziel sein, in die Nähe der Play-Offs zu kommen, das wäre bei so großen und daher mit vielen Variablen besetzten Ligen schon ein Erfolg. Ich denke aber, dass Klopp, Tuchel etc. zum positiven Image des deutschen Fußballs beigetragen haben, das wiederum Rösler und Hamann bei der Kandidatensuche der beiden Vereine begünstigt hat (als einer von mehreren Faktoren).

    Wie du schon schreibst: Hamann wird mehr Druck haben, wie auch der wie immer gute Beitrag bei „Twohundredpercent“ nahelegt. Es wird anscheinend auch spannend zu sehen sein, ob sich die versprochenen Investitionen bei Stockport wirklich materialisieren.

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  3. Das ist es ja. Wie oft hört man, nicht nur in England, auch in Deutschland und sicher auch anderswo, dass ein sugar daddy Millionen und top Spieler verspricht und man ja sehr schnell in den Höhen des europäischen Spitzenfussballs zu finden sei. Beste Beispiele sind sicher Notts County, RB Leipzig aber auch Hoffenheim und etliche mehr.

    Stehen Rösler und Hamann tatsächlich für attraktiven Fußball wie ihn Klopp und Tuchel spielen lassen? Ich kann es nicht einschätzen, da ich keinen als Spieler bzw als Trainer gesehen habe.

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  4. Wen man ja nun gar nicht als filigranen Spieler kennt, der aber mit der U17 gerade WM-Dritter wurde, ist Steffen Freund. Vielleicht können Rösler und Hamann das auch.

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  5. Ich denke auch, dass es keine direkte Verbindung zwischen dem Spielstil als Spieler und der später als Trainer propagierten Spielweise geben muss. Als Spieler erfüllt man ja eine bestimmte Rolle, als Trainer muss man die gesamte Mannschaft im Auge haben. Vor allem hoffe ich, dass die neuen Trainer in ihrer Ausbildung noch einiges über Taktik etc. dazugelernt haben.

    Über die Spielweise, die Rösler in Norwegen zu seinen beachtlichen Erfolgen geführt hat, weiß ich bisher auch kaum etwas. Und Hamann übernimmt ja erst jetzt wirklich Verantwortung für eine Mannschaft.

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