Ein nettes Bällchen

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Testspiel / FC St. Gallen 1 BVB 6

Am Dienstag lief das erste BVB-Livespiel der Saison im Fernsehen und Sport 1 hätte sich wahrlich langweiligere Partien aussuchen können. Jeder weiß, dass die Aussagekraft von Spielen in der Saisonvorbereitung begrenzt ist, aber für meinen Geschmack war es doch eine kurzweilige und interessante Begegnung.

Typisch Testspiel war die Anfangsphase gegen den aus der Super League abgestiegenen FC St. Gallen. Die Schweizer stehen (wie der letzte Gegner FC Zürich) kurz vor dem Saisonstart, die Schwarz-Gelben gingen „aus dem vollen Training“ ins Spiel, stecken also noch mitten in der Vorbereitung. Dass sich der BVB zunächst schwer tat und in Rückstand geriet war ebenso dieser Tatsache geschuldet wie auch der ungewohnten Formation der Viererkette: Piszczek, der junge Neuzugang Hübner, Hummels und links Florian Kringe haben außerhalb des Trainings so noch nie zusammengespielt – aber es war ja ein Test. Beim Gegentor in der 13. Minute tanzte Etoundi Kuba und Hübner aus und auch Gündogan konnte ihn im Strafraum nicht aufhalten.

Der BVB übernahm im Anschluss die Spielregie. Spielerisch überzeugen konnte in der ersten Halbzeit einmal mehr Shinji Kagawa – fast alle ansprechenden Szenen liefen über ihn. Allerdings fanden die Schwarz-Gelben erst nach und nach zu ihrem gewohnt flüssigen Spiel. Torgefahr kam in erster Linie bei Standards auf. Kurz nach einem Eckball flankte Kuba von rechts weit nach links in den Strafraum, Kringe setzte mit dem Kopf Hummels ein, der ebenfalls per Kopf den Ausgleich erzielte. Florian Kringe machte auf der linken Seite generell ein sehr ordentliches Spiel und bestätigte meine Auffassung, dass er zwar zu viel verdienen mag, aber nach wie vor als Back-Up für viele Positionen nützlich sein könnte.

Ilkay Gündogan wirkte sehr engagiert, ohne dass ihm alles gelang. Als ich gerade die Standards von Nuri Sahin zu vermissen begann, schlug sein vermeintlicher Ersatz in der 37. Minute eine scharfe Ecke in den Fünfmeterraum, die der frei stehende Mats Hummels zu seinem zweiten Kopfballtreffer nutzte.

In der zweiten Halbzeit ging alles viel schneller. Der FC St. Gallen offenbarte immer mehr Abwehrschwächen, während die neue BVB-Viererkette mit Subotic und Santana in der Innenverteidigung sowie Hornschuh und Löwe auf den Außen souverän agierte. Nach Kagawa war nun Mario Götze der Spieler, der die kreativen Ausrufezeichen setzte. Wie schön wird das erst, wenn die wieder zusammenspielen? Beim 3:1 musste Robert Lewandowski nach Götzes Vorarbeit nur noch abstauben, das 4:1 war eine Demonstration von Roberts Stürmerqualitäten – Ballannahme, Drehung, strammer Schuss. Auch auf dieser Position müssen wir uns keine Gedanken machen, wenn niemand mehr den Verein verlässt.

Mitchell Langerak durfte sich noch einmal auszeichnen, dann waren wieder die Schwarz-Gelben am Drücker. Kevin Großkreutz zeigte eine ganz starke Vorstellung und setzte auf der linken Seite deutlich mehr Akzente als sein Konkurrent Ivan Perisic. Das 5:1 erzielte der Dortmunder Junge selbst, beim 6:1 gelang ihm eine bildschöne Vorbereitung, die Götze hervorragend nutzte. Ein so laufstarker UND kreativer Großkreutz hat gute Chancen auf einen Platz in der Startelf. In der zweiten Halbzeit wies auch Sebastian Kehl nach, dass er zumindest wieder auf einem guten Weg zur vollen Fitness und engagiert wie immer ist.

Um es noch mal zu sagen: Dieses Spiel gegen einen Schweizer Zweitligisten ist nicht überzubewerten, aber angesichts der Voraussetzungen war das eine gute Leistung der Borussia, die Vorfreude weckt, falls das überhaupt noch nötig sein sollte. Nach dem letzten Testspiel im Trainingslager gegen Polonia Warschau folgen in der nächsten Woche drei weitere Livespiele: Beim Turnier in Mainz zunächst gegen die Gastgeber und einen Tag später gegen den HSV oder die Bayern. Bei diesen Partien sollen auch Marcel Schmelzer und Sven Bender wieder einsatzfähig sein. Und dann am Wochenende der Supercup in Gelsenkirchen. Jedes BVB-Spiel ist ein schönes Spiel.

Die Aufstellung: (HZ 1) Weidenfeller – Piszczek, Hübner, Hummels, Kringe – Gündogan, da Silva – Kuba, Kagawa, Perisic – Zidan. (HZ 2) Langerak – Hornschuh, Subotic, Santana, Löwe – Leitner, Kehl – Götze, Le Tallec, Großkreutz – Lewandowski. Tore: Hummels (2), Lewandowski (2), Großkreutz, Götze.

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