Hardtwaldhelden. Ein Pokal-Interview.

An diesem Wochenende geht es endlich auch für die deutschen Fußball-Erstligisten richtig los. Borussia Dortmund tritt am Samstagabend zur ersten Runde des DFB-Pokal beim SV Sandhausen an. Die ersten Internet-Recherchen zum Pokalgegner der Schwarz-Gelben waren nach der Auslosung schnell gemacht. Da es sich bei Sandhausen jedoch mutmaßlich um einen Drittligisten handelt, über den man außerhalb Süddeutschlands nicht so viel weiß wie beispielsweise über Carl Zeiss Jena oder Kickers Offenbach, sollte man vielleicht jemand fragen, der sich wirklich auskennt. Deshalb habe ich Nina vom Blog „Hardtwald Helden“ – benannt nach dem Stadion des SVS – ein paar Fragen rund um den Verein gestellt. Wer noch mehr erfahren will, sollte auf ihrer sehr empfehlenswerten Seite vorbeischauen. Dort habe ich im Vorbericht zum Pokalspiel auch ein paar Fragen zur Borussia beantwortet.

Nina, Sandhausen liegt in der Nähe von Heidelberg im Rhein-Neckar-Raum. In eurer Region hat sich in den letzten Jahren sicher viel Aufmerksamkeit auf die TSG Hoffenheim konzentriert. Wie siehst du als Fan eines anderen Vereins aus der Gegend die Hoffenheimer?

Ich beobachte Hoffenheim bereits seit vielen Jahren. In diesen Jahren habe ich mit angesehen, wie sie am SVS, der jahrelang die Nummer 1 in der Rhein-Neckar-Region war, vorbeizogen.

Gibt es da eine lokale Rivalität? Sind die für euch überhaupt interessant?

Eine gesunde Rivalität ist selbstredend vorhanden. Wer sich ernsthaft mit Hoffenheim oder Sandhausen auseinander setzt, sollte auch eine klare Meinung fassen. Entweder Hopp ;) oder top.

Denkst du, dass es Auswirkungen für Sandhausen hat, dass die TSG in der Bundesliga spielt?

Bis zum Durchmarsch unter Rangnick aus der Regionalliga in die 1. Bundesliga, war Sandhausen der deutlich beliebtere Verein. Obwohl Sandhausen nie höher als Regionalliga spielte hatte man sich in der Vergangenheit als deutscher Amateurmeister oder DFB-Pokalschreck einen Namen gemacht. Als Hoffenheim hingegen nach nur einem zweitklassigen Jahr in Liga 1 aufstieg waren sie immer noch die Unbekannten. Ich würde lügen, wenn ich behaupte, dass uns die Bundesligazugehörigkeit der TSG keine Zuschauer kostet.

Der SV Sandhausen ist als Aufstiegsfavorit vieler Drittliga-Experten in die vergangene Saison gestartet, konnte diesen Erwartungen aber nicht gerecht werden. Woran hats gelegen?

Der einstige Leitspruch ‚Wir sind ein Team‘ wurde schlichtweg gebrochen. Es wurden tolle Einzelspieler verpflichtet, die nur leider nicht als Mannschaft funktionierten, zumindest bis zur Rückkehr von Gerd Dais. Er holte sie zurück auf den Boden und formte aus einer Überzahl an isolierten Einzelspielern eine Besatzung mit Teamgeist.

Was waren in der letzten Saison die Stärken und Schwächen des SVS?

Schwächen: Zunächst war die löchrige Defensive völlig hinderlich für den Sandhäuser Spielfluss. Es schien so als würde sich jeder akribisch aufs Tore verhindern konzentrieren, so dass man selbst keine Tore mehr schoss. Dieses Manko konnte Gerd Dais jedoch zum Ende beheben.

Stärken: Zum Saisonabschluss war die Defensive (vom Kicker sogar als Fort Knox betitelt) schier unüberwindbar. Seit der Rückkehr von Gerd Dais schaffte man es seit dem 26. (von 38) Spieltag(en) in der zurückliegenden Saison bis jetzt ungeschlagen zu bleiben. Die Bilanz glänzt nun mit 23 Spielen ohne Niederlage (Punktspiele, Test- u. Pokalspiele) bis zum gestrigen 1. Spieltag der neuen Saison.

Wie die meisten Vereine hat Sandhausen einige neue Spieler geholt, eine ganze Reihe hat auch den Verein verlassen. Du hast bei dir im Blog die Saisonvorbereitung verfolgt – hast du schon einen Eindruck von den Neuen?

Der Kader wurde nur punktuell verstärkt und etwas verkleinert. Schmerzhaften Abgängen von beliebten Leistungsträgern wie Emre Öztürk und Sreto Ristic stehen zumindest bisher überzeugende Zugänge entgegen. Allen voran David Blacha, aber auch an den beiden Stürmern Aykut Öztürk und Yannick Imbs, der trotz des Sprungs von Oberliga in die 3. Liga ein tolles Gesicht zeigt, werden wir sicherlich viel Spaß haben. Kandziora, Halfar, Busch und Kühn müssen sich erst noch beweisen. Rückkehrer Jan Fießer wird den Spielfluss erst wieder in einigen Monaten mitbestimmen können.

In welchen Bereichen werden sie euch weiterhelfen?

Gerd Dais hat es in meinen Augen verstanden die Spieler vollkommen in ihren Positionen zu perfektionieren. Die Defensive ist wie eine Wand. In der Vorbereitung schossen – wie es sich gehört – die 4 Stürmer die meisten Tore. Mit diesem simplen Rezept, in dem sich einfach jeder auf seine Aufgabe konzentriert, kann der Erfolg auch wieder Einzug nehmen.

Hast du vielleicht den ehemaligen Dortmunder Marcel Kandziora schon spielen sehen?

Ja, er war bei allen Vorbereitungsspielen mit von der Partie. Auch gestern im 1. Saisonspiel habe ich ihn genauer beobachtet. Bisher habe ich ihn sehr zurückhaltend erlebt. Es gab einige tolle Spielzüge, dennoch könnte er durchaus aufdringlicher spielen.

Was erwartest du ganz allgemein für den SVS von der neuen Saison?

Ich habe in der Vorbereitung und im 1. Punktspiel eine tolle Truppe gesehen. Das realistische Saisonziel eines einstelligen Tabellenplatzes wird sicherlich erreicht werden. Mit Platz 4 oder wahrscheinlicher, dem erneuten Gewinn des badischen Verbandspokals sollte man auch nächste Saison im DFB-Pokal vertreten sein.

Und glaubst du, dass ihr am Samstag möglicherweise erneut für eine Pokal-Sensation sorgen könnt – wie in den 1990ern gegen den VfB Stuttgart?

Dortmund ist mir als deutscher Meister ein dankbarerer Gegner im DFB-Pokal als es letztes Jahr der FC Augsburg nach der gescheiterten Bundesliga-Relegation war. Wenn sich Dortmund seinerseits eine Spur zu sicher in der Favoritenrolle fühlt und Sandhausen einen guten Tag hat, bin ich davon überzeugt, dass das Spiel nicht zugunsten des Bundesligisten ausgehen muss. Der Pokal schreibt seine eigenen Gesetze, ein Sieg für Sandhausen ist im Bereich des Möglichen.

Vielen Dank für das Interview, Nina! Die Sandhausener haben wirklich eine beeindruckende Serie ohne Niederlage hingelegt und könnten dem BVB am Samstag mit ihrer Defensive eine Kokosnuss zu knacken geben. ;-)

Die Borussia hat sich allerdings unterdessen auch im letzten Testspiel vor dem Ernstfall sehr ansehnlich präsentiert. Bei der Stadioneröffnung des französischen Erstligisten FC Valenciennes siegte der deutsche Meister gegen die Gastgeber mit 1:0. Vor allem in der ersten Hälfte traten die Schwarz-Gelben sehr dominant auf und hatten den Löwenanteil an Ballbesitz. Das Tor erzielte Mohamed Zidan, nachdem Mario Götze erneut einen seiner brillanten Sololäufe vollzogen hatte, im Abschluss aber am starken Torhüter gescheitert war. Mo versenkte den freien Ball volley im Tor.

Weitere Erkenntnisse, die über das schon in den letzten Partien Gesehene hinausgehen: Sven Bender, Subotic und Kuba sind wieder fit und durften sich über 90 Minuten beweisen. Die ersten beiden haben das zwar nicht nötig, zeigten aber trotzdem eine grundsolide Leistung. Kuba war in der ersten Hälfte auffälliger, spielte einige Male seine Schnelligkeit aus und traf einmal den Pfosten. Für einen Platz in der Startelf dürfte der Auftritt aber nicht gereicht haben. Chris Löwe machte hinten links eine sichere Partie und kann zusätzlich noch gute Standards treten. Für mich wäre er absolut die beste Lösung auf dieser Position, falls Marcel Schmelzer am Samstag ausfällt.

Manchmal tendieren die Schiedsrichter, die bei bi-nationalen Testspielen in der Regel aus dem Gastgeberland kommen, dazu, die Heimmannschaft zu bevorzugen. Die rote Karte gegen Felipe Santana wegen einer vermeintlichen Notbremse war jedenfalls völlig überzogen. Sie sorgte jedoch dafür, dass das Spiel im letzten Viertel ausgeglichener war und auch die Franzosen noch ein paar Chancen hatten. Die Fans hatten ohnehin ihren Spaß und präsentierten sich (wie häufiger in Nordfrankreich) sehr sangesfreudig.

Um ehrlich zu sein fällt mir momentan wenig ein, was gegen ein Weiterkommen des BVB am Samstag spricht. Die Bilanz des SV Sandhausen ist ohne Frage stark, aber die Schwarz-Gelben wirken konzentriert, engagiert und spielfreudig. Nur eine ganz schlechte Tagesform, möglicherweise in Verbindung mit Elfmetern, könnte sie stoppen.

Advertisements

Ein Kommentar

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s