Erfüllte Erwartungen und die Rückkehr des Zauberers

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DFB-Pokal, 1. Runde / SV Sandhausen 0 BVB 3

Das Pokalspiel am Samstag hat viel von dem bestätigt, was für diese Begegnung zu erwarten war. Erfüllte Erwartungen sind dabei nicht gleichzusetzen mit Routine oder gar Langeweile. Es war vielmehr ein Saisonauftakt nach Maß für die Borussia, der das große Vertrauen bestätigte, das wir inzwischen in diese Mannschaft und diesen Trainer setzen. Auf augenscheinlich tiefem und feuchtem Boden konnten die Schwarz-Gelben ihr schnelles Pass- und Kombinationsspiel zwar nur streckenweise umsetzen, sorgten aber trotzdem für einige Glanzpunkte. Vor allem einer: Shinji Kagawa zauberte, als sei er nie weg gewesen.

In welche Richtung das Spiel laufen würde, war schnell klar. Die Sandhäuser adaptierten die Taktik, die vermutlich die meisten unterklassigen Gegner gegen den deutschen Meister gewählt hätten: Sie standen dicht gestaffelt und tief, um das schnelle Offensivspiel des BVB zu unterbinden und bei Gelegenheit Konter zu fahren. Diese Strategie hatte angesichts der defensiven Stabilität des SVS in der jüngeren Vergangenheit (siehe Interview) sicher ihre Berechtigung und wurde durch die das Passspiel erschwerenden Platzbedingungen noch erleichtert. Wenn man aber einen Spieler von der Qualität Shinji Kagawas in seinen Reihen hat, dann findet der eben eine kreative Lösung für das Überwinden der Abwehrreihen. Beispielsweise einen herrlichen Lupfer wie in der 10. Minute, als die Sandhäuser Abseitsfalle nicht funktionierte und der frei stehende Robert Lewandowski den Ball perfekt verarbeitete.

Eine frühe Führung hilft in einer solchen Konstellation ganz besonders – außer vielleicht den Leverkusenern. Lewandowski demonstrierte sein Selbstvertrauen knapp fünf Minuten später mit einem Fallrückzieher, der leider direkt bei Torwart Ischdonat landete. Der im übrigen der stärkste Sandhäuser war. Unsere Nummer 9 zeigte ein gutes Spiel, verfehlte eine Kagawa-Vorlage nur knapp, hätte einige Minuten vor der Pause etwas beherzter abschließen müssen, erzielte aber kurz vor Spielende nach einem schweren Abwehrfehler noch den zweiten Treffer. Ein weiteres Indiz dafür, dass der Ausfall von Lucas Barrios schade, aber zu verschmerzen ist.

Natürlich vergaben die Schwarz-Gelben auch wieder Chancen, aber das ist bei dieser insgesamt konzentrierten Leistung und dem hohen Ballbesitz-Anteil ebenfalls zu verschmerzen. Vor allem, wenn man dann sieht, wie das zweite Tor fällt. Ausschlaggebend war ein herrlicher Doppelpass zwischen Kagawa und Gündogan. Diesmal lupfte Gündogan Shinjis Zuspiel in den Strafraum und der zauberte den Ball mit einem artistischen Schlenzer ins rechte Eck. Der Lupfer war das Mittel der Stunde, beide Tore wurden jedoch auch sehenswert vollendet.

Die Gastgeber enttäuschten nicht direkt, aber der BVB hatte auf alles eine Antwort. In der ersten Hälfte klärte der starke Löwe zwei potenziell brenzlige Situationen, in der zweiten musste Weidenfeller einmal eingreifen und ein Weitschuss landete neben dem Tor. Vor allem, wenn man diese Leistung mit der einiger anderer Bundesligisten an diesem Wochenende vergleicht, war das schon sehr souverän von den schwarz-gelben Jungs. Sie dominierten das Spiel 90 Minuten lang (wie übrigens anscheinend auch die Tausende BVB-Fans auf den Rängen) und so kam trotz der lange Zeit knappen Führung kaum Nervosität bei mir auf. Das späte 3:0 war folgerichtig und tut sowohl dem eingewechselten Perisic gut, der über links die Vorlage gab, als auch dem Doppeltorschützen Lewandowski.

Der Gegner vom kommenden Freitag tat sich beim Fünftligisten VfB Oldenburg viel schwerer und so ist die Favoritenrolle für den lang ersehnten Liga-Auftakt klar vergeben. Das muss nun wirklich nichts heißen, aber Nervosität ist zumindest nicht angebracht. Mal ein schönes Gefühl zur Abwechslung. Die spannendste Frage bis zum Anpfiff wird aus schwarz-gelber Sicht sein, wer die 6er-Positionen im Mittelfeld bekleidet. Ilkay Gündogan dürfte nach dem Pokalspiel gesetzt sein. Sebastian Kehl hat in Sandhausen ein ordentliches Spiel gemacht und könnte für das HSV-Spiel gegenüber dem zuletzt angeschlagenen Sven Bender einen kleinen Vorteil haben. Fazit nach einem gelungenen Pokal-Wochenende: Alles andere als verregnete Aussichten für den BVB!

Die Aufstellung: Weidenfeller – Piszczek, Subotic, Hummels, Löwe – Kehl, Gündogan – Götze (70. Kuba), Kagawa (85. Leitner), Großkreutz (71. Perisic) – Lewandowski. Tore: Lewandowski (2), Kagawa

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