Wenn die Welt auf Dortmund schaut

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Das Eröffnungsspiel der 1. Bundesliga zwischen Borussia Dortmund und dem Hamburger SV wird am Freitagabend das wichtigste Fußballspiel der Welt sein (ich entschuldige mich für die eventuelle Missachtung weniger bekannter Fußball-Länder). Die anderen großen Ligen sind noch in der Sommerpause. In England startet immerhin die zweite Liga mit der Begegnung Hull City gegen Absteiger Blackpool. Die größte Aufmerksamkeit dürfte jedoch das Spiel im Westfalenstadion bekommen, das mit Sicherheit in eine dreistellige Zahl von Ländern [UPDATE: Es sind 199] übertragen wird.

Die Borussia hat sich diese Aufmerksamkeit mit der grandiosen letzten Saison verdient. Jetzt geht es jedoch wieder von null los und niemand scheint das besser verstanden zu haben als die Verantwortlichen und Spieler des BVB. Das lässt hoffen. Testspiele, Supercup und Pokal deuten darauf hin, dass die Schwarz-Gelben wieder Lust auf Fußball haben. Was das für den Ligaalltag bedeutet, werden wir am Freitag erstmals erleben. Das Schöne ist, dass alle Neuzugänge schon ansatzweise das gezeigt haben, was von ihnen längerfristig erwartet wird.

Jürgen Klopp wird sich deshalb bei der Aufstellung so schwer tun wie noch nie in seiner Dortmunder Zeit. Das linke offensive Mittelfeld könnte er Kevin Großkreutz ebenso gut anvertrauen wie Ivan Perisic. Großkreutz ist noch einen Hauch engagierter, Perisic etwas torgefährlicher. Im defensiven Mittelfeld ist die Entscheidung noch härter: Sollte Gündogan spielen, wovon auszugehen ist, müssen entweder Kapitän Kehl oder Sven ‚Manni‘ Bender, einer der Stars der letzten Saison, auf die Bank. Der Trainer kann es so oder so nur richtig machen und trotzdem wird er dem Bankdrücker nicht ganz gerecht werden. So ist Fußball. Meine Einschätzung (womit noch nichts über meine Präferenzen gesagt ist): Großkreutz und Kehl werden beginnen.

Andere Positionen sind weniger umstritten, obwohl der BVB gute Back-Ups für sie hat. Marcel Schmelzer läuft schon wieder, wird aber erst für das Spiel in Sinsheim ein Thema sein. Nach den Worten von Klopp soll Chris Löwe ihn weiter vertreten. Im Sturm wird Robert Lewandowski auflaufen. Heute wurde bekannt, dass der Stürmer Nummer 1 der letzten Saison, Lucas Barrios, einen ‚größeren‘ – also schwerwiegenderen – Muskelfaserriss hat als angenommen. Er wird bis in den September ausfallen. Der Verein beklagt, dass der paraguayanische Verband die Verletzung, die Barrios bei der Copa America erlitt, verharmlost oder falsch eingeschätzt habe. Zudem war scheinbar eine Kernspin-Untersuchung in Argentinien nicht möglich, weswegen Lucas jetzt wieder in Deutschland ist. Wie schon im Bericht zum Pokal angedeutet: Solange Lewandowski fit ist, halte ich den Ausfall für kompensierbar. Bis zu sechs Wochen sind jedoch eine lange Zeit.

Es gibt nicht viel, was am Freitag für den Gast aus Hamburg spricht. Michael Oenning und Frank Arnesen haben einen Umbauprozess eingeleitet, der im Laufe der Saison Früchte tragen könnte, aber nicht muss. Junge Spieler werden endlich mehr Chancen bekommen – aber damit allein gewinnt man keine Spiele. Der Koreaner Son sowie die Neuzugänge Töre und Mancienne haben beim Turnier in Mainz vor allem gegen die Bayern überzeugt. Sie könnten übermorgen alle in der Startelf stehen. Trotzdem fehlt dem HSV noch eine mit der Borussia vergleichbare Dynamik im Spiel nach vorne. Elia kann da an guten Tagen Abhilfe schaffen, aber er hatte in der letzten Saison längst nicht nur gute Tage. Petric ist immer für ein Tor gut – an guten Tagen.

Das letzte Vorbereitungsspiel am Dienstag gegen Valencia haben die Hamburger mit 1:2 verloren. „Spox.com“ attestierte : „Kein Tempo, keine Ideen, aber eine Menge Ballverluste (…) Drei Tage vor dem Spiel beim deutschen Meister Borussia Borussia Dortmund präsentierte sich der HSV über weite Strecken harmlos.“ Für die Borussia wird es also darum gehen, einen Gegner, der noch nach Konstanz sucht, nicht zu unterschätzen. Die Gäste werden abwartend spielen und die Schwarz-Gelben das Spiel machen lassen. Mit Guerrero und Rincon kommen zwei Spieler zurück nach Hamburg, denen die Copa America nicht geschadet hat. Zu vermeiden sind leichtsinnige Ballverluste, die zu Kontern führen können. Denn Potenzial hat die HSV-Offensive in jedem Fall und kann es – an guten Tagenauch ausspielen.

Ich bin sicher nicht der Einzige, der sich freut, dass es wieder los geht. Und werde am Freitag mit mutmaßlich sehr vielen Millionen Menschen gespannt nach Dortmund schauen.

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4 Gedanken zu “Wenn die Welt auf Dortmund schaut

  1. Andy

    Kanns kaum mehr abwarten.. endlich gehts weiter..

    Das mit Lucas hingegen nervt mich irgendwie.. Ich Ich hatte eigentlich gehofft das er topfit in die CL Gruppenphase geht. Wollen wir hoffen das seine Genesung zügig voranschreitet und er schnell wieder bei Kräften ist..

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  2. klunger

    Tja, hätte mich ein „Fan“ beim Verkauf seiner DK für diese Saison nicht betrogen, würde ich morgen auch auf der Süd stehen… :/

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  3. @Andy: Mit Hinblick auf die CL ist das schon ärgerlich. Wenn es wenigstens bei fünf Wochen bleibt, dann gibt es noch die Chance, dass es reicht.

    @klunger: Das ist bitter. Leider gibt es auch bei unseren Fans mehr als genug ’schwarze Schafe‘, in vielerlei Hinsicht. Ich weiß natürlich nicht, wie das bei dir abgelaufen ist, aber ich wäre immer vorsichtig, wenn jemand noch vor dem Saisonstart seine Dauerkarte verkauft.

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