Offen sprechen statt Lautsprecher

Zurück im Dienst. Die Ereignisse von Sinsheim hallen in den Medien noch nach. Der „Kicker“ berichtet in seiner Montagsausgabe, dass BVB-Fans einen „merkwürdig anmutenden“ Offenen Brief an Dietmar Hopp geschrieben und den Mäzen zu einer Podiumsdiskussion eingeladen haben. Hopp sagte dem Blatt, dass er sich über das Angebot zum Dialog freue, aber sich noch nicht entschieden habe, ob er es annimmt. Den Brief werde er nach Bekanntgabe der Untersuchungsergebnisse zu dem lärmenden Lautsprecher beantworten. (Kicker Nr. 68/2011, S. 37)

Der besagte Brief kommt von der „schwatzgelb.de“-Redaktion. Merkwürdig findet der „Kicker“, dass Hopp im Brief dazu geraten wird, die Schmährufe nicht so persönlich zu nehmen. Es stellt sich zwar in der Tat die Frage, ob man die gehörten Beleidigungen mit einem nicht zu ernst zu nehmenden Fußball-Kontext erklären kann – andererseits ist der Brief ansonsten deutlich, aber sachlich, und eine ernst gemeinte Einladung. Dietmar Hopp sollte sie annehmen und nicht zu lange zögern.

Viele BVB-Fans dürfte es ebenfalls Überwindung kosten, einen Dialog zu akzeptieren. Vor allem wird sich vielen die Sinnhaftigkeit einer Diskussion nicht erschließen. In der Tat brauchen wir uns nichts vorzumachen: Das ‚Modell Hoffenheim‘ ist in der Fußball-Welt und es wird sich nicht grundlegend ändern oder sogar verschwinden. Dietmar Hopp wird kein Fan-Versteher werden. Er kann mit vielen Wertvorstellungen der Fans nichts anfangen – und umgekehrt ist es genauso. Denn das ’sportliche Werk‘, das er vollbracht hat – Bundesliga-Fußball für eine damit nicht gesegnete Region – geht uns sonst wo vorbei, weil wir mit seinen Mitteln nicht einverstanden sind.

Bei einer Diskussion mit Hopp, die ich befürworte, wird kein umfassender Konsens gelingen. Es muss aber auch im Fußball-Kontext möglich sein, sich zivilisiert zu unterhalten – zumindest außerhalb des Stadions. Nach den Vorfällen vom vorletzten Wochenende haben sich einige höhere Angestellte der TSG selbstkritisch geäußert, nicht nur zum Lärmgerät. Der große Mäzen ist nicht mit Selbstkritik aufgefallen. Umso dringlicher wäre es, dass er nun Größe zeigt und auf das Schwatzgelb-Angebot eingeht.

Große Verbesserungen sind nicht zu erwarten. Vielleicht kann man beim Kunstprojekt ein paar Kleinigkeiten anstoßen, ein wenig neues Bewusstsein schaffen. Es wird sicher schwer. Auch in Zukunft sollte und wird Hoffenheim kritisiert werden. Es wäre gut für die Borussia, wenn das von unserer Seite in Zukunft kreativ, witzig, sachlich, bissig, aber nicht mehr beleidigend gegenüber einer Einzelperson geschehen würde. Ein Gespräch, eine Diskussion mit der Hauptfigur würde zumindest deeskalierend wirken.

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3 Kommentare

  1. Links anne Ruhr (24.08.2011)…

    Vicco von Bülow alias Loriot ist tot: Der edelste deutsche Humorist (RP ONLINE) – Duisburg: Kein Platz für das Bündnis gegen Antisemitismus (Ruhrbarone) – Eine gewisse antisemitische Grundhaltung scheint bei einigen Organisat…

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  2. Eins vorweg, ich bin alles andere als ein Befürworter des Modells Hoffenheim und brauche den Verein auch nicht unbedingt in der Bundesliga, doch man muss auch sagen das man Unterschiede zwischen Herrn Hopp und einem der vielen Scheiche treffen muss.

    Hopp hat immer gesagt das die TSG irgendwann auf eigenen Füßen stehen muss und wenn man die Transfererlöse in den letzten Jahren betrachtet hat der Verein gut gewirtschaftet. Was man von Vereinen wie Mancity oder Chelsea nicht behaupten kann..

    Was bei der Diskussion herauskommen soll frag ich mich auch.. Hopp wird kaum sagen, ok Leute ihr habt recht, lassen wir das mit der TSG..
    und ohne den genauen Wortlaut der Schmährufe zu kennen, möchte ich mal denjenigen kennen der freundlich in die Kamera lächelt und den gegnerischen Fans zuwinkt, wenn die ihn grade mit irgendwelchen Beschimpfungen entgegen kommen..

    Solche Beleidigungen gegenüber einer Person müssen einfach nicht sein meiner Meinung nach..

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  3. Was in Hoffenheim gegenüber Vereinen wie Man City sicher positiv ist: der regionale Bezug von Hopp, wegen dem man ihm auch abnimmt, dass der Verein eine Herzensangelegenheit für ihn ist. Dass Hopp auch aufgrund des Financial Fair Play, das bald eingeführt wird, nicht weiter beliebig viel Geld in den Verein pumpt, ist ebenso zu begrüßen.

    Trotzdem stört mich neben der fehlenden (Fan-)Kultur dieses Vereins auch die Gutsherrenart, mit der Hopp die TSG nur notdürftig verdeckt regiert. So gut der Luis Gustavo-Transfer den Hoffenheimern finanziell getan hat: Man verkauft doch nicht ohne Not im Winter einen der besten Spieler. Daher ja auch das Zerwürfnis mit Rangnick. Diesen Transfer hat Hopp allein eingefädelt und dabei haben vermutlich seine guten Kontakte nach München eine Rolle gespielt.

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