Die Rückkehr

Standard

Borussia Dortmund kehrt in die Champions League zurück. Nach achteinhalb Jahren. Mir sind von unserer letzten Teilnahme vor allem noch zwei Szenen in Erinnerung: Das späte Gegentor gegen Real und der Moment, als im letzten Spiel in Mailand plötzlich die BVB-Fans auf der Tribüne jubelten – als ob im Parallelspiel in Moskau ein Tor für die Russen gefallen sei. Es war leider ein Irrtum.

Seither ist viel passiert, von dem wir alle wissen. Es gibt jetzt keinen Grund, pathetisch zu werden – sicherlich ist es aber ein Riesenerfolg, dass die Borussia schon in diesem Jahr wieder in der ‚Königsklasse‘ spielen kann. Und ein würdigeres Auftaktspiel als zuhause gegen den FC Arsenal ist kaum vorstellbar. Die Londoner sind nicht nur der glamouröseste, sondern auch der beliebteste und bekannteste der drei Gruppengegner. So dürfte so gut wie jeder Leser wissen, dass der Auftakt der Gunners in der Premier League ziemlich daneben gegangen ist. Einem 0:0 in Newcastle folgten eine bittere Heimniederlage gegen Liverpool und die historische Klatsche bei Man United. Es gab in den Medien und im erweiterten Umfeld erste Stimmen, dass Arsene Wenger nur noch phonetisch zum Verein passe. Viel Relevanz brauchte man ihnen jedoch nicht beizumessen, denn die Leute, die bei Arsenal das Sagen haben, stehen weiter fest zum Trainer.

Es gab schließlich auch Gründe für den unbefriedigenden Auftakt: Das Verletzungspech hatte mal wieder zugeschlagen, wichtige Spieler waren nicht fit. Der Verein hat reagiert und zum in England ohnehin immer sehr hektischen Ende der Transferperiode noch eine Reihe von Verstärkungen verpflichtet. Wir kennen Per Mertesacker. Die Abwehr wurde außerdem noch mit dem brasilianischen Linksverteidiger André Santos verstärkt. Viel Premier League-Erfahrung bringen der israelische Mittelfeldspieler Yossi Benayoun (ehemals Liverpool, zuletzt Chelsea) und natürlich der hochgelobte Spanier Mikel Arteta (vom FC Everton) mit. Mit Chu-Young Park vom AS Monaco holte Wenger einen weiteren Stürmer.

Keine Frage, die Offensive der Gunners ist top besetzt. Fragezeichen stehen vor allem über der neu formierten Viererkette. Hier werden die Schwarz-Gelben hoffen, dass die Stabilität sich erst in der Zukunft einstellt. Im Mittelfeld muss Wenger neben Jack Wilshere auf einen weiteren jungen Stammspieler verzichten: Aaron Ramsey hat sich heute im Training am Knöchel verletzt. Gut möglich also, dass die Neuverpflichtungen Benayoun und Arteta beide zum Einsatz kommen. Ein Wiedersehen mit Tomas Rosicky wird es wegen dessen Verletzung zumindest auf dem Platz nicht geben.

Am Samstag gewann Arsenal in der Premier League nach einer nervösen Vorstellung 1:0 gegen Aufsteiger Swansea. Die ‚Generalprobe‘ war damit immer noch deutlich gelungener als die der Borussia. Aber wir wissen ja: Der Europapokal ist etwas ganz anderes. Die Rückkehr von Mario Götze ins BVB-Team wird sich mit Sicherheit positiv auswirken. Mario hat gezeigt, dass er mit Auftritten auf der großen Bühne keine Probleme hat. Jedoch braucht er gegen einen Club wie Arsenal selbstverständlich Unterstützung. Nach dem schwachen Spiel gegen die Hertha stellt sich das schwarz-gelbe Mittelfeld diesmal nicht ganz so von selbst auf. Sebastian Kehl und Ivan Perisic haben beide Argumente für einen Einsatz auf ihrer Seite. Da Jürgen Klopp vor diesem Topspiel aber bestimmt nicht komplett umbauen möchte, dürften Gündogan und Bender ihre Plätze behalten. Außenseiterchancen sehe ich für Kehl statt Bender oder Perisic statt Gündogan.

Im offensiven Mittelfeld hat nur Götze seinen Platz zu 100% sicher. Hier böten sich Varianten mit Großkreutz, Perisic und Götze oder Perisic, Kagawa und Götze an. Der bislang eher konservativ aufstellende Klopp dürfte aber bei der bereits erprobten Variante Großkreutz – Kagawa – Götze bleiben und auf eine gegenüber Samstag gesteigerte Spiellaune bei Großkreutz und Kagawa setzen.

Wer auch immer auflaufen wird: Für Borussia Dortmund ist die Rückkehr in die Champions League ein Abenteuer mit ungewissem Ausgang. Schon in der morgigen Partie ist vieles vorstellbar. Gegen die unbekannteren Gegner Marseille und Piräus gilt das noch mehr. Uns stehen spannende Festtage bevor. Zeit für neue europäische Geschichten!

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3 Gedanken zu “Die Rückkehr

  1. Andy

    Es wird ein hochgradig interessantes Spiel werden mit einem absolut offenen Ausgang. Wenn wir es schaffen hinten sicher zu stehen und die Chancen vorne nutzen, ist mit etwas Glück ein Sieg drin. Arsenal hat sicher eine Top Mannschaft und immer noch viele Stars, doch die Abwehr ist noch nicht eingespielt und muss sich erst noch finden. Zumal Mertesacker ja auch nicht gerade in Top Verfassung ist.

    Dennoch steht für mich an erster Stelle das wir die Schmach gegen Berlin vergessen machen und mal wieder eine ordentliche Leistung abliefern. Sollte dabei „nur“ ein Remis rauskommen bin ich damit auch zufrieden.

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  2. Ein gerechtes Unentschieden einerseits, weil Arsenal die Führung in der zweiten Hälfte lange Zeit souverän verteidigt hat. Andererseits hätten sie sich nicht beschweren brauchen, wenn Lewandowski kurz vor Schluss auch noch das 2:1 macht, denn nach vorne lief bei den Gästen nach der Führung ja nicht mehr viel zusammen.

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