Ruhe vor dem Alltag

Welche Abwechslung könnte schöner sein als die Champions League, wenn es für einen Fußballverein in der Liga nicht läuft? Die Frage, ob und wie sich schwache Liga-Auftritte und Galavorstellungen im Europapokal gegenseitig bedingen oder beeinflussen, ist kompliziert. Sicher ist jedoch, dass Didier Deschamps, dem Trainer von Olympique Marseille, das erste Heimspiel in der europäischen Königsklasse gegen Borussia Dortmund zu diesem Zeitpunkt der Saison gelegen kommt. In der Ligue 1 liegt ‚OM‘ nach acht Spielen mit nur sieben Punkten auf Platz 13. Nach einem Sieg im vorletzten Spiel gab es am Wochenende wieder ’nur‘ ein Unentschieden bei Valenciennes. Dagegen hat der Verein aus der Stadt am Mittelmeer die Auftaktbegegnung in der Champions League in Piräus verdient gewonnen.

Wer in der morgigen Begegnung als Favorit zu gelten hat, ist auch deshalb schwer zu beantworten, weil die Borussia ebenfalls nicht optimal in die Saison gestartet ist. Für Marseille sprechen der Heimvorteil und die größere Erfahrung in diesem Wettbewerb. Die beiden Trainer reden mit größter Hochachtung vom Gegner – wie das in der Champions League so üblich ist. Aussagen von Didier Deschamps in der Pressekonferenz vor dem Spiel lassen vermuten, dass er das ‚Erfolgsrezept‘ einiger BVB-Gegner dieser Saison gut studiert hat:

(…) il est très important de bien défendre. (…) Nous avons intérêt à avoir une bonne maîtrise et les obliger à courir…

Gut verteidigen. Eindämmung. Zum Laufen zwingen. Stichworte, die bei BVB-Fans keine Freude aufkommen lassen. Es ist trotzdem nicht zu erwarten, dass der CL-Teilnehmer Marseille gegen die Schwarz-Gelben ganz genauso auftritt wie Hertha BSC in Dortmund oder Mainz im eigenen Stadion.

Didier Dechamps wird auf mehrere wichtige Spieler aus allen Mannschaftsteilen verzichten müssen. Stürmer und Nationalspieler Gignac fällt ebenso verletzt aus wie Mittelfeldmann Benoit Cheyrou. Allerdings strahlt auch das Offensivduo Mathieu Valbuena / Loic Remy Torgefahr aus und das Tor in Griechenland erzielte der argentinische Mittelfeld-Regisseur Lucho Gonzalez. In der Viererkette könnte OM neben Star-Verteidiger Stéphane Mbia auch der linke Außenverteidiger Djimi Traoré fehlen, der allerdings noch kein Stammspieler ist. Gut möglich, dass den Südfranzosen morgen in mancher Situation Torwart Steve Mandanda aus der Klemme helfen muss – wie schon am Wochenende in Valenciennes. Der BVB wird anscheinend von starken gegnerischen Keepern verfolgt.

Für die Borussia kommt es morgen darauf an, sich nicht zu sehr aus der Reserve locken zu lassen, aber trotzdem an dem Spiel festzuhalten, dass die Mannschaft stark gemacht hat. Eine Aufstellungsvariante, die zu diesem Grundsatz passen würde: Den wieder fitten Sven Bender wie gegen Arsenal gemeinsam mit Sebastian Kehl im defensiven Mittelfeld auflaufen lassen und dafür drei offensiv orientierte, torgefährliche Leute davor stellen: Götze, Kagawa und Perisic. Nach den Aussagen Jürgen Klopps vom Wochenende ist davon auszugehen, dass im Sturm erneut Robert Lewandowski beginnen wird, da es bei Lucas Barrios noch nicht für 90 Minuten reicht.

In der Gruppenphase der Champions League gibt es nur sechs Spiele – daher ist die Ausgangslage schon zum jetzigen Zeitpunkt recht klar: Eine Niederlage wäre ein ernster Rückschlag im Bemühen um das Achtelfinale. OM hätte dann bereits fünf Punkte Vorsprung und man müsste wohl auf ein Schwächeln von Arsenal hoffen. Ein Unentschieden ließe alle Möglichkeiten offen, wenn man das Rückspiel gewänne und wäre somit ein sehr ordentliches Resultat. Gelänge das Traumergebnis und der BVB käme mit drei Punkten zurück, wäre das ein enorm wichtiger Schritt in Richtung nächste Runde. Auf eine weitere glamouröse Nacht! Gerne wieder mit einem späten Siegtor.

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