Treffen der Generationen

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1. Bundesliga, 9. Spieltag / Werder Bremen 0 BVB 2

Im Bremer Weserstadion kam es gestern zum Treffen der alten und neuen vermeintlichen Bayern-Jäger. Borussia Dortmund hatte den Jagdschein aufgrund der Verdienste der letzten Saison quasi ehrenhalber von den Medien erhalten und setzt sich eher für eine temporäre friedliche Koexistenz ein. Die Gastgeber hatten den Liga-Platzhirschen in den letzten Jahren das eine oder andere Mal einen ins Fell gebrannt und gaben sich in den letzten Tagen in Person von Klaus Allofs bereits wieder verhalten optimistisch ob ihres Jagdglücks. Aber liebe Bremer: Wer die Lizenz als Bayern-Jäger bekommen will, sollte sich nicht wie verwundetes Wild aufführen.

Die Flugeinlagen des Leichtgewichts Marko Marin sind ja sattsam bekannt. Aber auch ein paar andere Bremer Spieler schienen Probleme mit der Schwerkraft zu haben, so dass sie Schiedsrichter Meyer einfach mal unbedrängt zum Schuss kommen ließ – per Freistoß. Was deutlich über das erträgliche Maß an Fehlentscheidungen hinausging, war die Gelb-Rote Karte gegen Ivan Perisic kurz nach der Pause. Weniger wegen der zweiten Aktion, sondern wegen der ersten Verwarnung. In der Szene war Perisic einfach eher am Ball als sein Gegenspieler Sokratis, der Schiedsrichter bewertete jedoch nur den Fall des Griechen. Wenn so was bestraft wird, kann man das Tackling gleich ganz verbieten. In England hätten sie das einen „inch-perfect tackle“ genannt. Viel weniger streng sah der Unparteiische Mayer dagegen taktische Fouls und Schwalben der Bremer – und den Schubser gegen Gündogan im Strafraum.

Der Schiedsrichter sorgte andererseits dafür, dass aus einer ohnehin spannenden, intensiven Partie echter Nervenkitzel  wurde. In der ersten Hälfte sahen wir zwei Mannschaften mit offenem Visier. Die zwei hoch stehenden Abwehrreihen sorgten dafür, dass sich das Spiel im Mittelfeld verdichtete und kaum Zeit zum Atem holen blieb. Die vorhandene Defensivqualität (bei Bremen zeigte Naldo ein gutes Comeback in die Startelf) brachte es jedoch auch mit sich, dass Großchancen selten blieben.

Es gab mehrere ordentliche Weitschüsse auf beiden Seiten, wie den von Chris Löwe, den Torwart Mielitz abtropfen lassen musste. Nicht fehlen durfte ein Auftritt des erneut gefährlichsten Bremers, Claudio Pizarro. Dessen Schuss wurde von Hummels geblockt, wäre aber sowieso knapp neben das Tor gegangen. Am ehesten wurden die Bremer über links gefährlich – auch die Seite des Ex-Bremers Owomoyela, der für den angeschlagenen Piszczek einspringen musste und in der ersten Hälfte so seine Probleme hatte. Beim BVB war Mario Götze offensiv wie so oft der auffälligste Spieler.

Die Frage ‚Barrios oder Lewandowski oder beide?‘ hatte Jürgen Klopp gestern noch eindeutig zugunsten des Polen geklärt. Wieder mal lag er richtig. Möglicherweise hätte Lucas im Vollbesitz seiner Kräfte eine andere Torgelegenheit genutzt, aber vor dem 1:0 hätte er an Roberts Stelle den Ball nicht behauptet. In der 42. Minute hatte sich Lewandowski auf halbrechts gegen einen Bremer Gegenspieler prima durchgesetzt und dann in die Mitte auf Bender gepasst, der den Ball zu Perisic halblinks weiterleiten konnte. Der Neuzugang bewies erneut, dass er für die linke Seite die torgefährlichste Option ist und platzierte den Ball super unter die Latte ins lange Eck.

Nach der Pause folgte der Platzverweis und nach einigen Minuten Umstellung gelang es den Gastgebern, ein veritables Powerplay aufzuziehen. Die Schwarz-Gelben sorgten für zu wenig Entlastung. Das Mittelfeld wurde zeitweise aufgegeben, was auch daran lag, dass Ilkay Gündogan der Bremer Überzahl wenig entgegenzusetzen hatte und dem robusteren Bender kaum noch helfen konnte. Andererseits war es nicht falsch, die Offensivbemühungen gegen die spielstarken Bremer zu dosieren. Die Abwehrleistung war bewundernswert, auch wenn einige Chancen für die Grün-Weißen heraussprangen. Naldos (erneut fragwürdiger) Freistoß ging knapp drüber, Subotic blockte stark gegen Pizarro – Glück war beim Lattenkracher von Schmitz dabei, der ein Meter vor dem Tor wieder auftropfte.

Die umjubelte Erlösung kam in der 71. Minute und es waren zwei Protagonisten beteiligt, die man hervorheben muss. Mats Hummels machte gestern ein herausragendes Spiel in der Defensive und zeigte aufopferungsvollen Einsatz. In der besagten Szene brachte er einen nach einem Dortmunder Eckstoß aus dem Fünfmeterraum geschlagenen Ball mit einem Seitfallzieher wieder zurück ins Zentrum der Gefahr. Wo ausgerechnet Patrick Owomoyela stand und abstaubte. Ich habe ein paar Mal geäußert, dass ich Lukasz Piszczek hinten rechts deutlich vor ‚Uwe‘ sehe. Aber wie sehr ist es einem Ex-Bremer zu gönnen, nach längeren Verletzungsproblemen in so einem Spiel zu treffen. Auf seiner Leistung lässt sich zumindest aufbauen.

Ein 2:0 garantiert einem in Bremen keine ruhigen Minuten, aber die Schwarz-Gelben verteidigten gekonnt und selbstbewusst. Besonders das starke Kopfballspiel der Innenverteidigung verdient hier besondere Erwähnung. Kehl kam für Gündogan und sorgte mit Ausnahme einer Szene für mehr Ruhe im Mittelfeld. So endete die Begegnung 2:0 für den BVB und die Spieler feierten ausgelassen vor der Fankurve.

Was kein Wunder ist, denn bigger können die points zu diesem Zeitpunkt der Saison nicht sein. Die Borussia schlägt die Comeback Kids von der Weser, einen der Konkurrenten im Kampf um das internationale Geschäft. Auswärts und in Unterzahl. Für die Champions League sagt uns das wenig, aber in der Bundesliga ist der BVB wieder mittendrin. Und Roman Weidenfeller jagt auch –  den Hildebrand-Rekord: Schon 237 Minuten ohne Gegentor!

Die Aufstellung: Weidenfeller (7) – Owomoyela (6), Subotic (8), Hummels (9), Löwe (7) – Bender (7), Gündogan (5) (74. Kehl) – Großkreutz (6), Götze (7) (89. Leitner), Perisic (7) – Lewandowski (7) (88. Barrios). Gelbe Karte: Subotic. Gelb-Rote Karte: Perisic. Tore: Perisic, Owomoyela.

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3 Gedanken zu “Treffen der Generationen

  1. Claudia

    Was wir am Freitag abend in Bremen erleben durften, scheint mir der nächste Schritt in der Entwicklung der jungen Mannschaft aus Dortmund zu sein. Ich habe das Gefühl, dass sich die Mannschaft jetzt endlich zu finden scheint. Ich kann mich nicht erinnern, dass wir einmal 45 Minuten in Unterzahl gespielt haben und dann auch noch drei Punkte mit nach Hause nehmen durften! Das war eine ganz tolle Mannschaftsleistung. Endlich sind sie mal für ihren Einsatz belohnt worden. Endlich wurden die Torchancen genutzt. Und die Null steht hinten auch wieder. Besonders freue ich mich für Patrick, dass ihm dieses wichtige Tor nach so einer langen Verletzungspause gelungen ist. Das Tor von Ivan war sensationell. So ohne Ansatz zu schießen und zu treffen! Allerdings sind seine Fouls umso ärgerlicher. Vor allem das zweite fand ich lächerlich. Musste man da wirklich gelb geben? Er hätte auch gern auf die blöde Schauspieleinlge verzichten dürfen (mir tut die Schulter weh…) Nun ja.
    Für Piräus bin ich zuversichtlich. Hoffentlich gelingt ein Sieg.

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  2. Ich fand das erste Foul – bzw. dass es als Foul gewertet wurde – lächerlich, weil Perisic da nur den Ball spielt und es auch kein brutales Einsteigen war. Das mit der Schulter hätte nicht sein müssen. Immerhin hielt er sich auch noch die Schulter, als er runtergegangen ist. ;-)
    Ansonsten stimme ich dir zu: Das war genau das, was die Mannschaft gebraucht hat, um wieder zum vollen Selbstbewusstsein zu kommen: eine Hälfte in Unterzahl, auswärts beim Tabellenzweiten und drei Punkte mitgenommen.

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  3. Das waren umgedrehte Vorzeichen. Sonst ist der BVB die spielbestimmende Mannschaft gewesen stand oft mit leeren Händen da. Diesmal haben sie den Spieß umgedreht, ein Zeichen wieviel Moral in der Truppe steckt.
    Die gelb-rote Karte ist ein Witz. Perisic spielt beide Male klar den Ball. Beim zweiten „Foul“ ist der Schiri dem Sokratis fein auf den Leim gegangen; genützt hat es Bremen nichts.

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