Gegen alle Widerstände

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Borussia Dortmund war nach der überraschenden Qualifikation für die Champions League angetreten, um die Rückkehr auf Europas höchste Fußballbühne zu zelebrieren. Die Realisten unter den Fans hatten ein Ziel: Die schwarz-gelben Auftritte zu feiern, unabhängig davon, was am Ende herausspringt. Im Heimspiel gegen Arsenal, aber auch in Marseille, gelang das eindrücklich. Was Fans und womöglich auch die Mannschaft am Mittwoch beim Spiel in Piräus erwartet, könnte das Feiern massiv erschweren.

Nach heutigem Stand werden die griechischen Fluglotsen am Mittwoch und Donnerstag komplett streiken, so dass keinerlei Starts und Landungen möglich sind. Da deutlich über 95% der BVB-Fans, die das Spiel besuchen wollen, mit dem Flugzeug anreisen dürften und viele ihren Hinflug für Mittwoch und den Rückflug für Donnerstag geplant haben, könnte das schwarz-gelbe Kontingent im Georgios Karaiskakis-Stadion kleiner ausfallen als gedacht. Wegen der großen Entfernung und der schwierigen Lage in Griechenland wird es ohnehin kleiner sein als in Marseille und London. Für viele Fans ist der Weg zum Flughafen am Mittwoch eine Fahrt mit ungewissem Ausgang. Entweder man muss enttäuscht und unverrichteter Dinge umkehren oder es wird 2000 Kilometer südöstlich doch noch irgendein Kompromiss ausgehandelt. Mit Fußball wird er jedoch kaum zu tun haben und woher er kommen soll, ist nicht abzusehen. Ich wünsche allen, die sich auf die Reise machen, viel Glück und dass es doch irgendwie hinhaut!

Zu allem Übel hat der griechische Fußball wiederkehrende Probleme mit Gewalt und Korruption. Ersteres war zuletzt beim Qualifikationsspiel der Nationalmannschaft gegen Kroatien zu beobachten, im gleichen Stadion in Piräus. Die Gästefans haben sich daran allerdings ebenfalls beteiligt. Ausschreitungen vergleichbaren Ausmaßes sind in der CL nicht zu erwarten, vorsichtig sein müssen BVB-Fans trotzdem. Für die Schwarz-Gelben, die es nach Athen / Piräus schaffen, hat die Borussia einen Bustransfer zum Stadion organisiert. Beide Probleme, Korruption und Gewalt, beleuchtete heute Abend ein Beitrag im WDR-Magazin „Sport Inside“.

Die Mannschaft und die sie für teures Geld direkt begleitenden Fans haben es bei der Anreise etwas besser. Ankunft ist bereits am Dienstag, die Abreise erfolgt spätestens gegen 23 Uhr MEZ am Donnerstag. Was natürlich suboptimal für das Spiel am Samstag gegen Köln wäre, aber mit drei Punkten aus dem krisengeschüttelten Griechenland könnte man das verschmerzen. Jürgen Klopp und sein Team werden alles tun, um die Fokussierung auf das Spiel zu ermöglichen und allzu große Bedenken braucht man da nicht zu haben. Fokussierung heißt jedoch nicht gleich Auswärtssieg. Für beide Vereine geht es um die wahrscheinlich letzte Chance, mit einem Sieg den Anschluss an die beiden Führenden wieder halbwegs herzustellen.

In der griechischen Liga stehen nach wenigen Spieltagen mal wieder Panathinaikos und Olympiakos an der Tabellenspitze – noch geht es allerdings knapp zu. Seit meiner ersten Einschätzung des Gegners hat sich Dennis Rommedahl in seine dänische Heimat verabschiedet und der ehemalige spanische Nationalspieler Riera ist zu Galatasaray Istanbul gewechselt. Dafür hat der griechische Meister zwei Spieler von Olympiakos Volos geholt, nachdem dem Verein die Lizenz entzogen worden war.

Die Stimmung im Stadion wird am Mittwoch heiß sein – hoffentlich im positiven Sinne. Die Borussia hat gute Chancen, wenn sie abgeklärt bleibt und ihre Stärken ausspielt. Unglaublich, aber leider wahr: Der glückliche Torschütze vom Freitag, Patrick Owomoyela, hat sich erneut verletzt – er fällt mit einem Muskelfaserriss aus. Glücklicherweise sollte Lukasz Piszczek auf die Position hinten rechts zurückkehren können. Lucas Barrios ist angeschlagen, sein Einsatz fraglich. In der Sturmspitze wird aller Voraussicht nach Robert Lewandowski beginnen. Dahinter heißt es mal wieder drei aus vier: Perisic, Kagawa, Großkreutz und Götze konkurrieren um die Positionen im offensiven Mittelfeld. Letzterer ist bei voller Fitness selbstverständlich gesetzt.

Allen Widrigkeiten und Verletzungen zum Trotz haben die Schwarz-Gelben nach den jüngsten Erfolgen das Potenzial, auch dieses abenteuerliche Auswärtsspiel positiv zu gestalten. Wenn Wille und Konzentration sich noch mit Glück verbinden, könnte dem BVB auch in der Champions League ein Comeback gelingen.

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2 Gedanken zu “Gegen alle Widerstände

  1. Andy

    Respekt an die BVB Fans, die die weite Reise auf sich nehmen. Mir wäre die ganze Sache zu heiß ehrlich gesagt.
    Um im int. Geschäft zu überwintern sollte man schon in Griechenland punkten. DIe Mannschaft hat bereits im Bremen Spiel eindrucksvoll bewiesen, das sie in der Lage ist einem gegnerischen Sturmlauf Paroli zu bieten.
    Ich schätze das Perisic diesmal wieder von Anfang an beginnt, da dieser ja gegen Köln eh gesperrt wäre, und auch hinsichtlich der Tatsache das Kloppo öfter mal wechselt um Kräfte zu schonen.
    Bin gespannt wer im defensiven Mittelfeld neben Bender aufläuft.

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  2. Richtig. Wenn wir Dritter werden wollen, brauchen wir mindestens einen Punkt. Wenn wir noch eine Chance auf die nächste CL-Runde haben wollen, drei Punkte. Mein Tipp ist: Kehl und Bender, davor Perisic, Götze, Großkreutz. Zwischen Kevin und Shinji könnte es knapp werden. Abgesehen von den Umständen wird es hoffentlich ein tolles Spiel.

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