Die Fehlerkette wird länger

Champions League, 3. Spieltag / Olympiakos Piräus 3 BVB 1

Würde man die groben Fehler der Dortmunder Defensive aus den ersten drei Champions League-Begegnungen zusammenschneiden, hätte man eine ansehnliche Lehr-DVD beisammen. Beim Spiel in Piräus boten die Schwarz-Gelben erneut Anschauungsunterricht in schlechtem Stellungsspiel, Orientierungslosigkeit, schwachem Timing bei Kopfbällen und gegnerischen Freistößen. Die zweite Auswärtsniederlage gab es jedoch auch, weil in der zweiten Halbzeit nur noch selten Angriffe über mehrere Stationen gelangen.

Im nachhinein kann man wieder über Jürgen Klopps Aufstellung diskutieren. Es hätte einiges dafür gesprochen, sich an den bisherigen CL-Spielen zu orientieren und angesichts der unsicheren Defensive mit Sebastian Kehl einen weiteren defensiv orientierten Mittelfeldspieler aufzustellen. Dass es ein Fehler sein würde, auf den kreativen Shinji Kagawa zu setzen und Kevin Großkreutz zunächst draußen zu lassen, war dagegen nicht direkt absehbar. Marcel Schmelzer hatte keinen guten Tag, möglicherweise hätte er sein Comeback eher beim Heimspiel gegen Köln geben sollen.

Für einige Minuten sah es richtig gut aus. Die Borussia war permanent auf dem Weg nach vorne und wirkte hoch überlegen. Nur um beim ersten Gegenangriff gleich wieder einen Treffer zu kassieren. Die ersten zehn Minuten der Partie brachten somit die bisherige CL-Kampagne des BVB auf den Punkt. Leider bleibt auch die Art der Gegentore peinlich. Beim 0:1 klärte zunächst Bender im Zentrum einen Ball nur auf den Flügel – er machte insgesamt eines seiner schwächeren Spiele in schwarz-gelb. Gündogan konnte den flankenden Marcano nicht mehr rechtzeitig erreichen. Hummels und Schmelzer verloren Holebas etwas aus den Augen und waren so schlecht postiert, um den Ball zu klären. Marcel machte in dieser Szene den entscheidenden Fehler, der aber nur das Ende einer Kette war.

Ähnlich wie später beim 1:2, als erst Mirallas mehrere Schwarz-Gelbe stehen ließ und nach dessen Pass Djebbour noch Hummels und Subotic regelrecht austanzte. Erstaunlich war, wie viele Borussen auch gestern wieder ausrutschten. Neben Mats in dieser Szene gab es drei, vier weitere Malheure gleicher Art. Um die Fehlerbesprechung abzuschließen, gleich noch zum 1:3. Es war ein Standard-Freistoß von der linken Seite, es gab kein großes Durcheinander im Strafraum und trotzdem wurde Kopfball-Torschütze Modesto nicht eng genug gedeckt. Jürgen Klopp ging es nach dem Spiel wie mir: eine Fehleranalyse konnte und wollte er noch nicht abgeben und beließ es bei einer Aufzählung.

Zwischendurch hatten die Schwarz-Gelben nie resigniert und waren Mitte der ersten Hälfte verdient ins Spiel zurückgekommen. Götze, erneut kreativster Mann beim BVB, hatte von links flach zu Lewandowski geflankt, der den Ball gut verarbeitete und mit einem satten Schuss ins linke Eck den Ausgleich erzielte. Trotzdem blieb schon in der ersten Hälfte im Aufbauspiel der Gäste vieles Stückwerk. Kagawa kam mehrere Male zum Abschluss, vergab mehr oder weniger kläglich und trug ansonsten nicht viel zum Offensivspiel bei. Mario Götze ging in einer Szene eigensinnig allein aufs Tor, obwohl er besser abgespielt oder zumindest rechtzeitig geschossen hätte. Allerdings hätte es in dieser Situation durchaus Elfmeter für die Borussia geben können, denn am Ende wurde Mario im Strafraum von den Beinen geholt.

Der Einsatz, den die Spieler zeigten, zahlte sich mit fortlaufender Spieldauer immer weniger aus. Olympiakos-Trainer Valverde dürfte seiner Mannschaft in der Halbzeitpause eine unmissverständliche Botschaft mitgegeben haben: die Führung nicht mehr so schnell herzuschenken. In der zweiten Hälfte standen die Rot-Weißen kompakt und sehr tief. Sie machten wenige Fehler und begnügten sich mit einzelnen Vorstößen. Der Borussia fiel gegen diese Taktik viel zu wenig ein. Es gab nur noch zwei erwähnenswerte Offensivaktionen: Olympiakos-Torwart Constanzo musste aus dem Tor eilen, um gegen den heranstürmenden Lewandowski zu klären. Und Kuba schoss nur Sekunden nach seiner Einwechslung überhastet knapp neben das Tor. Moritz Leitner, der nach einer knappen Stunde für den schwachen Gündogan gekommen war, brachte nur kurzfristig etwas Schwung ins Spiel.

Mit der zweiten Pleite in der dritten Partie hat sich der BVB zu 90% aus dem Rennen um die ersten beiden Plätze verabschiedet. Der späte Sieg von Arsenal war natürlich ebenfalls stark kontraproduktiv. Selbst Platz 3 wird mit der Leistung von gestern nicht zu erreichen sein. Die letztendlich doch etwa 1000 BVB-Fans im Stadion hätten mehr verdient gehabt. Man kann Jürgen Klopp und seinen Helfern nur viel Glück bei der Spielanalyse wünschen, die nicht einfach wird. Mutige Personalentscheidungen könnten für die nächsten Spiele in der Champions League ein Mittel sein, um sich noch würdig zu verabschieden.

Die Aufstellung: Weidenfeller (6) – Piszczek (6), Subotic (4), Hummels (5), Schmelzer (4) – Gündogan (5) (57. Leitner (6)), Bender (6) – Götze (7) (82. Großkreutz), Kagawa (5) (66. Kuba), Perisic (5) – Lewandowski (6). Gelbe Karte: Schmelzer. Tor: Lewandowski.

 

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4 Kommentare

  1. Habe gestern nur die letzte Viertelstunde sehen können und muss sagen, das war nichts. Allerdings hat Piräus auch zehn Mann hinter dem Ball gehabt, sodass jeder Angriff sich in deren vielbeinigen Abwehr verfangen musste.
    Es bleibt zu hoffen, dass sowohl die Mannschaft aus solchen Auftritten lernt als auch, dass Jürgen Klopp darüber nachdenkt, wie es weitergehen soll und man kann nur hoffen, dass er, wie Du schon erwähntest, mutige Personalentscheidungen trifft, um die Leistungen zu verbessern. Denn die sind sicher nötig, um die Mannschaft in Europa an ihre Möglichkeiten zu erinnern. Das Potential ist sicher vorhanden.

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  2. Tja was soll man dazu noch sagen. Wieder ist ein Spieltag vergangen, und wieder habe ich mir vor diesem gedacht, jetzt gehts aber los mit den ersten drei Punkten in der CL. Leider wurde ich eines besseren belehrt.

    Dieses Spiel war das erste von 3 CL Spielen bei dem der BVB mal nicht die bessere Mannschaft war und zurecht verloren hat. Diesmal lag es auch nicht an der Chancenverwertung, obwohl man durchaus hätte in Führung gehen können. Vielmehr hat man sich hinten viel zu leicht düpieren lassen, bei einem Gegner der nun wahrlich nicht schwer zu bezwingen wäre.
    Wie schon so oft waren die beiden Innenverteidiger wieder für den Spielaufbau zuständig und arbeiteten mit langen Bällen. Das Mittelfeld war bis auf Götze zu statisch und wirklich niemand zeigte Normalform.
    Momentan fehlt mir auch einfach die Überzeugung das ein Großkreutz oder wer auch immer das Spiel hätte anders gestalten können.
    Nach dem Spiel gestern würde ich allerdings Schmelle und Neven mal eine Verschnaufpause gönnen. Gündogan brauch anscheinend noch einiges an Zeit, Leitner wäre für mich eine offensive Option.
    Kagawa kommt momentan auf keinen grünen Zweig und warum sich Kuba aufregt über seine Nichtberücksichtigung, bei der Leistung die er bringt im BVB Dress, ist mir schleierhaft.
    Die Konstanz die letztes Jahr vorhanden war ist scheinbar gewichen. In Bremen super gestanden, alle Chancen verwertet und nun sowas.

    Der BVB muss jetzt zusehen, das er sich noch einigermaßen ehrenhaft in Europa präsentiert und nicht als Laufkundschaft abgetan wird. Den direkten Vergleich mit Piräus zu bestehen wird schon schwer genug.
    Dem deutschen Fussball hat man wahrlich keine Ehre erwiesen und ob es nächstes Jahr überhaupt wieder int. Fussball in Dortmund zu sehen gibt, steht auch in den Sternen.

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  3. Kann dem Vorschlag, Schmelzer und Subotic eine Pause zu geben, nur zustimmen. Würde allerdings noch Gündogan dazuzählen, der hat immer noch nicht verstanden, dass Mittelfeld mehr ist als nur den Ball annehmen und sauber in die Breite zu passen. Schlechter kann es Leitner auch nicht machen.

    Insgesamt geht mir die Art & Weise, wie der BVB verliert, langsam gehörig auf die Nerven. Fehler zu machen, ist völlig okay. Dass jedoch mittlerweile Zweikämpfe als „Laufbegleitung“ interpretiert und Flanken kaum noch verhindert werden und man sich selbst in deutlicher Unterzahl am und im eigenen Strafraum ausspielen lässt, ist bedenklich.

    Was mich am meisten gegen Piräus irritiert hat: Die Mannschaft rennt, kämpft aber eigentlich nicht. Irgendetwas fehlt da im Kopf. Es ist, als ob gerade jeder Gegner den BVB am ausgestreckten Arm verhungern lassen kann. Die Mannschaft als Ganzes kriegt gerade den Bock nicht umgestoßen. Wie auch, wenn man nicht gemeinsam Anlauf nimmt …

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  4. Ich denke, auch Jürgen Klopp war von dem Auftreten gestern so geschockt, dass er als kurzfristige Maßnahme wirklich über personelle Änderungen (innerhalb des Kaders) nachdenken wird. Felipe Santana hat sich zwei, drei Startelf-Einsätze verdient und zumindest gegen Köln sollte links hinten wieder Löwe ran. Gündogan muss sich noch an das höhere Niveau gewöhnen, gegen Köln würde ich ihn aber nicht aus der Mannschaft nehmen, sondern ihm die Spielpraxis geben. Außerdem würde ich gerne mal wieder Lucas und Robert zusammen spielen sehen.

    Über weitergehende Implikationen und taktische Änderungen habe ich in meinem neuesten Beitrag nachgedacht.

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