Die neue Borussia und die Champions League

Halbzeit in der Champions League – zumindest für den BVB. Es gibt Redebedarf. Vor der Saison hatte ich keine großen Erwartungen an diesen Wettbewerb und unsere Mannschaft darin. Dann kam die Auslosung und plötzlich erschien der dritte Platz mehr als realistisch, fast schon ein Mindestziel. Am Tag nach der Pleite von Piräus sollte man deshalb noch mal darauf hinweisen, dass die Gruppengegner der Schwarz-Gelben nicht ohne Grund einen besseren UEFA-Koeffizienten haben. Dieser beweist nicht, dass die Mannschaften wirklich besser sind – wohl aber, dass sie mehr Erfahrung im Europapokal haben.

Die Borussia hat trotzdem die Erwartungen enttäuscht. Nach dem Auftakt gegen Arsenal, als es bis auf die Chancenverwertung nichts zu meckern gab, hat sie spielerisch abgebaut. In Marseille war es vor allem die Defensive, in Piräus hat nur noch wenig funktioniert. Einen wesentlichen Grund hat Dirk Krampe in den „Ruhr Nachrichten“ genannt: „Dortmunds Umschaltspiel war haarsträubend“. Wenn man sich fragt, wie die vielen Fehler in der Defensive zustande kommen – und das ist keine leichte Frage – erscheint diese Erklärung plausibel. Das Umschalten von Defensive auf Offensive und umgekehrt ist ein Problem. Die Innenverteidiger stehen hoch und übernehmen teilweise sogar den Spielaufbau. Das defensive Mittelfeld, dessen Aufgabe das eigentlich wäre, funktioniert zurzeit nicht wie gewünscht. Sven Bender gibt sein bestes, ist aber überfordert, wenn sein Nebenmann – gestern Ilkay Gündogan – nicht in Form ist. Und Manni ist auch nicht der Mann, der die Pässe punktgenau über das ganze Spielfeld verteilen kann.

Wenn das ‚Scharnier‘ zwischen Viererkette und Kreativabteilung nicht funktioniert, fehlt der Mannschaft insgesamt die Abstimmung, der Takt. So werden die Offensivspieler von langen Bällen und ungenauen Pässen aus der Abwehr überrascht und diese zeigt sich wiederum anfällig bei plötzlichen Ballverlusten weiter vorne. In Piräus herrschte daher beim Zurückziehen der Viererkette mehrmals Unordnung, das Stellungsspiel schien fast dem Zufall geschuldet. Allerdings war am zweiten und dritten Treffer der Griechen niemand anders schuld als die Defensivkräfte. Die Tore entstanden aus einem Einwurf und einem Freistoß.

Ein Lösungsansatz für die Problematik wäre, die Viererkette wieder traditioneller und tiefer spielen zu lassen. Nicht in jedem Spiel – nur in der Champions League und gegen starke Gegner. Klopp würde den Spielern damit mehr Zeit zum Luft holen und zur Konzentration auf die eigentlichen Aufgaben geben. Diese Spielweise würde von den Fans Geduld erfordern, weil sie nicht so spektakulär wäre wie das, was wir vor allem in der letzten Saison gesehen haben. Das zentrale Mittelfeld müsste wieder mehr von außen unterstützt werden, so dass sich in diesen Partien ein traditionelles 4-4-2-System anböte. Mit Barrios in der Spitze und Lewandowski als Nebenmann oder knapp dahinter – eine ansprechende Vorstellung.

Selbstverständlich obliegt die Tiefenanalyse dieser ersten drei CL-Spiele Jürgen Klopp und seinem Team. Nur sie haben alle Fakten und nur sie können reagieren. Als Beobachter kann man feststellen, dass den Verein sportlich ein weiteres Jahr in der Europa League womöglich weitergebracht hätte als diese CL-Kampagne. Es wäre der Entwicklung der Mannschaft und des Trainers angemessener gewesen. Auch Klopp hätte unter Umständen früher taktische Flexibilität zeigen und mehr zwischen Bundesliga und Champions League differenzieren sollen. Klar ist jedoch ebenso, dass die Teilnahme an der Königsklasse eine tolle Erfahrung und aus finanziellen Gründen unverzichtbar ist. Und der Traum von der Europa League ist schließlich noch erfüllbar.

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7 Kommentare

  1. Ich sehe das Ganze genauso. Letzte Saison war das Prunkstück unsere geordnete Abwehr. Aus dieser entwickelten sich blitzschnell vorgetragene Konter die dann meist zu Toren wurden.
    In dieser Saison jedoch, stehen die Mannschaften in der Buli und sogar in der CL hinten drin und überlassen dem BVB die Spielgestaltung. Da wir im Mittelfeld ein paar Probleme haben, übernehmen die Innenverteidiger die Spielgestaltung und können sich dann meist nicht mehr auf ihre Defensivaufgaben konzentrieren. Hinzu kommt das diese Pässe häufig vom Gegner abgefangen werden und wir dann billige Kontertore bekommen.

    Man sollte sich wieder vermehrt darauf konzentrieren hinten sicher zu stehen und den Hurra Fussball, der momentan eh nicht funktioniert, dahingehend opfern. Ich dachte wir wären nach den letzten Siegen in der Buli wieder in der Spur, aber scheinbar sind die Probleme nicht so leicht abzustellen.

    Ich hatte mir nach der Auslosung auch mehr erhofft. Fakt ist aber, das außer den Bayern, es keiner deutschen Mannschaft gelingt kontinuierlich gut in der CL aufzutreten. Ich hoffe ja noch das es für die EL im nächsten Jahr reicht, wenn nicht kann man eben die Kräfte sparen um in der Meisterschaft wieder unter die ersten 4 zu kommen. Watzke meinte ja letztens auch das er die Liga über alles stellt.
    Für die Finanzen, die Spieler und den Club an sich, wäre es schon immens wichtig wieder in diesem Wettbewerb vertreten zu sein.

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  2. Das Mittelfeld sehe ich nur bedingt als Problem der Defensive. Der kreative 6er fehlt vielmehr in der Offensive als Bindeglied. Die Mannschaft ist mMn schon auf einem guten Weg. Die Tore gestern entstanden nicht wirklich durch die Fehler vor der Abwehr sondern waren erneut „simpel“ zu verteidigen. Für solche Aufgaben sind die Innenverteidiger da, aber diese haben sich viel zu viel vorgenommen. Da geht es um Fehler wiedergutmachen aus den vorigen Spielen (ua. Marseille). Blöderweise kannst du diese Fehler nicht mehr gut machen und musst einfach ganz normal pölen. Da machen sich unsere Jungs selbst zuviel Druck. Ist zwar eine sympathische Eigenschaft, aber hier fehl am Platz. In der Bundesliga wird die Mannschaft, wenn auch in einem schweren Spiel, ein anderes Gesicht zeigen. Dort lief es zuletzt und deshalb wird die Psychologie dort keine besondere Rolle spielen.

    Natürlich kann Klopp bei Überzeugung das System umstellen, aber wir rauben uns unserer Stärken, wenn wir nun auf eine sichere Abwehr die tiefer steht setzen wollen. Alles was wir in den vergangenen 3 Saisons aufgebaut haben wäre damit für die Katz. Und zu langfristiger Entwicklung gehört auch Geduld. Wir stehen ja in der Liga gut positioniert und Europa ist lediglich Zubrot für uns Fans. Ärgerlich ist es halt für die Truppe, die sich das im vergangenen Jahr hart erarbeitet hat. Es braucht jetzt einfach eine Lösung für die Position neben Bender. Ob Gündogan das kann, ich weiß es nicht. Er muss erstmal von Lewandowski lernen und selbstbewusster auf den Platz gehen und zu „seinem“ Spiel finden. Vielleicht ist er auch eher in der offensiven 3er-Reihe zu Hause. Wie ich schon im Tinneff Blog kommentierte und auch an dieser Stelle schonmal erwähnt habe, ich würde Götze gerne mal neben Manni sehen. Hat er ja schon ein paar Mal gespielt und meines Erachtens nicht schlecht. Dort hätte er das Spiel vor sich und wohl auch nicht sofort 3 Gegner auf den Füßen. Falls doch, dürften sich für die offensive 3er-Reihe mehr Freiräume ergeben. Diese bliebe übrigens auch stark besetzt, haben wir doch Perisic, Großkreutz, Shinji, Lewandowski (wenn Barrios fit ist), Leitner und ggf. Gündogan.

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  3. @Andy: Der Unterschied zwischen CL und Bundesliga ist schon groß, insofern sollte Klopp sich vor allem für die CL etwas ausdenken. Gerade für das Spiel gegen Arsenal brauchen wir ein anderes Auftreten. Egal ob jung oder alt, wer noch nie oder selten Champions League gespielt hat, braucht offensichtlich eine gewisse Eingewöhnungszeit, das Niveau ist einfach höher.

    @Pilstim: An dem Willen zur Wiedergutmachung bei den Abwehrspielern könnte schon was dran sein. Sie wollten zu viel und haben sich zu offensiv in den Spielaufbau eingeschaltet. Wie die Fehler nach den Standards (Einwurf, Freistoß) von Piräus damit zusammenhängen – das ist natürlich Spekulation.

    Mit meinem Plädoyer für taktische Flexibilität meine ich in erster Linie die Champions League. Ich finde, eine Mannschaft, die europäisch spielt, sollte auch einen Plan B parat haben und der hat in den CL-Spielen gefehlt. Ich möchte natürlich nicht, dass wir jetzt generell nach dem Stevens-Motto „die Null muss stehen“ spielen.

    Götze auf der offensiven ‚6‘ stehe ich, wie schon gesagt, skeptisch gegenüber. Ich denke, Mario wird überall auf dem Feld eng gedeckt werden und für diese Position ist sein defensives Zweikampfverhalten (Tacklings, Kopfbälle) nicht gut genug. Du denkst wahrscheinlich an einen ‚box-to-box player‘, der auch bis zum gegnerischen Strafraum mitgeht. Die letzten Spiele haben aber mMn gezeigt, dass er in Strafraum- und Tornähe geradezu unverzichtbar ist. Er öffnet durch seine technische Stärke und die Dribblings Räume und es ist gerade gegen starke Defensiven wichtig, dass er da vorne mit dabei ist. Aber wer weiß, vielleicht probiert Klopp es ja doch mal aus. Gegen einen Versuch hätte ich nichts einzuwenden – aber nicht gerade in der CL.

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  4. Das mit dem Plan B klingt ja alles sehr schön, aber da komme ich auf den ersten Part zurück, ich glaube der Ersatzplan würde uns auch nicht weiterhelfen. Es scheint eher ein „Problem“ der Psyche zu sein als des Systems. Denn egal wo die Fehlerkette begann, die Gegentore der letzten Wochen waren doch unisono durch die Innenvereteidiger zu klären. Das waren „einfache“ Gegentore. Da sehe ich keinen Systemfehler sondern individuelle Probleme. Wobei ich da schon genug Kaffeesatzleserei betrieben habe. Einfach rausgehen und pölen ist mein Tipp.

    Zu Götze: Mag sein, dass er überall eng gedeckt würde, aber ich würde behaupten (nein, ich behaupte), dass es dann Räume in der offensiven 3er-Reihe gibt. Die Gegner hätten es nicht mehr so einfach, da wir so eine neue (alte) Flexibilität erreichen. Die Zweikämpfe von Mario sind nicht durch Kopfbälle oder Tacklings geprägt, und grad ersteres traue ich ihm auch nicht zu bei der Größe, aber er besticht durch Cleverness. Er stellt sich so vor den Gegner, dass dieser schwer an den Ball kommt und die Technik von Mario erlaubt ihm die Pille dann mit dem Fuß runterzupflücken. Aber in der Defensive ist er auch nicht so intensiv gefragt, da haben wir den Manni für. Mario wäre die kreative Unterstützung für die Jungs in der Defensive. Seine Dribblings kann er von dort auch ansetzen, liegt doch ein großer Teil des Spielfeldes vor ihm und mit den Kollegen vorne (Shinji, Perisic, Lewandowski, Leitner, Gündogan, Großkreutz…) könnte er auch mal schnelles, direktes (Doppel-)Passspiel ausüben.

    Die letzten Spiele haben mir auch deutlich gezeigt, dass unser Spiel zu sehr auf Mario beruht. Frei nach dem Motto: „Mach mal was, Junge.“ Wir haben aber weitere technisch starke Akteure und die könnten dann wieder mehr Freiheiten genießen. Die Championsleague sollte man nun ebenso wie den UEFA-Pokal abhaken und aus den Köpfen streichen. Einfach die letzten 3 Spiele mitnehmen, genießen und Fußball spielen.

    Letztlich haben wir Jürgen Klopp und der macht die Aufstellung. Er hat seine Gründe und das ist gut so. Wenn er von meiner favorisierten Variante nix hält und sie nichtmal ansatzweise in Betracht zieht, dann wird er diesen Post meinerseits in der Luft zerreißen können. Deshalb werde ich nun den PC ausmachen, mich auf die Partie gegen Köln vorbereiten und kommende Woche mache ich dann mal meinen Trainerschein.:D

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  5. Ich denke auch die Leistung hat eher was mit der psychischen Verfassung zu tun. Generell ist die Qualität ja vorhanden, kann aber nicht in jedem Spiel konstant abgerufen werden, was bei jungen Spielern ja normal ist. Deshalb hat mich die letzte Saison auch so sehr überrascht.

    Die Gegentore in der CL hätte man sicherlich schon früher unterbinden können, daher möchte ich ungern NUR den Innenverteidigern die Schuld daran geben. Di Verteidigung fängt ja bekanntlich schon im Sturm an.
    Das 2:0 in Marseille ging jedoch ganz allein auf Hummels Kappe.

    Ich favorisiere Mario auch eher weiter vorn, gerade wegen seiner offensiven Qualitäten und weil er sich als Zehner einfach mehr bewegt als Gündogan.
    Ich finde Ilkay übrigens technisch sehr stark, früher oder später wird er in die sechser Rolle hineinwachsen. Nuri brauchte ja auch Jahre dafür.

    Sicherlich ist die CL oder EL Zubrot für uns, aber den Wettbewerb so einfach herschenken, kann man sich eigentlich nicht leisten und würde wohl nicht funktionieren. Genau da wollte man doch hin und man sollte alles versuchen in den letzten Spielen wenigstens einen Sieg zu erlangen. Der Wettbewerb an sich sollte doch schon Motivation genug sein. Nebenbei geht es ja auch noch um sehr viel Geld.

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  6. Wenn die Innenverteidigung retten muss, ist ja vorher schon etwas schief gelaufen, diese Fehler im „Vorfeld“ ziehen sich durch die ganzen letzten Spiele. Spielt man so dicht wie gegen Bremen, sind zumindest bei Ballverlust die Löcher nicht so groß und besser zu verteidigen. Klappt leider nur, wenn der Gegner mitspielt und das kommt immer seltener vor.

    Wenn Barios wieder da ist, funktioniert das 4-2-3-1 auch wieder. Ansonsten sollte der BVB einen „Plan B“ entwickeln, der defensiver ist und mehr Variabilität ins Spiel bringt. Dass Hummels mit seinen Pässen und hohen Bällen mehr und mehr zum Spielgestalter wird, belegt die Not, die der BVB gerade im Spiel nach vorne hat.

    Götze mit der Lenkung des Spiels zu beauftragen, halte ich für nicht richtig. Das ist a) zu früh und b) nicht seiner momentanen Spielweise gemäß, der muss sich auf dem ganzen Platz austoben können.

    Mir persönlich wäre schon geholfen, wenn Gegner ab der Mittellinie nicht begleitet, sondern bedrängt werden und wenn einfache Situationen wie Eckball, Einwurf, Freistoß oder Flanke mental besser gelöst werden.

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