Köln bleibt Dortmunds Liebling

Standard

1. Bundesliga, 10. Spieltag / BVB 5 1.FC Köln 0

Der Effzeh spielt sich in die Herzen der schwarz-gelben Fans. Nach den Erfolgen gegen Leverkusen und Schalke im Frühjahr, die uns die Meisterschaft und eine Portion Schadenfreude bescherten, schenkten die Geißböcke dem BVB gestern den höchsten Sieg seit über einem Jahr. Dieser Verein wird mir – ganz ernsthaft – immer sympathischer. Sicher, die Kölner haben ein paar wirklich unsympathische Fans – wie fast jeder Verein. Aber in der Mehrzahl sind sie vor allem begeisterungsfähig. Mir imponiert außerdem, dass sie mit der Verpflichtung von Stale Solbakken nicht den einfachsten Weg gegangen sind. Bei allen Rückschlägen scheint der FC-Trainer frischen Wind in den Verein zu bringen.

Selbstverständlich darf sich die Borussia drei Tage nach der Pleite von Piräus den höchsten Saisonsieg auch und vor allem selbst anrechnen. Die Mannschaft ist nach einer Enttäuschung erneut überzeugend zurückgekommen, hat eine imponierende Reaktion gezeigt. Jürgen Klopp nahm diesmal nicht so viele Wechsel vor wie nach der Niederlage in Marseille und lag richtig. Marcel Schmelzer, Neven Subotic und Shinji Kagawa, die am Mittwoch weit unter ihren Möglichkeiten geblieben waren, nutzten ihre neue Chance. Auch wenn ich bei der im Fußball weit verbreiteten Küchenpsychologie meist skeptisch bin – der Sieg gestern muss etwas mit „Wut im Bauch“ zu tun gehabt haben, so wie die Niederlage am Mittwoch mit „fehlender Erfahrung“.

Die Höhe des Sieges hing auch mit der Kölner Stabilität zusammen. Das frühe Dortmunder 1:0 schockte die Gäste noch mehr als die Führung von Piräus am Mittwoch die Schwarz-Gelben und die FC-Defensive glich in der Folge noch häufiger dem sprichwörtlichen Hühnerhaufen. Der Führungstreffer war durch einen Pass zu Großkreutz auf den linken Flügel eingeleitet worden. Geschlagen von Mats Hummels, der an seine Leistung aus dem Bremen-Spiel anknüpfte. Das, was bei ihm unter der Woche nicht funktioniert hatte – die Teilnahme an der Spieleröffnung – klappte gestern ein ums andere Mal. In dieser Szene passte Kevin zurück an den Fünfmeterraum, wo mehrere Kölner Verteidiger Shinji Kagawa nicht am Torschuss hindern konnten. Großkreutz spielte bissig und wollte seine Startelf-Chance nutzen. Man kann sich außerdem des Eindrucks nicht erwehren, dass er in Heimspielen besser drauf ist als auswärts. Kagawa tat sein frühes Erfolgserlebnis offensichtlich gut und er dankte Klopp für das Vertrauen mit einer vor allem in der ersten Hälfte starken Leistung.

Die Nicht-Leistung der Kölner war erstaunlich. Es gibt dafür mildernde Umstände: Podolskis Sturmpartner Novakovic fehlte erneut. Solbakken musste die Viererkette erneut umbauen. Die Innenverteidigung bildeten wiederum die Neuzugänge Sereno und Jemal, die allerdings gegen Hannover noch einen ansprechenden Auftritt geboten hatten (Kicker-Noten 3 und 2). Gestern kamen sie wie ihre Kollegen im Strafraum immer wieder zu spät, standen falsch und machten es der wiedererblühten schwarz-gelben Offensive leicht. Exemplarisch war vor allem das 4:0, bei dem die Kölner für Robert Lewandowski Spalier standen. Mindestens ebenso erschreckend aus Geißbock-Sicht: Die Gäste kamen kaum über die Mittellinie und verzeichneten in der 86. Minute durch Podolski ihren einzigen Torschuss, bei dem Weidenfeller immerhin klären musste.

Auf Dortmunder Seite waren es gerade die Dinge, die am Mittwoch am wenigsten funktioniert hatten, die zum hohen Sieg beitrugen. Das zentrale Mittelfeld mit Kehl und Bender eroberte reihenweise Bälle und übte fast 90 Minuten lang totale Dominanz aus. Gleichzeitig waren die Offensivkräfte beweglich und anspielbereit, so dass die Pässe in die Spitze häufig ihr Ziel fanden. Es gab zusätzlich sogar eine Menge Fehlpässe – ohne die hätte das Spiel noch deutlich höher ausgehen können. Wie schon angedeutet: die allesamt gut aufgelegten Großkreutz, Kagawa, Götze, Lewandowski, später Kuba, genossen auch viel zu viel Freiraum.

Bezeichnend war das 2:0. Es war Bender, der im Strafraum mit tollem Einsatz für Marcel Schmelzer auflegte. Der erzielte mit rechts aus 15 Metern sein erstes Ligator. Zuvor hatten schon Kagawa und Götze die Abwehr schwindlig gespielt. Die voreiligen Lewandowski-Kritiker – die vermutlich am Anfang auch Barrios kritisiert haben – sollten nach seinen zwei Toren gestern erst mal ruhig gestellt sein. Während das 3:0 ’nur‘ ein Abstaubertor nach erneuter Vorlage von Bender war, tankte sich Robert beim nächsten wie erwähnt zielstrebig durch die Abwehr. Der fünfte Treffer war der schönste. Von der Grundlinie lupfte Kuba den Ball mit viel Übersicht zurück auf den heranstürmenden Kehl, der mit einem Kopfballtor seine starke Leistung krönte.

Es gab fast nur Gewinner beim BVB. Schmelzer ist wieder in der Spur, da kam einfach der Einsatz am Mittwoch zu früh. Noch besser gefiel mir auf der anderen Seite Piszczek, vor allem im Spiel nach vorne. Großkreutz und Kagawa haben sich zurückgemeldet. Götze, Lewandowski und Bender waren zwar nie weg, steigerten sich aber ebenfalls gegenüber Piräus. Einer der wenigen ‚Verlierer‘ könnte Ilkay Gündogan sein. In den letzten 20 Minuten, in denen er mitspielen durfte, konnte er nicht viel ausrichten. Sebastian Kehl hat eindeutig Ansprüche angemeldet und ist gegen viele offensivere und stärkere Gegner eine ernsthafte Alternative. Wäre ich Klopp, würde ich Gündogan gegen Dresden noch eine Chance geben. Moritz Leitner hat sich bei seinem halbstündigen Einsatz gegen geschlagene Kölner nicht übermäßig aufgedrängt.

Für die schwarz-gelbe Fangemeinde war die Partie trotz Einseitigkeit natürlich ein Fest und eine Versöhnung (wenn es die überhaupt gebraucht hat). Einige Spieler stehen noch in der Pflicht, diese Leistung zu verstetigen, aber zumindest in der Liga gibt es keinen Grund, pessimistisch zu sein. Nicht mal die Bayern sind unschlagbar – in Hannover kann man mal verliern. Das soll selbstverständlich keine Kampfansage sein.

Die Aufstellung: Weidenfeller (7) – Piszczek (8), Subotic (7), Hummels (8), Schmelzer (7) – Bender (9) (57. Leitner (6)), Kehl (8) – Götze (7) (46. Kuba (8)), Kagawa (8) (71. Gündogan), Großkreutz (8) – Lewandowski (8). Gelbe Karten: Subotic, Kehl. Tore: Kagawa, Schmelzer, Lewandowski (2), Kehl

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2 Gedanken zu “Köln bleibt Dortmunds Liebling

  1. Andy

    Schönes Spiel am Samstag. Hätte vorher nie gedacht das es so eindeutig ausfallen würde. Respekt an die Mannschaft die wiederholt eine Reaktion gezeigt hat, obwohl man festhalten muss das Köln arg schlecht war an diesem Tag.
    Dennoch haben wir mal wieder was für’s Torverhältnis getan und die Spieler die gegen Piräus enttäuscht haben, zeigten eine ansprechende Leistung.
    In der Liga gibts momentan nicht viel auszusetzen, 3 Punkte Rückstand auf die Tabellenführung, was will man mehr.
    Ich drücke den Jungs die Daumen das sie am Dienstag die nächste Pokalrunde erreichen und fiebere dem Heimspiel gegen Piräus entgegen.
    In der Hoffnung das am 4. Spieltag der CL endlich der erste Sieg gelingt.

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  2. Ja, man stellt sich immer die Frage: Waren wir so gut oder die so schlecht? Sagen wir es so: Der BVB hat die Personalprobleme, die fehlende Abstimmung nicht nur in der Kölner Viererkette, sondern auch im defensiven Mittelfeld, hervorragend ausgenutzt. ;-)

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