Ergebnisorientiert und manchmal schön

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Champions League, 4. Spieltag / BVB 1 Olympiakos Piräus 0

Es war, wie in meinem Beitrag vor dem Stuttgart-Spiel festgestellt: Jürgen Klopp und die Mannschaft zogen vor der vierten Partie der CL-Gruppenphase die richtigen Schlüsse. Gegen Olympiakos zeigte sich einmal mehr, dass der Trainer diese Fähigkeit besitzt. Zur Belohnung gab es den Pflichtsieg, der dem BVB alle Chancen auf Platz 3 lässt und die winzige Chance auf ein Weiterkommen am Leben erhält.

Zeitweise war das gestern spielerische Hausmannskost. Abwehr und Mittelfeld scheuten sich nicht, hinterum zu spielen, wenn ein Pass nach vorne zu riskant erschien. Immer wieder zogen sie den rustikalen Ball ins Aus einer spielerischen Klärung brenzliger Situationen vor. Das war gut so, denn Olympiakos deutete auch im Westfalenstadion an, dass sie kein Zählkandidat im Wettbewerb bleiben wollen. Und die schwarz-gelbe Defensive stand trotz einfacherer Spielweise nicht in jeder Situation sicher. Selbst Roman Weidenfeller nicht. Der Torwart hielt bei einigen Szenen gut – einmal unterlief er jedoch bei einer Ecke den Ball und kurz vor der Pause lief er im Fünfmeterraum gegen den griechischen Innenverteidiger Papadopoulos, um dann Foulspiel des Gegenspielers zu reklamieren. Mats Hummels klärte die Situation mit der Hand, es hätte daher Elfmeter für Piräus geben können.

Weitere Unsicherheiten leisteten sich Neven Subotic und vor allem in der ersten Halbzeit Marcel Schmelzer. Der Linksverteidiger stand zu oft falsch, zu weit weg vom Mann und verlor einige Laufduelle. In der Form von gestern ist er für europäischen Spitzenfußball nicht tauglich. Wollen wir hoffen, dass er sich wie in der Bundesliga wieder fängt.

Es gab jedoch auch das Schöne in diesem Spiel. Nicht jeder hätte es von Kevin Großkreutz erwartet. Schon in der 3. Minute leistete er mit Kopf und Fuß tolle Vorarbeit zu einer Chance von Perisic. Vier Minuten später schloss Mario Götze nicht selber ab, sondern registrierte den im Rückraum freien Großkreutz und legte ihm den Ball für einen feinen, prallen Schuss aus fast 25 Metern auf, bei dem der in der Anfangsphase unsichere Olympiakos-Keeper keine Chance hatte.

Im Mittelfeld, neben Sebastian Kehl, feierte Moritz Leitner ein gelungenes Startelf-Debüt. Sven Bender hatte verletzt passen müssen und Klopp zog den 18-jährigen dem etwas älteren, formschwachen Gündogan vor. Die ganz große Lobeshymne will ich jedoch noch nicht anstimmen. Leitner stieß öfter prima in Lücken vor und spielte eine Reihe von gelungenen Pässen. Geniestreiche waren jedoch nicht dabei, seine beiden Torschüsse in der zweiten Hälfte stellten auch kein echtes Problem für den Gästetorwart dar. Generell fehlten zündende Ideen aus dem Mittelfeld, weil auch Mario Götze nach schwungvollem Beginn nachließ. Nicht weiter verwunderlich, wenn man bedenkt, dass auch er nach dem Stuttgart-Spiel angeschlagen war.

Die beste Szene der zweiten Hälfte hatte Robert Lewandowski. Einfach toll, wie er den zu kurzen Rückpass von Holebas vorausahnt und sich blitzschnell den Ball erkämpft. Dass er dann aus sehr spitzem Winkel nur den Pfosten trifft, ist verzeihbar. Perfekt wäre es gewesen, wenn er den Ball auf den nachkommenden Mitspieler zurückgelegt hätte. Insgesamt war es wieder ein engagierter Auftritt unseres Torjägers, der sehr oft gefoult wurde. Kagawa, der für Götze kam, brachte noch mal etwas Schwung in die Partie, aber letztlich spielte der BVB eine ergebnisorientierte Schlussphase, in der man nur noch vereinzelt vielversprechende Angriffe der Gäste zuließ.

Es war gut zu sehen, dass die Schwarz-Gelben auch eine solche Spielweise beherrschen. Gestern ging es nicht mehr um Schönheit, sondern nur noch um drei Punkte. Klar ist, dass es einer deutlichen Leistungssteigerung auf allen Positionen bedarf, um aus London etwas Zählbares mitzunehmen. Für das Erreichen des Achtelfinals würde ohnehin nur ein Sieg zählen. Das Unentschieden zwischen Arsenal und Marseille führt dazu, dass die Borussia nicht nur die letzten beiden Spiele gewinnen muss, sondern auch noch den direkten Vergleich gegen die Franzosen, bei dem es momentan 0:3 steht. Oder Olympiakos leistet gegen einen der beiden Gegner noch unerwartet Schützenhilfe. Realistisch ist etwas anderes – Platz 3. Damit darf man in dieser Saison noch zufrieden sein.

Die Aufstellung: Weidenfeller (6) – Piszczek (7), Subotic (6), Hummels (7), Schmelzer (4) – Kehl (6), Leitner (7) – Perisic (6), Götze (6), Großkreutz (7) – Lewandowski (7). Gelbe Karte: Perisic. Tor: Großkreutz.

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5 Gedanken zu “Ergebnisorientiert und manchmal schön

  1. Andy

    Sicherlich kein Spektakel gestern, but who cares. In diesem Falle sind mir doch die 3 Punkte wichtiger. DIe Mannschaft hat gezeigt das sie auch im europäischen Spizenfussball bestehen kann und stand in der Defensive meist sicher. Klar sah das alles nicht toll aus wie die Bälle hinten ins seitenaus oder nach vorn gedroschen wurden, aber man steht ja auch noch am Anfang der Entwicklung. Leitner hat mir gut gefallen, er versucht dominant zu sein und bemüht sich um jeden Ball auch wenn er manchmal die Kugel für meine Begriffe zu lange hält.
    Das Unentschieden in London gefiel mir auch nicht, aber ich denke wir haben gute Chancen im nächsten Jahr in der EL weiter zu machen.

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  2. War schon ein gutes Spiel von Leitner. Er wirkt spritziger als Gündogan. Allerdings ist es auch noch ein bisschen unstrukturiert, er versucht viel und einiges klappt halt nicht. Aber wenn man sein Alter bedenkt, in jedem Fall ein viel versprechendes Startelf-Debüt.

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  3. Das Schöne an dem Erfolg gegen Piräus ist, dass Borussia auch sogenannte „Schmutzige Siege“ kann. Frühes 1:0 und dann zurückgezogen – das ist zwar nicht schön, aber in diesem Fall einfach wichtig.

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