Klarstellung

Standard

1. Bundesliga, 14. Spieltag / BVB 2 FC Schalke 0

Das ist geil! (Jürgen Klopp, 26.11.2011)

Derbysieger, Spitzenreiter. Am Mittwoch hatte Borussia Dortmund auf bittere Art und Weise auch das dritte Auswärtsspiel in der Champions League verloren. Am Samstag haben die schwarz-gelben Jungs erneut zurückgeschlagen und den ersten Derbysieg im Westfalenstadion seit 2007 geholt. Heute sprang als Bonus noch die Tabellenführung heraus.

Und was für ein Derbysieg war das denn bitte? Das 3:1 in Gelsenkirchen war trotz Fanboykott mindestens ebenso genial, aber die Überlegenheit, die der BVB gestern an den Tag legte, hat man in diesem Aufeinandertreffen seit Jahren nicht mehr gesehen. Das Tabellenbild und der von den Ergebnissen her ordentliche Start von Huub Stevens hatten im Vorfeld suggeriert, die Gäste befänden sich nahezu auf Augenhöhe mit dem Meister. Auf die Gefahr hin besserwisserisch zu wirken – ich hatte nicht daran geglaubt. Die Schalker Mannschaft ist noch lange nicht so homogen wie die Dortmunder und spätestens seit dem Ausfall des Schlüsselspielers Farfan war mir nicht mehr bange vor dem Derby.

Allergrößten Respekt nötigen zurzeit die Personalentscheidungen von Jürgen Klopp ab. Nach der Niederlage in London wurde erneut rotiert. Es geschah aus Leistungsgründen und zahlte sich aus. Kevin Großkreutz saß fast 90 Minuten auf der Bank, was das Fanherz nicht verstehen muss, der Verstand aber schon. So wie der ebenfalls nur eingewechselte Shinji Kagawa hatte Kevin am Mittwoch ein schwaches Spiel gemacht. Das dürfte eher der Grund für die Nichtberücksichtigung gewesen sein als durchwachsene Derby-Auftritte in der Vergangenheit. Robert Lewandowski stand erstmals in dieser Saison zusammen mit Lucas Barrios in der Startelf – eine klare Reaktion auf die erwartete defensive Ausrichtung der Gäste. Die größere Überraschung: Kuba durfte mal wieder die rechte Seite übernehmen.

Und alle Überlegungen des Trainers trugen Früchte. Robert Lewandowski hat den sprichwörtlichen Lauf – auch auf der ’10‘ bzw. als hängende Spitze. Bei der verdienten Führung kam es gar nicht auf seine Position an. Einen Freistoß von rechts schlug Marcel Schmelzer lang in den Strafraum und Lewandowski war der Einzige, der richtig hochsprang und per Kopf traf. Als Blauer könnte man jetzt diskutieren, ob der Freistoß nach gestrecktem Bein von Fuchs gegen Kuba berechtigt war. Abgesehen davon, dass Schiedsrichter Meyer kaum sehen kann, was das Fernsehen nur mit der Lupe herausfand, hätte man in dieser Situation viel besser verteidigen können. Nicht ganz ausgeschlossen ist auch, dass der Schalker Stammkeeper der Vorsaison den Ball irgendwie hätte parieren können.

Lucas Barrios war zwar im Abschluss glücklos, beschäftigte und band jedoch Schalker Abwehrspieler. Kuba rechtfertigte seine Aufstellung erst recht. Er holte nicht nur den Freistoß heraus, sondern kam über rechts einige Male schön durch. Seine überlegte Flanke in den Rückraum führte zur größten Chance der ersten Halbzeit, bei der Unnerstall gegen Götze parierte und Barrios im Nachrutschen nur Matip und nicht den Ball traf. Eines hat sich jedoch nicht geändert: Der Torabschluss bleibt Kubas Schwäche Nummer eins.

Die Gäste waren 80 Minuten so unterlegen, dass sich der BVB gar nicht so viel Mühe geben musste wie in den letzten Spielen. In der ersten Halbzeit landeten lange Bälle aus der Schalker Hälfte reihenweise im Aus und bessere Mittel hatten die Blauen nicht. Natürlich verkauften sie sich auch unter Wert – diese Mannschaft kann immer noch kein Derby. Auf der anderen Seite standen ihnen aufmerksame Schwarz-Gelbe gegenüber, bei denen selbst die aus der Not geborene Paarung im defensiven Mittelfeld mit Kehl und Leitner sehr ordentlich funktionierte. Der 19-jährige Neuzugang von 1860 war sehr fleißig und hatte ein hohes Laufpensum (darf ja heute in keinem Bericht über den BVB fehlen), auch wenn von ihm noch lange nicht so viele Impulse ausgehen wie von Nuri Sahin. Das hat ja auch noch Zeit.

Die fünf bis zehn Minuten kurz nach der Pause, in denen die Schalker in die Offensive gingen, änderten kaum etwas am Gesamteindruck. Die Bilanz  der Gäste am Ende: Ein ernstzunehmender Weitschuss, den Weidenfeller wegfausten musste. Zwei Schüsse, die knapp neben oder über das Tor gingen. Der BVB hatte in der zweiten Hälfte eine Reihe von Chancen und nutzte eine. Nach einer Ecke von Götze und Vorarbeit von Kuba und Hummels parierte Unnerstall gegen Barrios. Der Ball sprang zu Santana, der im Rückraum lauerte und souverän einschob. Ein Tor, das man ihm nach der langen Warterei auf der Bank von Herzen gönnt.

Das war bereits im wesentlichen die Geschichte dieses wundervollen Derbys. Konzentriert, souverän und willensstark durchgezogen vom BVB. Von den ‚Anderen‘ kann man das nicht behaupten. Der Unterschied war gestern beinahe noch größer als in der Vorsaison. Es tut mir ja leid für den FC Schalke, aber wenn wir weiterhin so gute Spieler aus dem Osten dazubekommen, wird die Borussia auf Jahre hinaus unschlagbar sein.

Die Aufstellung: Weidenfeller (7) – Piszczek (7), Santana (8), Hummels (8), Schmelzer (7) – Leitner (6), Kehl (7) – Kuba (7) (88. Großkreutz), Lewandowski (8), Götze (8) (78. Owomoyela) – Barrios (6) (88. Kagawa). Gelbe Karte: Kehl. Tore: Lewandowski, Santana

 

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6 Gedanken zu “Klarstellung

  1. le karl

    Es war ein Sieg wie im Vorbeigehen. Natürlich, das muss man erst einmal so sauber spielen, so straight.

    Und Huub reibt noch Salz in die Wunden, indem er davon spricht, dass er in der ersten Halbzeit „eine Erwachsenenmannschaft gegen eine Schülermannschaft gesehen habe.“ Das wird in Gelsenkirchen niemand gerne hören, zumal es durchaus Gründe für diese Beobachtung gibt. Beispielsweise 3 gezählte Torschüsse von Blau. Im gesamten Spiel.

    Das wird natürlich ein Wochenanfang mit breitem Grinsen im Gesicht werden. Allerdings ist die Euphorie diesmal nicht so groß wie nach anderen Siegen über Blau. Blau war irgendwie diesmal nicht satisfaktionsfähig.

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  2. Claudia

    Ich bin einfach nur glücklich, dass wir gesiegt haben! Und die Aktion auf dem Zaun vor der Süd war doch sensationell, oder? Das kann man auch nicht mit Geld bezahlen :))
    Wenn mir jemand vor der Saison gesagt hätte, der BVB fährt am 15. Spieltag zum Topspiel erster gegen zweiten nach Mönchengladbach, den hätte ich wohl für verrückt erklärt. Dortmund kann zwar nicht CL, aber Tabellenführer können sie *freu*.

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  3. Andy

    Glückwunsch an die Mannschaft zu der klasse Vorstellung. Jetzt gehts am WE zum Spitzenduell nach Gladbach. Bin mal gespannt wie die sich (vermutlich) ohne Reus schlagen werden.

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