Vergnügungspark Breisgau

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1. Bundesliga, 17. Spieltag / SC Freiburg 1 BVB 4

Borussia Dortmund hat ein munteres letztes Ligaspiel 2011 beim Tabellenletzten deutlich gewonnen und dabei schöne Tore geschossen. Manchmal glich die Partie einem Ausflug in den Freizeitpark, wo man Spaß haben und auch mal abschalten und entspannen kann. Gegen einen stärkeren Gegner wäre vermutlich ein anderes Ergebnis herausgekommen.

Die Rückkehr von Kapitän Sebastian Kehl gab dem schwarz-gelben Mittelfeld die erhoffte Stabilität und Ausgewogenheit – abgesehen von einer längeren Phase in der ersten Halbzeit, in der es große Teile der Mannschaft etwas zu ‚freizeitlich‘ angehen ließen und durch wiederholte Konzentrationsmängel den engagierten Freiburgern einige gelungene Kombinationen und Torschüsse ermöglichten. Vielleicht tat das frühe 1:0 durch Lewandowski – dem bereits eine Freiburger Großchance durch Putsila vorausgegangen war – dem BVB-Spiel nicht so gut wie normalerweise eine Führung.

Die Borussen hatten durchaus die ein oder andere Kontergelegenheit, aber zwingender zeigten sich in der 34. Minute die Breisgauer. Trotz deutlicher schwarz-gelber Überzahl überwanden sie mit einem Doppelpass die gesamte Abwehr, Rosenthal stand frei und schob den Ball durch Weidenfellers Beine ins Tor. Beim BVB fehlten in der Szene Zuordnung und Reaktionsschnelligkeit. Schuld war unter anderem Kevin Großkreutz, den ich nur wegen des Kontrasts heraushebe. Kevin machte insgesamt kein besonders gutes Spiel, hatte aber in der zweiten Hälfte den brillanten Schuss aus 18 Metern zum 3:1 zu verzeichnen und legte später noch Lewandowski das 4:1 auf.

Apropos. In Abwesenheit von Mario Götze wurde Robert Lewandowski zum wichtigsten Spieler der Partie und unterstrich eindrucksvoll, wie wertvoll er inzwischen für den BVB ist. Es waren gar nicht in erster Linie die beiden Tore – die hätte Mats Hummels auch gemacht, denn es waren einfache Tap-ins, wie man in England sagt. Unser Innenverteidiger erklärte nach dem Spiel treffend wie immer, was den Torjäger ausmacht:

(…) wichtig ist vor allem, wie Robert die Bälle hält, wie er gegen zwei Mann in die Kopfballduelle geht und wie er sich reinhaut. Er ist unglaublich schnell und körperlich robust.

Lewandowski bietet, etwas flapsig gesagt, ein tolles Gesamtpaket. Er ist ein mitspielender Torjäger, der in den letzten Monaten endgültig in der Mannschaft angekommen ist, da er nun zusätzlich zu seinen Fähigkeiten das nötige Selbstbewusstsein hat und die nötigen Laufwege kennt.

Gut für den BVB war gestern zweifellos die erneute Führung kurz vor der Pause. So wie der Anschlusstreffer von Marseille zu diesem Zeitpunkt letzte Woche schlecht war. Das Tor wurde noch während des Spiels kontrovers diskutiert, weil Schiedsrichter Perl die Abseitsentscheidung seines Assistenten überstimmte und weiterspielen ließ, was die Freiburger aber nicht taten. Dadurch waren Kuba und Gündogan frei durch und Letzterer kam in seinem besten Spiel für den BVB zu seinem ersten Tor. Fraglich ist nicht, dass der Schiedsrichter der Chef ist – das hätten die Freiburger wissen können. Es wurde aber aus den Fernsehbildern, die ich bisher gesehen habe, nicht deutlich, von wem Rosenthals Rückpass zu Kuba abgefälscht wurde – einem Dortmunder oder einem Freiburger.

In der zweiten Halbzeit hielten die Freiburger noch eine Weile gut dagegen, was sich am Ende auch in der Torschuss-Statistik (14:11) ausdrückte. Doch die Schwarz-Gelben machten weniger Fehler und brachten ihre Qualität zunehmend auf den Rasen. In besonderem Maße galt das für Shinji Kagawa, der wie Lewandowski ohne Götze noch mehr im Mittelpunkt stand. Er war an drei der vier Tore maßgeblich mit tollen (Doppel-)Pässen beteiligt. Die Entstehung der Treffer unterstreicht auch, dass in Freiburg bei Schwarz-Gelb viel durch die Mitte passierte. Schmelzer machte links hinten eine gute Partie und Kuba überzeugte im rechten Mittelfeld zumindest phasenweise, aber die deutlich gefährlicheren Spielzüge liefen durchs Zentrum.

Am Ende stand ein überzeugender Sieg, der dann doch viel Vergnügen bereitet hat. Der Qualitätsunterschied war einfach zu groß. Man darf nicht vergessen, dass bei den Freiburgern auch noch Stammspieler Julian Schuster fehlte, der in etwa die Position und Bedeutung von Sven Bender für die Breisgauer hat. Personalsorgen könnte der BVB am Dienstag bekommen. Zusätzlich zu den schon fehlenden Spielern könnten beim Pokalspiel in Düsseldorf Felipe Santana und Marcel Schmelzer ausfallen. Santana humpelte in der 71. Minute nach einem Foul des schon verwarnten Rosenthal vom Platz und wird morgen eingehender untersucht. Schmelzer wurde erneut wegen muskulärer Probleme im Oberschenkel ausgewechselt und spricht davon, dass es bis Dienstag „sehr eng“ wird. Im Fall der Fälle könnte Neven Subotic ein vorzeitiges Comeback mit Gesichtsmaske feiern und Chris Löwe oder Patrick Owomoyela für Schmelle einspringen.

Das Pokalspiel wird bestimmen, wo sich die BVB-Waage hinneigt. Ein Ausscheiden wäre kein Weltuntergang und in der Liga stehen die Schwarz-Gelben hervorragend da. Trotzdem wären zwei vergeigte Wettbewerbe ein herber Dämpfer. Obwohl eine schwere Auswärtsaufgabe bevorsteht, kann man im Pokal mehr von der Mannschaft erwarten als in der Champions League. Das Spiel in Freiburg hat Mut gemacht.

Die Aufstellung: Weidenfeller (7) – Piszczek (6), Santana (7) (71. Perisic), Hummels (6), Schmelzer (7) (62. Owomoyela) – Gündogan (7), Kehl (6) – Kuba (7), Kagawa (9), Großkreutz (6) – Lewandowski (9). Gelbe Karte: Lewandowski. Tore: Lewandowski (2), Gündogan, Großkreutz

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