Moderner Vierkampf

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1. Bundesliga, 18. Spieltag / Hamburger SV 1 BVB 5

Zu den vielen neuen Qualitäten von Borussia Dortmund gehört, dass die Mannschaft nach längeren Spielpausen gut vorbereitet und auf den Punkt konzentriert zu Werke geht – und beeindruckende Ergebnisse erzielt. Selbst wenn ein australischer Ersatztorwart im Kasten steht und nicht Deutschlands Nummer Eins. Die Bundesliga ist dadurch so spannend wie lange nicht mehr Ende Januar. Das mag eine Momentaufnahme sein, aber dem modernen Fußball tut es gut, wenn der BVB, die Bayern und S04 Kopf an Kopf platziert sind. Und eine Überraschungsmannschaft wie Gladbach knapp dahinter.

Also, um es noch mal zu sagen: Da gewinnt der BVB mal eben 5:1 bei einem Verein, der unter seinem neuen Trainer noch nicht verloren hat. Nun kann man mit gewisser Berechtigung auf die zeitweise desolate Abwehrreihe der Gastgeber hinweisen. Beim 1:0 ließen sich die Hamburger komplett düpieren, waren unentschlossen, schienen noch über eine Abseitsfalle nachzudenken, als schon der entscheidende schöne Pass von Kagawa auf Großkreutz kam. Beim zweiten Tor setzte sich Lewandowski alleine gegen Westermann, Bruma und Aogo durch. Und das späte 5:0, erneut durch den polnischen Torjäger, war zwar von Schwarz-Gelb gut kombiniert, aber zur selben Zeit arg statisch verteidigt vom HSV. Was will man auch erwarten, wenn der Abwehrchef und Kapitän einer Mannschaft Heiko Westermann ist?

Auf der anderen Seite konnte der HSV phasenweise, vor allem in der ersten Halbzeit und dann noch mal, als alles gelaufen war, mitspielen. Er hätte nur häufiger so gefährlich werden müssen wie beim verunglückten Kopfball von Paolo Guerrero direkt vor dem Tor. Von links segelten einige Flanken in den BVB-Strafraum, Lukasz Piszczek hatte ein paar Probleme mit der Schnelligkeit von Nationalspieler Aogo. Doch die Abnehmer oder wahlweise die Präzision fehlten. Solange die schwarz-gelbe Viererkette die Orientierung behielt – also zu fast jedem Zeitpunkt – und solange es durch die Mitte ging, lief bei den Hamburgern auch offensiv wenig zusammen. Damit wären wir endgültig beim starken Auftritt der Borussia, denn im zentralen Mittelfeld sorgten Sven Bender und Sebastian Kehl für Ruhe und Ordnung. Sehr souverän fingen sie fast alle Angriffe ab, die nicht schon ihre Mitspieler durch frühes Pressing (TM) in der gegnerischen Hälfte unterbunden hatten. Und Geburtstagskind Marcel Schmelzer zeigte links hinten eine sehr engagierte, defensiv tadellose Leistung.

Die Dortmunder Offensivabteilung brachte es tatsächlich fertig, dass man Mario Götze in diesem Spiel nicht vermisste. Shinji Kagawa übernahm die präzisen Pässe und Dribblings auf engem Raum. Kevin Großkreutz war dank unermüdlichem Engagement irgendwie immer überall. Doch vor allem die beiden offensiven Polen überragten. Kuba machte seine beste Partie für Dortmund, übernahm Verantwortung beim Elfmeter und könnte trotzdem am Ende der Saison den Verein verlassen. Nach der Rückkehr von Götze, die sich noch um eine Woche verzögern wird, dürfte es wieder eng im offensiven Mittelfeld werden.

Robert Lewandowski ist zusammen mit Schalkes Huntelaar bereits bester Scorer der Liga und vielleicht bald auch bester Schütze. Am Sonntag hätte er durchaus schon zu Gomez aufschließen können, denn er vergab zusätzlich zu seinen zwei Treffern noch zwei Großchancen. Und machte dank seiner Präsenz in der Mitte und immer wieder auch auf dem Flügel trotzdem ein hervorragendes Spiel. Mitch Langerak musste noch einen Gegentreffer hinnehmen, der vermutlich nur den Australier richtig ärgerte. Es bleibt Spekulation, wie Weidenfeller die Szene gemeistert hätte. Das sichere Fausten hat der Ersatztorwart sich möglicherweise beim Stammkeeper abgeschaut. Langerak zeigte ein ordentliches Spiel, musste selten eingreifen, hätte vielleicht in einer Szene aus dem Tor kommen sollen.

Und selbst mit Wolfgang Stark können die BVB-Fans so langsam ihren Frieden machen. Der bayerische Unparteiische zeigte in seinem Jubiläumsspiel eine akzeptable Leistung, mit der ein oder anderen falschen Zweikampfbewertung. Der Elfmeter war unstrittig und musste nicht wiederholt werden.

Es war ein unglaublich guter Rückrundenauftakt der Borussia, der schon am Samstag gegen den ‚Lieblingsgegner‘ Hoffenheim wieder auf dem Prüfstand steht. Vielleicht ist es angesichts dessen üblicher Gangart gut, dass dann Mario noch pausieren wird. In jedem Fall ist es Zeit für eine Lektion. Die versuchten in Hamburg etwa 500 BVB-Fans den Vereinsverantwortlichen nicht nur des HSV zu erteilen. Im Rahmen der „Kein Zwanni für nen Steher“-Aktion blieben sie vor dem Stadion und verfolgten das Spiel im Radio. Ich möchte hierzu erneut Mats Hummels zitieren (könnte eigentlich im Wochenrhythmus geschehen):

Fußball zu schauen wird immer teurer. Für Fans, die nicht so gut verdienen, ist das ein Problem. Allerdings kann ich mir vorstellen, dass sich heute einige dennoch ärgern.

Die Aufstellung: Langerak (6) – Piszczek (6), Subotic (7), Hummels (7), Schmelzer (7) – Bender (8) (81. Gündogan), Kehl (8) (73. Leitner) – Kuba (9), Kagawa (7) (81. Barrios), Großkreutz (8) – Lewandowski (9). Tore: Großkreutz, Lewandowski (2), Kuba (2)

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8 Gedanken zu “Moderner Vierkampf

  1. Einmal, soweit ich weiß, aber ich mach das ja auch noch nicht so lange. ;-) Gestern war ich der Meinung, dass dafür Lewandowski noch eine Chance mehr hätte nutzen müssen und Kuba nicht durchgehend so gut zum Zuge kam wie in seinen besten Szenen.

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  2. Den guten Auftritt von Kuba sehe ich etwas mit Sorge. Ich fürchte ja, dass er wie schon in der Hinrunde nun etwas lauter einen Platz in der ersten Elf einfordern wird. Was für unnötige Unruhe sorgen könnte.

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  3. um kuba muss man sich keine sorgen machen, der wird jetzt vor der em noch einmal alles zeigen. vieles davon hat er leider noch nie im dortmunder dress gezeigt. danach wird für ihn in dortmund schluß sein. vielleicht ja mit dem pokalerfolg und ohne rote karte im endspiel.

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  4. le karl

    Über das Fehlen von Mario Götze gegen Hoppenheim:

    „Vielleicht ist es angesichts dessen üblicher Gangart gut, dass dann Mario noch pausieren wird.“

    Genau das dachte ich mir auch …

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  5. Claudia

    Einfach nur sagenhaft! Ich hatte mir gewünscht, dass der BVB die Steilvorlage der Gladbacher nutzen können – und wie sie das getan haben! Ich bin immer wieder begeistert, wie die Jungs mit dem Druck umgehen. S04 hatte ja auch gewonnen. Wäre nicht so dolle gewesen, hinter denen zu stehen. Haben sie super gemacht. Und jetzt ist Hoppenheim endlich mal fällig. Schade nur, dass Mario doch so lange ausfällt. Aber er soll sich Zeit nehmen, der Endspurt wird anstrengend genug.

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  6. @Stefan, Dembowski: Kuba wird jetzt zwangsläufig mehr Gelegenheiten bekommen. Ich denke auch, dass er spätestens nach der EM gehen wird, außer die geht komplett daneben. Einen Weg direkt zum Stammplatz bei uns, wie ihn Nationalmannschaftskollege Lewandowski gemacht hat, sehe ich ihn nicht zurücklegen.

    @Claudia: Toller Auftakt, zum dritten Mal hintereinander. Und jetzt Hoffenheim demontieren. Wäre schön. Das mit Mario ist ein Schlag, aber besser jetzt als später, wie ich in meinem neuen Beitrag noch ausführe.

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