Dortmund besiegt den letzten Angstgegner

Standard

1. Bundesliga, 19. Spieltag / BVB 3 TSG Hoffenheim 1

Auswärts in Hamburg…erledigt. In München…schon zweimal erledigt. Das Derby sowieso. Und nun hat Borussia Dortmund auch die Emporkömmlinge aus dem Kraichgau erstmals zuhause geschlagen. Auf souveräne Art und Weise, wie sie fast schon zu erwarten war, phasenweise sogar noch beeindruckender. Das Ergebnis bestätigt, dass es bei Prognosen wichtiger ist, auf die aktuelle Form und unmittelbare Vorzeichen zu achten als Statistiken der Vergangenheit hervorzukramen. In diesem Sinne gibt es ohnehin keine Angstgegner mehr.

Die Ansagen vor der Partie waren klar: die Schwarz-Gelben hatten sich etwas vorgenommen, wollten diesen ungeliebten Gegner vor eigenem Publikum endlich schlagen. Und das Vorhaben wurde eindrucksvoll in die Tat umgesetzt, gleichzeitig die gute Rückrunden-Vorbereitung erneut bestätigt. Die Gastgeber drückten vom Anpfiff an und es gelang tatsächlich, in vielen Szenen schneller zu denken und zu sein als die Hoffenheimer und somit deren Härte buchstäblich ins Leere laufen zu lassen (vier gelbe Karten holte sich die TSG dennoch ab). Obendrein war der BVB wie in Hamburg bei gegnerischem Ballbesitz im Mittelfeld sehr präsent und ließ den Gästen wenig Raum.

Es war nur eine Frage der Zeit, ehe nach den frühen hochkarätigen Chancen durch Lewandowski ein Tor fallen sollte. Gästekeeper Tom Starke machte in den ersten Minuten und für den Rest des Spiels eine ganz starke Partie, leitete jedoch mit einem Neuer-esken Abschlagpass in die Mitte auf Rudy das 1:0 für den BVB ein. Der Mittelfeldspieler brachte den Ball nicht unter Kontrolle und schon war Sebastian Kehl da, um ihm das Leder wegzuspitzeln und für Shinji Kagawa vorzulegen, der souverän vollendete. Es war das beste Saisonspiel des Japaners, der in puncto Technik, Passgenauigkeit und Abschlussstärke wieder dort angekommen ist, wo er in der Meistersaison war.

Der TSG waren die offensiven und defensiven Schwächungen anzumerken – sie fand in der ersten Hälfte fast gar nicht statt. Nur bei einer Einzelaktion von Babel musste Roman Weidenfeller klären, der mit einer Ausnahme eine ebenfalls starke Leistung zeigte. Zu diesem Zeitpunkt stand es bereits 2:0. Kagawa und Kuba hatten in der 31. Minute im Strafraum Doppelpass gespielt und der Pole kam frei zur Flanke – begünstigt durch einen peinlich verunglückten Versuch der Hoffenheimer, ihn Abseits zu stellen. Großkreutz musste nur noch den Fuß hinhalten, der Ball sprang zum Glück knapp unter die Latte.

Nach der Pause wollten die Schwarz-Gelben den Premierensieg klarmachen und ließen den Gästen zunächst keinerlei Spielraum. Die Souveränität des BVB basierte wesentlich darauf, dass von jedem Mitglied des offensiven Mittelfelds Gefahr drohte. Großkreutz, Kagawa und Kuba waren allsamt richtig stark, so dass die Gastgeber das Spiel nach vorn beliebig variieren konnten. Beim 3:0 in der 55. Minute verlor mal wieder Braafheid den Ball, Kagawa spielte den Pass durch die Gästedefensive und Großkreutz, diesmal  halbrechts, legte ihn mit einem zauberhaften Hackentrick perfekt zurück auf den nachrückenden Japaner.

Das war Zauberfußball mit Tempo, begünstigt durch einen Hoffenheimer Fehler, der wiederum durch das frühe Dortmunder Pressing ausgelöst wurde. Nach diesem Traumtor feierte das Westfalenstadion hörbar und es mag aufgrund der Feierstimmung gewesen sein, dass die Dortmunder Konzentration in der Folge etwas nachließ. Es wurde später attackiert und die Gäste konnten doch noch zeigen, dass sie einige vielversprechende Spieler in ihrer jungen Mannschaft haben. Weidenfeller war zunächst gegen Babel noch rechtzeitig unten und konnte den Schuss aus kurzer Distanz klären. Wenige Minuten später stand Johnson bei einer Flanke von Braafheid frei genug zwischen Hummels und Schmelzer, die sich auf den hereinfliegenden Ball konzentrierten, um zum Anschlusstreffer einzuschießen.

Man kann sich über das folgerichtige und unnötige Gegentor ärgern, man kann aber auch darauf verweisen, wie viel mehr Probleme dieser Gegner in der Vergangenheit bereitet hat und dass er immer noch in der Lage ist, kleine menschliche Unkonzentriertheiten auszunutzen. Die Reaktion des BVB auf den Gegentreffer kam und auch wenn die Partie in der zweiten Hälfte offener war, setzten die Schwarz-Gelben die gefährlicheren Konter und Angriffe. Robert Lewandowski kam noch zweimal in aussichtsreichster Position zum Abschluss, doch sein Tag war es gestern nicht – zumindest was die Treffsicherheit angeht. Zunächst schoss er zu zentral auf Starke, später bekam Aushilfs-Innenverteidiger Williams gerade noch ein Bein dazwischen. Schiedsrichter Kircher machte seinen einzigen Fehler, als er den durchgebrochenen Shinji Kagawa zurückpfiff, der Starke umrundet und knapp neben das Tor geschossen hatte. Die letzte Chance besaß der für Lewandowski eingewechselte Lucas Barrios, der den Ball fast an Starke vorbei ins Netz gehoben hätte, doch der Keeper reagierte auch hier schnell genug mit dem Arm.

Momentan strahlt die Borussia ungeheure Souveränität und Selbstbewusstsein aus, weiß mit jeder Spielsituation umzugehen. Dass das nicht zwangsläufig immer so sein muss, hat die Champions League bewiesen. Der Kampf um die ersten vier Plätze in der Liga bleibt nach diesem Samstag ungeheuer eng, Gladbach kann heute noch nachziehen. Am Freitag wartet eine Auswärtsfahrt nach Nürnberg auf den BVB, die Kneipenschauer mehr erfreuen wird als Stadiongänger. Zuletzt lief es gegen diesen Gegner gut, doch gemäß dem ersten Absatz ist das sekundär. Die Nürnberger sollte man zuhause keinesfalls unterschätzen. Mit Mats Hummels humpelte nach der gestrigen Partie einer der Schlüsselspieler vom Feld – Näheres zu seinem Zustand wird man vermutlich morgen erfahren. Das übernächste Augenmerk gilt dem Ende der Transferperiode in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch – doch davon wird ein anderer Beitrag handeln.

Die Ausstellung: Weidenfeller (8) – Piszczek (7), Subotic (7), Hummels (7), Schmelzer (7) – Bender (7), Kehl (7) – Kuba (8) (77. Perisic), Kagawa (9), Großkreutz (9) (85. Gündogan) – Lewandowski (7) (77. Barrios). Gelbe Karte: Bender. Tore: Kagawa (2), Großkreutz.

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4 Gedanken zu “Dortmund besiegt den letzten Angstgegner

  1. le karl

    Guter Kick, mehr als gerechtes Resultat.

    Das Nachlassen der Konzentration ab der 60. ist ein Hinweis darauf, dass der BVB hier eine Spielsituation hat, für die die Lösung noch nicht so rund läuft, nämlich auf Ballbesitz zu spielen und den Gegner laufen zu lassen; siehe CL. Macht nichts, auch darin wird man am Ende der Saison weiter sein.

    Dass die Mannschaft wieder einen Tick variabler geworden ist, zeigt die Art und Weise, in der man Hoppenheim begegnet ist, denn der Gast konnte buchstäblich nur ins Leere treten.

    Fein das.

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  2. Entweder das Spiel auf Ballbesitz – das sich die Bayern witzigerweise gerade ein bisschen abgewöhnen wollen – ist noch ausbaufähig oder es war noch profaner einfach allgemein nachlassende Konzentration nach dem 3:0 und den Jubelstürmen. Schwer zu sagen, aber einfach zu verzeihen.

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  3. Claudia

    Die Entwicklung, die Kevin gemacht hat, verblüfft mich geradezu. Das dritte Tor war ein Traum! Er hat sich auf diversen Positionen gezeigt und dabei überzeugt, ja sogar überragend agiert. Ich kann nur hoffen, dass Löw das auch so sieht! Es muss nicht immer Müller oder gar Podolski sein in der N11.

    Ebenfalls erstaunlich, der dritte (oder ist es der vierte, gar fünfte) Frühling des Sebastian Kehl. :)) Unglaublich, wie der sich in die Spiele stürzt. Eine wahre Freude, ihn spielen und kämpfen zu sehen.

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