Ihr wart mal Stars

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1. Bundesliga, 21. Spieltag / BVB 1 Bayer Leverkusen 0

Beim letzten Auftritt der Werkself aus Leverkusen im Westfalenstadion war ich vor Ort und sah eine Gästemannschaft, der ich ernsthaft zutraute, den Spitznamen „Vizekusen“ abzulegen. Gut 1 1/2 Jahre später saß ich gestern in der Kneipe und sah Leverkusener Fußball, der kaum noch etwas mit dem des verdienten Vizemeisters der letzten Saison zu tun hatte. Die beste Entschuldigung für den sehr defensiven Stil der Gäste in der ersten Halbzeit war noch, dass sie nur für Barcelona übten.

Was die Borussia anzubieten hatte erinnerte weder an die letzte Begegnung der beiden Teams in Dortmund noch an den brillanten Fußball, den die Schwarz-Gelben später in jener Saison zelebrierten. Doch es war ein hochverdienter Arbeitssieg, bei dem Einstellung und Engagement stimmten. In der Hinsicht war bezeichnend, dass zur großen Überraschung der Allermeisten Sven Bender bereits wieder in der Startelf stand und neben Sebastian Kehl das Mittelfeld dicht hielt.

Überraschend war auch, wie extrem tief der Vizemeister in der ersten Halbzeit stand. Die Gäste griffen die BVB-Spieler teilweise erst in der Mitte der eigenen Hälfte an und warteten bis zur Dortmunder Führung nur auf Fehler des Gegners. Die gab es durchaus, doch die Leverkusener nutzten die gewonnenen Bälle nicht – wofür auch der aufmerksamen schwarz-gelben Defensive ein Lob gebührt. Die Rückkehr von ‚Manni‘ Bender wirkte sich positiv aus, nur Marcel Schmelzer fiel gegenüber seinen Abwehrkollegen leicht ab und unterstützte offensiv Vordermann Großkreutz weniger als auf der anderen Seite Piszczek Kuba.

Leverkusen vermisste mehrere kreative Spieler – Sam, Barnetta, Derdiyok – und der genesene Renato Augusto wurde nur eingewechselt. Doch die Mannschaft von Robin Dutt hatte immerhin genügend Qualität, um es dem BVB vor dem Tor schwer zu machen. Obendrein fehlte den Schwarz-Gelben gestern vorne lange Zeit die Präzision, beim letzten Pass wurden häufiger als gewohnt falsche Entscheidungen getroffen. So kam es, dass die erste größere Chance – ein Schuss von Großkreutz – bis zur 40. Minute auf sich warten ließ. Fehlendes Abschlussglück war der zweite Grund für die Knappheit des Sieges. Kevin vergab in der zweiten Hälfte noch einen echten ’sitter‘, wie die Engländer sagen würden, und schoss freistehend vor Leno dem Keeper gegen die Beine. Sogar Leverkusens Kießling hätte fast für Dortmund getroffen – sein Kopfball aufs eigene Tor in der 69. Minute war ein echter Abschlussversuch.

Der Dortmunder Einbahnstraßen-Fußball wurde zum perfekten Zeitpunkt kurz vor der Pause belohnt. In Spielen wie dem gestrigen kommt es häufig auf individuelle Geistesblitze der Kreativköpfe an. Es überraschte nicht, dass der entscheidende Einfall von Shinji Kagawa kam, der zurzeit blendend in Form ist und nach dem Spiel zu verstehen gab, dass er sich eine Vertragsverlängerung beim BVB gut vorstellen könne. Der Japaner zog erst nach halbrechts, trickste sich an Linksverteidiger Oczipka vorbei, ehe er im Fallen den Ball ins lange Eck bugsierte.

Die Gäste versuchten in der zweiten Halbzeit, endlich ins Spiel zu kommen. Renato Augusto wurde wie erwähnt eingewechselt und schon zuvor hatte Andre Schürrle mit einem platzierten Schuss Roman Weidenfeller geprüft. Doch Leverkusen gelang wenig, so dass die Partie die Spannung vor allem aus dem knappen Spielstand bezog. Die nicht sonderlich zahlreichen, vergebenen BVB-Chancen trugen zur Anspannung bei. Für ihre abgeklärte Defensivarbeit muss man unserer Mannschaft jedoch ein großes Lob aussprechen, denn der Gegner hatte trotz Verletzungspech noch viel Qualität in seinen Reihen. Letztlich war es ein souveränes 1:0, selbst wenn das paradox klingen mag.

Neben den schon genannten Spielern muss man Kuba und Sebastian Kehl erwähnen. Ersterer setzte seinen Aufwärtstrend fort und war neben Kagawa der Aktivposten, auch wenn nicht alles gelang. Der Kapitän steht unterdessen nach übereinstimmenden Presseberichten kurz vor einer Vertragsverlängerung um ein bis zwei Jahre. Gegen Leverkusen konnte man erneut sehen, warum das eine sehr erfreuliche Nachricht für seinen Verein wäre. Wie schnell es im Fußball mal wieder geht – vor einem Jahr wollten viele (mich ausgeschlossen) den dauerverletzten Kehl noch verabschieden.

Am nächsten Samstag wartet das ‚Heimspiel‘ in Berlin. Zur Personalpolitik von Hertha BSC erübrigt sich eigentlich jeder Kommentar. Die Borussia wird mal wieder auf eine Mannschaft mit neuem Trainer treffen. Es könnte mit Interimsmann Rene Tretschok ein alter Bekannter sein – oder bereits die Dauerlösung, wobei ‚Dauer‘ in Berlin immer ein relativer Begriff ist. Ob der Trainertausch mit Hoffenheim wirklich wahr wird und Holger Stanislawski seinem Nachfolger Babbel nachfolgt, ist noch ungewiss. Manager Michael Preetz wollte den Namen nicht kommentieren. Ob man dem außerhalb von Hamburg-St. Pauli unerfahrenen Stanislawski den Abstiegskampf zutraut und ob der emotionale Trainer sofort eine neue Aufgabe anstrebt, ist schwer einzuschätzen. Hinsichtlich des nächsten Spieltags kann der BVB diese Entscheidung recht gelassen abwarten.

Die Aufstellung: Weidenfeller (7) – Piszczek (7), Subotic (8), Hummels (8), Schmelzer (6) – Bender (7), Kehl (7) – Kuba (7) (86. Perisic), Kagawa (7) (89. Leitner), Großkreutz (6) – Lewandowski (6) (77. Barrios). Tor: Kagawa.

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6 Gedanken zu “Ihr wart mal Stars

  1. Andy

    unglaublich dieser Lauf momentan.. seit 15 Spielen ungeschlagen und im Pokal das nötige Losglück erwischt..

    und wenn man sich anschaut wie Marco Reus momentan spielt kann ichs kaum abwarten ihn im schwarzgelben Dress zu sehen!!!

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  2. Ja, ich kann mich an keine so lange Phase erinnern, während der beim BVB so gut wie alles auf und abseits des Platzes so perfekt lief. Mal abgesehen von den noch zu klärenden Vorkommnissen im Haus von Neven Subotic, wo es derzeit eher nach einer Einstellung des Verfahrens aussieht, wie SpOn berichtet.

    Reus natürlich ebenfalls perfekt, wie er die Schalker schon in der zweiten Minute abschießt.

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  3. vm, aber fürth ist eben fürth und nicht gladbach und nicht bayern und definitiv der einfachste gegner aus dem pott. mir geht diese angst auf den sack. ohne maßvolles selbstvertrauen wären wir nicht auf platz 1, wären wir auch nicht im halbfinale. und das trotz der bislang zugegeben sehr leichten auslosung. der doublesieg führt nur über den bvb

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  4. selbstläufer sind das alles nicht. vielleicht ein spiel gegen den tus rahm, aber dazu wird es eben auch aufgrund der mißlichen lage der dortmunder vorstädter unter coach scheller niemals kommen. jeder verdammte gegner muss besiegt werden. und das geht immer erst nach 90 minuten. stellt anderes licht unter den scheffel, nicht das licht der borussia.

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