Auf ihrem Weg

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1. Bundesliga, 23. Spieltag / BVB 3 Hannover 96 1

Mit Hannover ist das ja so eine Sache. Jahrelang waren sie der Inbegriff einer Durchschnittsmannschaft – einfach, weil sie immer da waren und nie auffielen. Nur der Mann an der Spitze verschaffte nicht nur anderen, sondern auch sich selbst Gehör, indem er die Mehrheit der Fußballfans mit seinen Plänen zur Abschaffung der 50+1-Regel und zur Bestrafung von Pyrotechnikern gegen sich aufbrachte. Nun haben jedoch Trainer Slomka und Sportdirektor Schmadtke die 96er auch sportlich auf einen Weg gebracht, der ihnen mehr Aufmerksamkeit sichern dürfte. Das ist zu begrüßen, denn die Bundesligaspitze sollte kein exklusiver Klub sein, in dem die immergleichen Vereine die Pfründe unter sich aufteilen.

So dürfte das Ende der niedersächsischen Unbesiegbarkeit (die neun Spiele andauerte) nicht das Ende des Weges sein. In Dortmund stand 96 ein Team gegenüber, das seinen Weg ebenfalls unbeirrbar weitergeht. Das sich weder durch die erneute Verletzung eines Schlüsselspielers – Bender musste schon nach neun Minuten mit blutender Nase ausgewechselt werden – noch durch Gequatsche über die Meisterschaft aus der Ruhe bringen lässt. Der BVB zeigte den Gästen am Sonntag, was ihnen noch nach ganz oben fehlt: eine ganzheitliche Offensive, die nicht so sehr von Knipsern abhängig ist.

Hannover verlangte den Schwarz-Gelben einiges ab, agierte über weite Strecken diszipliniert und gab sich nicht auf. Doch ohne die geniale Einzelaktion des Sekunden zuvor eingewechselten Didier Ya Konan wären sie kaum ins Spiel zurückgekommen. Auch ohne Bender stand die BVB-Defensive bis zu jenem Moment sicher und nach vorne sorgten vor allem die drei Polen für spielerischen Glanz. Ohne Zweifel sehen wir zurzeit den besten Kuba in schwarz-gelb. Der Mittelfeldspieler wirkt enorm selbstbewusst, verzettelt sich nicht mehr wie früher, sondern hat zunehmend ein scharfes Auge für die Spielsituation und den richtigen Pass. Mit Lewandowski hatte er einen wieder zielsicheren Vollstrecker vor sich – den ersten Treffer muss man so erst mal machen. Der Dritte im Bunde, Lukasz Piszczek, machte sein bestes Spiel seit langem und war an den ersten beiden Toren beteiligt.

Wenn man etwas kritisieren will, dann dass die linke BVB-Seite erneut deutlich hinter der rechten zurückblieb. Marcel Schmelzer zeigte sich öfter vorne als in den letzten Spielen, trug jedoch bis auf zwei völlig verunglückte Weitschüsse wenig zum Offensivspiel bei und wirkte hinten in ein, zwei Szenen nicht ganz auf der Höhe. Kevin Großkreutz blieb gestern blass – es war seinem Konkurrenten Ivan Perisic vergönnt, in der Nachspielzeit die Partie mit einem Schuss von halbrechts zu entscheiden.

Die Schwarz-Gelben hätten es nach dem Anschlusstreffer der Gäste etwas ruhiger angehen lassen können – so wurde die Begegnung noch mal hektisch und es gab unter anderem die fünfte Gelbe Karte für Kapitän Kehl. Doch das Team von Jürgen Klopp hat sich nichts Ernsthaftes vorzuwerfen. Immerhin traf man auf einen Europa League-Achtelfinalisten, soviel Respekt muss sein. Es gelang ein Arbeitssieg der schöneren Art, der durch die Nachricht versüßt wird, dass sich Sven Bender nichts gebrochen hat und somit aller Voraussicht nach im nächsten Spiel gegen Mainz wieder dabei sein kann. Gut möglich, dass ‚Manni‘ gegen Zidan gebraucht wird.

Die Aufstellung: Weidenfeller (6) – Piszczek (8), Subotic (6), Hummels (7), Schmelzer (5) – Bender (8. Gündogan (6)), Kehl (7) – Kuba (9), Kagawa (7) (87. Perisic), Großkreutz (6) – Lewandowski (9) (77. Barrios). Gelbe Karten: Schmelzer, Kehl. Tore: Lewandowski (2), Perisic

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