Wir spielen Fußball

Standard

1. Bundesliga, 24. Spieltag / BVB 2 FSV Mainz 1

Den Worten des Trainers, nachdem sich plötzlich eine Sieben-Punkte-Lücke zwischen dem BVB und dem FC Bayern auftut, ist nichts hinzuzufügen, eigentlich. Natürlich wird trotzdem über die Tabelle und die Meisterschaft geredet werden, doch die Mannschaft wird hoffentlich der Linie von Jürgen Klopp folgen und das machen, was sie am besten kann.

Es gibt auch unter den BVB-Fans zwei Meinungen darüber, ob man jetzt sagen MUSS, dass wir Meister werden (wollen), damit man sich nicht lächerlich macht. Ich bin nach wie vor der Auffassung, dass wir das nicht nötig haben. Die Mannschaft hat bewiesen, dass sie keine publik gemachten hohen Ziele braucht, um sich Spiel für Spiel motivieren zu können. Für die Borussia gibt es keinen Grund, von diesem Erfolgsrezept abzuweichen. Die Zahlen sind eindeutig – sieben Punkte Vorsprung vor Bayern, 30 Punkte zu vergeben.

Niemand bestreitet, dass die Schwarz-Gelben eine sehr gute Ausgangsposition haben. Im gestrigen Spiel zeigte sich zudem, wie die Mannschaft mit einem Rückschlag – dem zwischenzeitlichen Ausgleich – umgeht. Auch das spricht für sie. Die Mainzer ihrerseits werden in der derzeitigen Verfassung und wenn das Sturmduo Zidan und Szalai zusammenbleibt, nichts mit dem Abstieg zu tun haben. Gestern waren sie lange unterlegener als das Ergebnis aussagt, kämpften sich in der zweiten Hälfte jedoch zurück ins Spiel und sorgten für ein spannendes Finish.

Der BVB hatte das gleiche Problem wie die Bayern in Leverkusen: die Chancenverwertung stimmte nicht. Obwohl die Mainzer für eine Mannschaft ihres Kalibers gut verteidigten und so gut es ging die Räume dicht machten, hatten die Schwarz-Gelben in der ersten Stunde eine Handvoll guter Chancen, die Führung aus der 26. Minute auszubauen. Robert Lewandowski fehlten gestern Glück und Treffsicherheit, er war jedoch wie immer gut ins Offensivspiel eingebunden und wählte die richtigen Laufwege.

Sensationell ist, was sein Nationalmannschafts-Kollege Kuba gerade abliefert. In dessen jetziger Verfassung würde er vermutlich nach Götzes Rückkehr immer noch in der Startelf stehen, ob mit oder ohne Mario. In seiner jetzigen Verfassung und gesetzt, er spielt eine ordentliche Heim-EM, werden im Sommer die ganz großen Angebote für ihn eintrudeln. Es könnte sein, dass er gerade seine Abschiedstournee für Dortmund zelebriert. Kubas Leistung war gestern schlicht großartig – nicht nur sein Tor und seine Offensivaktionen, sondern auch die Balleroberungen weit hinten.

Neben der beeindruckenden kollektiven Mannschaftsleistung, die auch mäßige Auftritte wie den von Schmelzer ausgleicht, ist es für die Borussia wichtig, dass es Automatismen zwischen einzelnen Spielern gibt. Exemplarisch macht das gerade unsere rechte Seite vor. Piszczek und Kuba agieren extrem engagiert und flexibel, sind beide vorne und hinten (und Kuba manchmal auch links) zu finden und gewinnen momentan viele direkte Duelle – auch wenn der Rechtsverteidiger beim Gegentor durch (natürlich) Zidan nicht so gut aussah. Die beiden haben außerdem in Shinji Kagawa eine zentrale Anspielposition, die immer präsent ist. Shinji ist am Ball unberechenbar für den Gegner, doch seine Mitspieler können mit ihm rechnen – natürlich eine perfekte Mischung.

Auch insgesamt ist der BVB für gegnerische Abwehrreihen nicht so einfach auszurechnen. Natürlich ist es theoretisch ein gutes Mittel, gegen schwarz-gelb im Mittelfeld die Räume zu verengen und früh zu pressen – vor allem, da unsere linke Seite zurzeit gegenüber der rechten deutlich hinterherhinkt. Doch wenn dann Mats Hummels punktgenaue hohe Bälle spielt wie gestern zweimal muss man als Gegner wohl akzeptieren, dass die Borussia auf vieles eine Antwort hat. Kehl-Ersatz Ilkay Gündogan hat diese Fähigkeit ebenfalls und zeigte gestern ein sehr ordentliches Spiel.

Wenn die Borussia jede Partie über 90 Minuten dominieren und klar gewinnen würde, wäre auch ich bei fünf bis sieben Punkten Vorsprung weniger vorsichtig, was den Titel angeht. Doch so ist es ja nicht und so kann es auch nicht sein. Die Schwarz-Gelben sind keine elf Messis. Mit etwas mehr Glück und kühlem Kopf in der Schlussphase hätten die Mainzer einen unverdienten Punkt holen können. Bei der Borussia ging da einige Minuten die Souveränität verloren, das erinnerte kurzzeitig an die letzten Minuten in Hannover. Der Wechsel da Silva für Kagawa in der 80. Minute war mir komplett unverständlich. Nicht, dass der noch vor kurzem verletzte Japaner rausging – aber in einer solchen Phase muss ein zweikampfstärkerer Spieler kommen.

Die Borussia hielt dennoch das 2:1, das Kagawa nur drei Minuten nach dem Mainzer Ausgleich erzielt hatte. Diese Mannschaft ist stark genug, um kleine Fehler und Schwächen auszugleichen. Trotzdem wird sie sich noch bis zu zehn Spiele voll konzentrieren müssen. Es wartet bis auf Kaiserslautern (sollten sie ihren Zustand bis zum 33. Spieltag beibehalten) kein Gegner mehr, den man mal so mit links besiegen kann. Auch nicht Augsburg, das haben die letzten Wochen gezeigt. Der BVB ist gut ins Saisonfinale gestartet – nicht mehr und nicht weniger.

Die Aufstellung: Weidenfeller (6) – Piszczek (8), Subotic (6), Hummels (7), Schmelzer (5) – Bender (7), Gündogan (7) – Kuba (10) (72. Perisic), Kagawa (9) (80. da Silva), Großkreutz (7) (90. Owomoyela) – Lewandowski (6). Tore: Kuba, Kagawa

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6 Gedanken zu “Wir spielen Fußball

  1. ui! eine 10 für kuba. und doch wird er wohl gehen. wenn man aber sieht, wie er sich nach seiner öffentlichen beschwerde im vergangenen herbst bewährt hat, ist er auf dem besten weg zum spieler der saison. das ist der spieler, der uns vor jahren versprochen wurde. und das ist der spieler, der mit dem pokalfinale noch eine rechnung offen hat.

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  2. Es war ein innerer Kampf, diese ’10‘. ;-) Aber wenn man auch berücksichtigt, wie Kuba sich Spiel für Spiel noch mal steigert, wie er einfach immer besser wird, ist sie zwangsläufig berechtigt. Wäre natürlich schade, wenn wir diesen Kuba nur eine halbe Saison sehen würden.

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  3. Andy

    Ich denke die Mannschaft fährt gut mit der Taktik die Meisterschaft nicht als Ziel auszugeben.. Im Endeffekt gehts den Medien ja auch nur darum, im Falle eines Versagens, dem Club Vorhaltungen zu machen.. Grosse Kampfansagen bringen keine Punkte, also was solls.. Aussserdem traurig das den Reportern nicht mal was neues einfällt..

    Die Einwechslung von Toni kam auch für mich überraschend, besonders bei dem knappen Spielstand.. Anscheinend war Kloppo komplett von ihm überzeugt und wollte ihn mit einem kurzen Auftritt gegen seinen Ex Club belohnen.. Für Mario Götze wird es richtig schwer sich in die Mannschaft zu spielen, bei dem was Kuba momentan abliefert..
    Es wäre schade ihn nach saisonende ziehen zu lassen, allerdings haben wir im nächsten Jahr ein Überangebot im offensiven Mittelfeld.. Frag mich eh wie der Trainer das lösen will..

    Momentan können wir uns nur selber schlagen. Wir haben gegen top Mannschaften gepunktet und gegen die aus dem unteren Tabellenkeller. Wenn die Einstellung stimmt und wir von Verletzungen verschont bleiben geht die Mannschaft weiter ihn Weg.. Ein weiterer Vorteil ist sicherlich auch das wir gegen die Topteams ausser den blauen Heimrecht geniessen..

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  4. Wenn man davon ausgeht, dass alle fit bleiben, spricht momentan sehr viel für uns. Es bleibt jedoch immer das Risiko, dass es aufgrund dummer Zufälle anders kommt als man denkt – in jedem Spiel. Aber positiv gesehen ist das ja die herrliche Unwägbarkeit des Fußballs. Jedenfalls kann man sich auf die kommenden Wochen nur freuen.

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  5. Claudia

    Ich denke, die 7 Punkte sind ein nettes Polster, wenn es gegen die dicken Brocken BMG, FCB und S04 geht, mehr aber auch nicht. Ich sehe sie keineswegs als Vorentscheidung um die Meisterschaft. Da bleibe ich ganz gelassen. In den nächsen Spielen kann noch so viel passieren. Wie schnell das gehen kann, haben wir ja gerade erst beim FCB erleben dürfen. Keiner von uns hat ne Glaskugel. Ich versuche einfach ruhig zu bleiben und die Jungs machen zu lassen. Und wir werden uns ja nicht verschlechtern. Bald sollte Mario wieder einsatzfähig sein. Bin nur mal gespannt, ob er an Kuba vorbei kommt! Der ist ja der Hammer!! Klopp hat da ein echtes Luxusproblem.
    Und sollte es „nur“ zum zweiten Platz reichen, werde ich ne Nacht nicht schlafen können. Aber dann werde ich immer noch den tröstlichen Gedanken haben, dass wir mit Sicherheit vor S04 landen werden *freu*.

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