In Bayern wie Bayern

1. Bundesliga, 25. Spieltag / FC Augsburg 0 BVB 0

Dortmund spielte gestern wie Bayern. Leider nicht wie der FCB von gestern, der mal eben den Klub von Hoeneß-Freund Dietmar Hopp abschoss, sondern wie der der letzten Wochen. Beim Auswärtsspiel in Augsburg hatten die Schwarz-Gelben fast 58% Ballbesitz, konnten sich jedoch zu wenig Zwingendes erarbeiten und liefen einige Male in gefährliche Konter der Gastgeber. Aus welchen Gründen auch immer waren manche Aktionen zu ungenau und teilweise schlampig ausgeführt.

Öffentlich hatte kaum ein Dortmunder mit einem Spaziergang in der Stadt des Bundesliga-Neulings gerechnet. Ob bei dem ein oder anderen Spieler doch ein unterschwelliges Unterschätzen des Gegners vorlag? Man kann es sich kaum vorstellen, es passt nicht zu dieser Mannschaft. Man muss vielmehr konstatieren, dass der Gegner bis auf den Torabschluss alles richtig gemacht hat und sich klar im Aufwärtstrend befindet. Und dass – Banalität hin oder her – ein  Punkt immer noch mehr als keiner ist.

Der FC Augsburg und Jos Luhukay hatten sich offensichtlich glänzend auf den Besuch des Meisters vorbereitet. Mit viel Laufarbeit, Pressing und enger Deckung des ballführenden und anderer wichtiger Spieler beschränkten die Gastgeber den BVB auf nur zwölf Torschüsse und wenige echte Chancen. Die besten waren die Kopfbälle von Lewandowski (kurz vor der Linie geklärt) und Großkreutz (von Jentzsch mit einer tollen Parade um den Pfosten gelenkt). Shinji Kagawa wurde weitgehend aus dem Spiel genommen, so dass die Borussia aufgrund des qualitativen Ungleichgewichts ihrer Flügel ausrechenbar war. Erneut geschah über links kaum Konstruktives, auf der rechten Seite konnte gestern nur Kuba überzeugen.

Die Schwarz-Gelben hatten trotzdem ihre Momente, einige schnelle Ballstafetten und den einen oder anderen Konter, doch es fehlte an der Präzision der letzten Pässe. Das heißt im Umkehrschluss: die Augsburger Defensive agierte sehr aufmerksam. Und die Gastgeber bewiesen, dass sie auch nach vorne spielen und vor allem kontern können. Zum Glück fehlte auch ihnen die letzte Konsequenz vor dem Tor.

Es war eine spannende Partie mit einem gerechten Ergebnis, qualitativ war sie jedoch nicht hochwertig. Möglicherweise hätte Jürgen Klopp früher den letztes Wochenende überzeugenden Ilkay Gündogan bringen sollen, noch vor Leitner und Perisic. Schiedsrichter Kircher lieferte einen souveränen Auftritt, nur die Gelbe Karte gegen Subotic war leicht überzogen. In der Meisterschaft wird nicht so bald eine Entscheidung fallen – das war Beobachtern mit kühlem Kopf vor dem Spiel ebenso klar wie danach. Nächste Woche kommt Werder Bremen ins Westfalenstadion. Was fast immer für Spannung und große Spiele sorgt.

Die Aufstellung: Weidenfeller (7) – Piszczek (5), Subotic (5), Hummels (7), Schmelzer (5) – Bender (6) (70. Leitner), Kehl (7) – Kuba (7) (86. Gündogan), Kagawa (5) (70. Perisic), Großkreutz (6) – Lewandowski (6). Gelbe Karten: Subotic, Kehl

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8 Gedanken zu “In Bayern wie Bayern

  1. Ich fand die Leistung des Trainers, was die Auswechslungen angeht, noch viel kritikwürdiger. Ein Subotic stand in der ersten Halbzeit derart neben sich, dass JK durchaus zur Halbzeit zwei einen in letzter Zeit unzufriedeneren Santana hätte einwechseln können. Ich glaube, so gibt JK dem Spieler Santana eher das Zeichen, dass die Möglichkeit zu spielen sehr begrenzt sind, was für mehr Unruhe in der Mannschaft sorgen könnte.
    Auch ein in letzter Zeit formschwacher Schmelzer wird Spiel für Spiel aufgestellt, ohne das ein Chris Löwe mal eingewechselt wird.

    Das zum Ende hin dann drei „Sechser“ und kein richtig zentraler Mittelfeldspieler mehr auf dem Platz stand, habe ich dann erst recht nicht verstanden. Aber ich bin auch nicht der Trainer. ;-)

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  2. Ich hatte, wie Stefan zurecht anmerkte, auch mit einem Wechsel zur Halbzeit gerechnet. Zum einen weil Neven schon mit gelb vorbelastet war und zum anderen wegen seiner hohen Fehlpassquote.
    Was den zentralen Mittelfeldspieler betrifft, möchte ich behaupten das sowohl Gündogan, als auch Leitner und Perisic diese Position spielen können.

    Am Ende lässt sich festhalten das einfach nicht mehr drin war. Kagawa wurde in Manndeckung genommen und die anderen Spieler konnten das kreative Loch nicht stopfen. Wie immer ging über links nicht viel und der Platz tat sein übriges dazu.. Dennoch muss man natürlich auch anerkennen das Augsburg an diesem Abend über sich hinaus wuchs und den Punkt mehr als verdient hat.

    Was mir allerdings zu denken gibt, ist das wir generell viel zu wenig gefährliche Zuspiele von der Aussenbahn produzieren. Wenn Schmelle im Spiel eine passgenaue Flanke schlägt kann man schon von Glück reden.
    Weiterhin erzielen wir aus Standards viel zu wenig Tore. Wenn ich bedenke was wir für starke Kopfballspieler haben ist das entschieden zu wenig. Gerade in diesem Spiel wäre eine gelungene Standardsituation gold wert, wenn schon im spiel nichts läuft..
    Letzte bzw. vorletzte Saison hatten unsere beiden Innenverteidiger fast 10 Tore zusammen erzielt.. Diese Saison steht noch bei beiden die null.

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  3. @Stefan: Korrekt. Subotic hat Altherren-Standfußball gespielt und den Ball einfach nur immer wieder hoch nach vorne geprügelt. Und Schmelzer fängt diese Saison an, mir richtig auf die Nerven zu gehen. Irgendjemand muss ihm schnellstens diese Torschussversuche austreiben und Flanken üben lassen.

    Klopp hätte zur zweiten Hälfte an den Stellschrauben drehen müssen. Kagawa war ausgeschaltet, die linke Seite tot, auf der rechten die Polen-Connection auf sich gestellt und in der Mitte immer ein Augsburger zu viel.

    Außerdem hatte ich das ganze Spiel über den Eindruck, „das irgendetwas war“. Als ob intern etwas nicht geradeaus gelaufen sei.

    Keine Frage, Augsburg hat das ausgezeichnet gemacht. Die Mannschaft läuft meiner Ansicht nach schon länger unter Wert, was ihr taktisch kompaktes Auftreten angeht. Und auch der BVB darf mal einen durchwachsenen Tag haben. Zumal wenn man gegen eine Mannschaft spielt, die im Grunde genommen auf dem gesamten Spielfeld Manndeckung spielt.

    Nur: Ich dachte, der BVB könnte mit seinem Spiel variabler antworten. Zumindest am Samstag war das nicht der Fall.

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  4. Le Karl: „Irgendwas war“ – Auch wenn Nick es abstreitet: Die Mannschaft war in Gedanken bereits beim Bremen-Spiel. Und dann war es nicht so einfach, sich auf das eigentliche Spiel zu konzentrieren. Schade. Aber keine Niederlage. Und somit auch okay.

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  5. @Stefan, Andy, le karl: Innenverteidiger werden ja generell nicht so schnell ausgewechselt wie offensivere Spieler. Ich denke, das ist auch ok so. Wenn, dann sollte man Santana mal ein ganzes Spiel machen lassen. Subotics Fehlpässe – das bezieht sich wohl vor allem auf die hohen Bälle, die er so gerne schlägt, oder? Das hat er in den letzten Spielen auch schon gemacht. Da ist Hummels einfach besser.

    Löwe mal für Schmelle bringen, von mir aus auch während des Spiels, das würde ich eher unterstützen. Allein schon wegen den von Andy angesprochenen, zuletzt ungefährlichen Standards.

    @Dembowski: Dann ist ja das Schützenfest nur um eine Woche verschoben.

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  6. Das ist hier ja mal ein schöner Anlass über Klopps Wechselpolitik zu reden.
    Die Erfolge und die gesamte Entwicklung der letzten Jahre geben dem Trainer
    mit seinem grundsätzlichen Vertrauen in die Stammelf und den i.d.R. wenigen
    Wechseln natürlich recht.
    Zur Weiterentwicklung der Mannschaft wird über kurz oder lang aber sicher
    mehr Variationen und Wechsel nötig sein. Auch wenn das in Zukunft mal
    einen Sieg kosten könnte! Barrios, Santana, Perisic, Löwe, Leitner…
    lassen sich trotz aller Erfolge ohne Einsatzzeiten sicher nicht Jahr um Jahr halten.
    Und dann kommt ja erfreulicherweise auch noch Reus!
    Stellt sich die Frage: Ist es für mehr Variation noch zu früh? (Championsleague
    wir kommen wieder)
    Die Verletzungsbedingten Wechsel in den letzten Wochen haben ja eigentlich ganz gut funktioniert. Leider habe ich das Augsburg-Spiel nicht sehen können, aber vielleicht war dies ja wirklich mal ein Spiel, in dem zumindest ein „Bankdrücker“ von Beginn an oder zumindest ein früherer Wechsel sinnvoll gewesen wäre. Hier finde ich Klopp mit seinen Wechseln in der 80. Minute
    manchmal etwas übervorsichtig.

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  7. Was mich am Wochenende so richtig wütend gemacht hat, sind nicht die beiden Punkte, die der BVB in Augsburg hat liegen lassen. Nein, der FCA hat richtig gut dagegengehalten und wir hatten Glück, keinen Gegentreffer gefangen zu haben.
    Ich ärgere mich vielmehr schwarz, dass in der BuLi Vereine mitspielen dürfen, die noch nicht mal einen Versuch unternehmen, am sportlichen Geschehen auf dem Platz teilzunehmen. Die keine Gegenwehr leisten, die sich einfach abschlachten lassen. Ich meine natürlich Hoffenheim. Das war einfach nur eine Unverschämtheit!
    Da hilft der Hopp, seinem Männerfreund H. aus M., dessen Mannschaft aufzubauen, nachdem der in den vergangenen Wochen doch arg geschwächelt hat. Keine Ehre, keinen Anstand im Leib.

    Zu Neven. Ein Verteidiger hat zu verteidigen, keinen Treffer des Gegner zuzulassen. Banal, aber manche Dinge sind sehr einfach, zumal im Fußball. Der BVB hat zu Null gespielt. Wo ist das Problem? Ich verstehe nicht viel von Taktik. Ich verstehe aber doch soviel, als dass ich weiß, dass auch der BVB mit Mittelfeldspielern aufläuft, die eigentlich die Lücke zwischen Abwehr und Sturm schließen sollen. In Augsburg gelang das am WE nicht besonders gut. Sich jetzt einen rauszupicken und als Sündenbock hinzustellen, ist arg schwach. Andere reden sich in so einer Situation mit „Fieber“ raus. Zum Glück hat Neven genug Ar*** in der Hose, dass er das nicht nötig hat. Er hat schwach gespielt. Punkt. Mund abputzen, nächstes Mal besser machen. So, genug geärgert. Ich freue mich auf das Spiel gegen Bremen. Wer noch?

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  8. Das war in der Tat peinlich, wie die Bayern-Tore teilweise fallen konnten. Auch Torwart Starke hat vermutlich eines seiner schwächsten Spiele für Hoffenheim gemacht und trotzdem noch mehr Tore verhindert. Andererseits relativiert sich die Höhe der Pleite dadurch, dass sich jetzt auch die Basler sieben Treffer in München eingefangen haben. Die Bayern sind zurück, nachdem sie sich eine Auszeit genommen hatten – was anderes war auch nicht zu erwarten. Wer jetzt einen zweistelligen Sieg von ihnen in Berlin erwartet, liegt aber mit Sicherheit auch falsch.

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