Dortmund konzentriert sich auf Punktedifferenz

Standard

1. Bundesliga, 26. Spieltag / BVB 1 Werder Bremen 0

Das war kein Spiel für schwache Nerven. Doch drei Punkte sind drei Punkte. Und der Verfolger lässt nach: Bayern muss sich in Berlin mit sechs Toren zufriedengeben. Als nicht-bloggender Fan könnte ich mich nach einem anstrengenden Nachmittag mit diesen einfachen Gedanken begnügen, doch die Chronistenpflicht ruft und die erfülle ich gerne.

Es war ein Rekordspiel für den BVB. Die Schwarz-Gelben blieben zum zwanzigsten Mal in Folge in der Liga ungeschlagen. Vereinsrekord. Doch die Spannung bis zum Schluss war schon lange nicht mehr so unnötig wie heute. Werder sah in der ersten Hälfte überhaupt kein Land. Die Gäste stellten bedingt durch die Ausfälle erneut eine extrem junge Mannschaft auf, die jedoch aufgrund des aggressiven Dortmunder Pressings und eigener Fehlpässe kaum ins Spiel fand und sich daher weit zurückzog. Und es dauerte nur acht Minuten, bis sich der Druck am Ende eines mustergültigen Angriffs auszahlte. Weidenfeller hatte nach einer Bremer Ecke schnell abgeworfen, Lewandowski zum erneut überzeugenden Kuba gepasst. Der gab weiter zu Großkreutz, der wiederum flankte an den langen Pfosten zu Gündogan, der legte quer auf Kagawa, der traf mit dem Kopf.

Nach dem souveränen Auftakt deutete alles auf einen Dortmunder Spaziergang hin. Die Gäste fanden weiterhin kein Mittel gegen den Meister, nur Mehmet Ekici und Torwart Mielitz wirkten den Schwarz-Gelben gewachsen. Zur Halbzeit hätte die Führung bereits höher sein müssen. Mielitz lenkte einen Schuss von Kagawa an den Pfosten, Kehl traf nach der einzigen gelungenen Offensivaktion von Schmelzer mit einem Kopfball die Latte. Kuba, Lewandowski und Gündogan scheiterten ebenfalls mit ihren Versuchen. Trotz des knappen 1:0 schien es zur Pause weiterhin nur eine Frage der Zeit bis zum zweiten Dortmunder Tor zu sein.

Die zweite Halbzeit zeigte jedoch leider, dass sich die Borussia – wie schon seit einigen Wochen – schwer tut, ein Spiel klar zu machen. Man ließ die Bremer nun ins Spiel kommen und konnte den entstehenden Raum zu selten nutzen. Um es deutlich zu sagen: der BVB blieb die überlegene Mannschaft und ließ defensiv wenig zu. Das war vor allem das Verdienst zweier gut aufgelegter Innenverteidiger. Chancen gab es ebenfalls noch die eine oder andere: Kagawa verzog knapp, Piszczek scheiterte mit einem Solo, Gündogan schoss knapp neben das Tor. Doch die fehlende Effektivität gegen eine hoffnungslos unterlegene Bremer Elf machte nachdenklich, kostete Nerven und sorgte dafür, dass nach dem Schlusspfiff vor allem Erleichterung herrschte.

Torchancen nicht zu nutzen, das kann passieren. Im Hinblick auf die nächsten Spiele sollten dennoch Lehren und Konsequenzen aus der Partie gezogen werden. Die Standards der Borussia sind seit geraumer Zeit bescheiden. Das hat man exemplarisch am Versuch einer Freistoßvariation in aussichtsreicher Position gesehen. Subotic schickt Perisic weg, der schießen wollte. Dann tippt er den Ball ungenau zu Kuba, der abzieht und die Kugel voll in die Mauer donnert. Es war ein spekulativer Freistoß, der mit Glück auch mal ins Tor gehen kann – doch aus der Position hätte ein guter Schütze wie Perisic möglicherweise mehr machen können. Es ist mir jedenfalls ein Rätsel, warum der ansonsten sehr gute Subotic immer wieder Freistöße schießen darf.

Jürgen Klopp reagierte erst eine gute Viertelstunde vor Schluss mit einem Doppelwechsel auf die anschwellende Harmlosigkeit der Borussen. Der ging personell in Ordnung – Bender kam für Gündogan, der in der Startelf den Platz von ersterem eingenommen und überzeugt hatte, Perisic für Großkreutz. Doch der Trainer hatte erneut zuviel Geduld mit dem linken Flügel. Jeweils eine gute Aktion von Schmelzer und Kevin reichen über 75 Minuten nicht aus. Vor dem schweren Pokal-Halbfinale am Dienstag wäre eine gute Zeit, sich ernsthaft Gedanken über Veränderungen zu machen.

Die Bedeutung des Spiels könnte Klopp jedoch davor zurückschrecken lassen. Und tatsächlich wird von der Begegnung einiges abhängen. Ziehen die Schwarz-Gelben gegen die zusammen mit Eintracht Frankfurt zurzeit die zweite Liga dominierenden Fürther ins Finale ein, dann kann der Saison-Endspurt kommen. Die Partie heute hat drei Punkte gebracht – für den weiteren Saisonverlauf dürfte trotzdem der Dienstag entscheidender sein.

Die Aufstellung: Weidenfeller (7) – Piszczek (7), Subotic (8), Hummels (8), Schmelzer (5) – Gündogan (7) (74. Bender), Kehl (6) – Kuba (7) (90. Owomoyela), Kagawa (7), Großkreutz (5) (74. Perisic) – Lewandowski (6). Gelbe Karte: Piszczek. Tor: Kagawa

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4 Gedanken zu “Dortmund konzentriert sich auf Punktedifferenz

  1. Letzte Woche war es Neven Subotic, den ich kritisieren musste. Heute ist es Perisic. Die Art und Weise, wie er sich unter der Woche zu einem Platz in der Anfangsformation äußerte, ist schon kritikwürdig genug. Aber wie er dann heute bei der Freistoßsituation wie ein Rohrspatz schimpfte, fand ich arg bedenklich. Mal abgesehen, dass er nach seiner Einwechslung keine Impulse ins Spiel brachte, bringt er sich auch in der Mannschaft mit solchen Aktionen ins Abseits. Das sah man auch an Klopps entnervten Abwinken, nachdem Perisic zum Trainer rannte um sich bei ihm über die Situation beim Freistoß zu beklagen. Jedenfalls habe ich das Abwinken von Klopp so interpretiert.

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  2. Andy

    Ich hätte mir auch gewünscht das wir in der ersten Halbzeit den Sack schon zu machen, dann wären schon zum zweiten Durchgang einige Wechsel denkbar gewesen. Als Fan war das Spiel wieder unnötig Kräfte zehrend, obwohl man auch festhalten muss, das unsere Jungs die Ergebnisse in dieser Saison auch meist über die Zeit bringen. Wirklich gefährlich wurde Bremen zum Glück nie.
    Was mich auch gewundert hat am gestrigen Spiel ist das Lewandowski ziemlich blass blieb und sich kaum Chancen erarbeitete. Hervorzuheben waren besonders die beiden IV, besonders Neven hatte einige gute Tacklings.
    Auch Gündogan fügte sich bis auf ein paar Fehlpässe gut ein und brachte einige lobenswerte Zuspiele an den Mann.

    Was Perisic betrifft: ich kann seinen Unmut voll und ganz verstehen. Nichts gegen Kevin, aber wie viele Spiele hat er über die volle Zeit bestritten und blieb dabei blass. In der nächsten Woche stand er trotzdem wieder in der Startelf. Auch um Kevins Leistung voranzubringen hätte ich mir hier ein paar häufigere Wechsel gewünscht. In den 10 min. in den Perisic auf dem Platz steht kann er dann kaum mehr was reissen. Ich würde ihn gern mal drei vier Spiele von Anfang an sehen. Man hört immer nur wie sehr er sich im Training aufdrängt aber schlussendlich sitzt er dennoch wieder auf der Bank.

    Mal abgesehen davon bringt es natürlich nichts seinen Frust öffentlich zu äussern und die Aktion gestern hat ihm sicher auch keine Punkte gebracht!

    btw, nimmt Mario eigentlich schon wieder am Mannschaftstraining teil?

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  3. @Stefan: Kann ich nur bedingt zustimmen, da ich ja selber Nevens Freistöße nicht mehr sehen mag. ;-) Er hat gestern wirklich ein gutes Spiel gemacht und eine Reaktion auf die schwächere Augsburg-Partie gezeigt. Aber vom Freistoß soll er die Füße lassen und lieber im Strafraum auf die Gelegenheit zum Kopfball oder Abstauben warten. Angesichts der zuletzt harmlosen Standards sollte es klare Absprachen über die Schützen geben – dann hätte Perisic auch keinen Grund zum Meckern gehabt. Dass das trotzdem kein guter Stil ist – zum Trainer laufen und motzen – steht außer Frage.

    @Andy: Mario kommt in den nächsten Tagen erst zurück nach Dortmund und soll dann wieder mit dem Ball trainieren. Das komplette Mannschaftstraining wird er aber wohl noch nicht mitmachen.

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  4. Da gebe ich Dir Recht, Nick. Gerade die Freißstöße sollte ähnlich mal jemand schießen, der mehr Gefühl im Fußgelenk hat als Neven.

    Besonders zustimmen möchte ich Andy. Klar ist es frustrierend zu sehen, dass selbst schwache Leistungen von Kevin nicht reichen, um selbst zu spielen. Da würde ich sich ja ein Pokalspiel gerade zu anbieten. Wenn es nicht gerade das Halbfinale wäre.
    Ich bin mir jedoch sicher, dass Klopp auch diese Situation zugunsten des BVBs meistern wird.

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