Diesmal zittern sie vor Ilkay

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1. Bundesliga, 29. Spieltag / VFL Wolfsburg 1 BVB 3

Ein gutes Jahr, nachdem Nuri Sahin mit einem herrlichen Tor den Grundstein für den ersten BVB-Sieg in der Arroganz-Arena legte, kommt sein vermeintlicher Nachfolger genau rechtzeitig in Topform. Ilkay Gündogan mochte zurecht nie die Schuhe von Nuri tragen, die ihm manche Beobachter verpassen wollten. Doch beim verdienten Auswärtssieg in Wolfsburg kam er seinem Vorgänger im zentralen Mittelfeld schon sehr nahe.

Gündogans immer präziser werdende Pässe, seine steigende Torgefahr und die verbesserte Zweikampfführung erinnern ebenso an Sahin wie das Zusammenspiel mit dem offensiveren Mittelfeld-Pendant. Die Doppelgefahr, die in der vergangenen Saison Nuri und Mario ausstrahlten, kommt derzeit von Ilkay und Shinji. Denn auch der Japaner zeigte gestern vor allem in der ersten Hälfte eine tolle Partie. Traumhaft war sein vorbereitender Pass zum 1:0, als er mit dem Außenrist Perisic bediente, der dann von links gut getimet Lewandowski fand.

Sehr positiv zu bewerten ist, dass sich die Chancenverwertung in den letzten drei Spielen verbessert hat. Sicher, auch gestern hätten Lewandowski und Kagawa freistehend treffen müssen, auch gestern hatten die Schwarz-Gelben bei Kubas Lattentreffer Pech. Doch das erzwungene 2:0 ist ein Beispiel für den unbedingten Willen zum Tor, der den BVB auszeichnet: da reklamiert Kuba nicht, als er im Sechzehnmeterraum zu Fall kommt (in einer anderen Szene hätte die Borussia sogar einen Elfmeter bekommen müssen), sondern spitzelt den Ball noch in die Mitte, wo Gündogan lauert. Der bekommt das Leder mit Glück und Geschick schön auf den rechten Fuß platziert und zirkelt es in die rechte Ecke. Nuri lässt grüßen.

Die im Verhältnis zu den Chancen erhöhte Torquote ist jedoch im Ligaendspurt auch essenziell. Denn die BVB-Abwehr hat die lange Zeit fantastische Stabilität ein wenig eingebüßt. Man darf die Situation auch nicht dramatisieren – vor allem die Innenverteidigung braucht sich vor keiner Konkurrenz zu verstecken und die letzten beiden Gegner hatten offensiv einiges zu bieten. Doch fehlerlos kommt die Viererkette derzeit eben selten durch eine Partie – umso wichtiger, dass vorne mindestens drei von vieren regelmäßig brillieren.

Wolfsburg trat gestern wie eine Heimmannschaft auf, verteidigte hoch und trug dazu bei, dass es trotz einer durchschnittlichen Zahl von Torgelegenheiten eine ansehnliche Partie war. Man konnte durchaus erkennen, dass sich Felix Magath einige technische Könner zusammengekauft hat – phasenweise lief der Ball sehr flüssig durch die Reihen der Gastgeber. Auch die Wolfsburger scheiterten zweimal frei vor dem Tor, auch Roman Weidenfeller musste zweimal klären. Letztendlich reichte es für die Wölfe nur zu einem Tor, als Schmelzer und Perisic eine Dejagah-Flanke von rechts nicht verhinderten und Mandzukic am Fünfmeterraum frei zum Kopfball kam. Das Problem der bunten Magath-Truppe war wie erwartet die Defensive und der Knacks, den die Mannschaft nach dem Rückstand vorübergehend erlitt.

Ivan Perisic spielte beim BVB gestern zum ersten Mal seit langem von Beginn an. Seine Leistung war wenig überraschend: er zeigte seine Offensivqualitäten bei der Vorbereitung des 1:0, er ist defensiv nicht über jeden Zweifel erhaben und er tauchte phasenweise unter. Alles in allem ein ordentliches Spiel von ihm, doch vieles dürfte am Mittwoch für einen erneuten Wechsel auf der linken Seite sprechen – obwohl Kevin Großkreutz nach seiner Einwechslung in Wolfsburg nicht gerade überzeugte. In echter Topform präsentieren sich weiterhin Kuba und – wie schon angesprochen – Ilkay Gündogan, der gestern nicht ausgewechselt wurde. Dafür kam zehn Minuten vor Schluss Leitner für Kagawa und zeigte, dass man auf unsere Bank setzen kann. Er eroberte vor dem entscheidenden 3:1 den Ball, den Lewandowski im Anschluss toll über Torwart Benaglio lupfte.

Nach dem erwarteten, jedoch unerwartet knappen Sieg der Bayern gegen Augsburg steht nun also der Showdown vor der Tür. Endspielstimmung in den Medien, obwohl es doch allenfalls ein vorentscheidendes Spiel ist, das am Mittwoch um 20 Uhr in Dortmund ansteht. Man muss allerdings zugeben, dass die Spielplanverantwortlichen doch nicht so falsch gelegen haben mit der Ansetzung. Egal was unter der Woche passiert – es scheint für den BVB kein Nachteil zu sein, dass am Samstag das Derby ansteht. Und ich muss selbst zugeben, dass ich gegen Bayern wieder ein spannendes, großes, möglicherweise episches Spiel erwarte. Der BVB ist bereit.

Die Aufstellung: Weidenfeller (8) – Piszczek (6), Subotic (6), Hummels (7), Schmelzer (7) – Gündogan (9), Kehl (7) – Kuba (9) (87. Owomoyela), Kagawa (8) (81. Leitner), Perisic (7) (69. Großkreutz) – Lewandowski (8). Gelbe Karten: Subotic, Kehl. Tore: Lewandowski (2), Gündogan

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8 Gedanken zu “Diesmal zittern sie vor Ilkay

  1. Andy

    treffend formuliert, besten dank dafür..

    Kevin konnte in der Tat keine Eigenwerbung betreiben, das Einzige was für ihn spricht ist die Tatsache das Klopp dem Spiel die nötige Portion Agressivität und Kampf verleihen möchte.. Kein anderer ist so prädestiniert dafür wie Kevin.
    An Perisic gabs nicht viel auszusetzen, 9 von 10 Zweikämpfen gewonnen ist mal ne Ansage.

    Was mich wirklich völlig verblüfft hat ist die Tatsache das bei dem Foul im Strafraum, ich glaube an Lewandowski, im nachhinein kein Elfmeter gepfiffen wurde. zum Glück keine Spielentscheidene Szene.

    Weiterhin freut es mich wie Ilkay momentan aufblüht.. das Tor in Fürth hat ihm viel Selbstvertrauen gegeben..

    Mittwoch steht für mich der erste Besuch im Signal Iduna Park an. Was kann es da besseres geben als ein Duell gegen die Bayern!?
    Bin gespannt ob es wirklich ein großes Spiel wird oder eher ein Taktik Geplänkel.. Kanns kaum erwarten:-)

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  2. Auch die Benotungen sind passend verteilt. Besonders freut mich, daß Schmelle langsam wieder an seine letztjährige Form anschließen kann. Ich denke, Schmelle und Kevin werden am Mittwoch abend wieder jeder ein Riesenspiel abliefern. Und ja: Ilkay ist nicht Nuri, aber er hat inzwischend die passende „Schuhgröße“ erreicht. Der Gegner hat ein gutes Recht, zu zittern! Wunderbar.

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  3. Frohe Ostern allerseits!

    @Andy: Das erste Spiel in Dortmund, da könnte man sich sicher etwas Langweiligeres vorstellen. Ein tristes 0:0 gegen Stuttgart auf der Nordtribüne hinter dem Zaun etwa. ;-)
    Genau, den Elfmeter für Lewandowski hätte es geben müssen. Dafür gibt es tatsächlich noch Bayern-Fans, die glauben, der FCB werde gegenüber dem BVB in dieser Saison von den Schiedsrichtern benachteiligt.

    @camphansen: Genau das ist auch meine Hoffnung, dass Schmelle und Kevin gegen Bayern wieder über sich hinauswachsen. Ansonsten spräche einiges für Perisic.

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  4. Sie werden! Ich bin mir absolut sicher. Aber ich gehe auch davon aus, daß es ein Abnutzungskampf wird. Sichere Defensivstaffeln und nach vorne die Hoffnung auf den einen Versuch, der durch kommt. Ähnlich dem Spiel der Hinrunde mit dem Geistesblitz von Mario.

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  5. Rüdiger

    Aus meiner Sicht wird Jürgen Klopp nicht nur Kevin für Ivan aus den genannten Gründen bringen, sondern auch Manni für Ilkay. Grund: Im HInspiel war es vor allem Manni, der horizontal stark gearbeitet hat und die Bayrischen Kreativspieler in den Wahnsinn getrieben hat.

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  6. @Rüdiger: Du hast schon recht, Manni hat im Hinspiel hervorragend gespielt. Klopp wird aber sicher auch die aktuelle Form bei der Aufstellung berücksichtigen.

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  7. Manni doch eher für Kehl, oder? Ilkay – sofern nicht verletzt oder angeschlagen – kann zur Zeit kaum auf der Bank Platz nehmen. Wir wollen doch auch in der 20. Minute einen schönen Schlenzer aus der Distanz sehen ;)

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