Eine schriftliche Verneigung

1. Bundesliga, 31. Spieltag / FC Schalke 1 BVB 2

Borussia Dortmund siegt auch in einem intensiven Derby und steht dicht vor dem erneuten Gewinn der deutschen Meisterschaft. Um das mal ganz nüchtern vorwegzuschicken. Und das war so an diesem Wochenende nicht unbedingt zu erwarten, obwohl es natürlich die Hoffnung auf einen Derbysieg gab und ich wie schon erwähnt überzeugt bin, dass es das richtige Spiel zu diesem Zeitpunkt war.

Die Mannschaft der Borussia hat innerhalb von drei Tagen zwei Topspiele gewonnen, beide Gegner in dieser Saison zweimal geschlagen und den Vorsprung an der Spitze auf acht Punkte ausgebaut. Das ist schlicht sensationell und war eine Energieleistung, die allerhöchsten Respekt und Bewunderung verdient. Denn medial stand die enge, bis zum Schluss umkämpfte Partie gegen die Bayern im Mittelpunkt und das Derby eher im Hintergrund. Ich hatte gehofft, dass die Spieler sich davon würden freimachen können und es gelang gut.

Es war jedoch – nicht unerwartet – eine schwerere Geburt als der Hinrundensieg. Selbstverständlich wollten die Gastgeber nicht nur den, sondern auch das schwache Auftreten unter der Woche in Nürnberg wiedergutmachen. Ob es auch an der Platzqualität oder vor allem an den kämpferischen und läuferischen Qualitäten des Gegners lag, sei mal dahingestellt – doch die Borussia musste richtig dagegenhalten und kam in der ersten Hälfte nur zu wenigen Chancen. Mit den Mitteln, die man gegen den BVB anwenden muss, aggressives Pressing, viel Laufarbeit bei gleichzeitiger Wachsamkeit in der Defensive, hielt der S04 das Spiel offen und hatte zeitweise ein leichtes Übergewicht. Doch herausgespielte Chancen waren nach Benders Schuss auf Unnerstall in der Anfangsminute auf beiden Seiten selten.

Das Mittel, um bei dieser Spielkultur und auf diesem Platz zu Gelegenheiten zu kommen, waren Standards. Wie schon der FC Bayern hatten die Schalker deutlich mehr Ecken als der BVB, doch die Schwarz-Gelben verteidigten die im Großen und Ganzen gut – die Ausnahme resultierte im 0:1. Farfan kam zu frei zum Schuss – Großkreutz konnte ihn nicht entscheidend stören -, doch es war auch eine Menge Pech dabei, als Kagawa den Ball mit dem Kopf ins linke Toreck ablenkte. Weidenfeller hätte sonst sicher gehalten. Die Borussen reagierten positiv auf den Rückstand und schon in der 17. Minute gelang der Ausgleich, ebenfalls nach einer Ecke. Lukasz Piszczek machte das großartig, ließ den Ball von der Brust abtropfen und traf aus spitzem Winkel ins lange Eck. Es ist besonders schön, dass sich gestern mit Piszczek und Sebastian Kehl zwei Spieler mit Toren belohnten, die das nicht häufig tun und dennoch integraler Bestandteil dieser Beinahe-Meistermannschaft sind.

Häufig erwähne ich den Schiedsrichter einer Partie gar nicht, wenn es nichts Größeres auszusetzen gibt. Manchmal lobe oder verteidige ich ihn sogar, wie Knut Kircher am Mittwoch. Mit Manuel Gräfe war das gestern seltsam. Einige große Entscheidungen traf er richtig. Das Laufduell Piszczek gegen Jones war nicht mehr als ein Zweikampf mit etwas Körperkontakt und beim vermeintlichen Foul von Schmelzer an Huntelaar im Strafraum drängt sich der Holländer Schmelle förmlich auf, um dann zu fallen. Bei anderen Pfiffen von Gräfe blieb man jedoch mit offenem Mund sitzen und konnte sich nicht mal mehr aufregen vor Erstaunen. Viele Zweikämpfe schätzte der Offizielle falsch ein, häufig zuungunsten des BVB. Immer wieder verblüffend ist beispielsweise, wie viele Stürmerfouls gegen Robert Lewandowski gepfiffen werden.

Zum Glück waren keine spielentscheidenden Fehler dabei und so konnte die Borussia die Partie selber entscheiden. Passenderweise war es der Ex-Borusse und Held von 2007, Christoph Metzelder, der den Ball nach einer Ecke mit dem Arm für Sebastian Kehl vorlegte, der das Leder ins Tor stocherte. Zuvor hatten die Schalker nach Wiederanpfiff noch zwei, drei Gelegenheiten gehabt, nach der Dortmunder Führung kam kaum noch etwas. Das erneute Drehen einer Begegnung sorgte für die nötige Souveränität, so dass der Derbysieg am Ende nicht unverdient war. Die drei Punkte waren gestern in erster Linie der Defensive zu verdanken, aber das ist auch eine Qualität des BVB – diese Ausgeglichenheit. Die Tatsache, dass jeder wichtig ist und sich zugehörig fühlt. Noch vor kurzem hatte man ja denken können, die schwarz-gelbe Abwehr lasse ein wenig die zuvor enorme Stabilität vermissen.

Mit der Saison der Borussia kann man schon jetzt überglücklich sein. Die fast sichere Meisterschaft war nicht zu erwarten. Zwei Derbysiege und zwei weitere Erfolge gegen die Bayern auch nicht. Auf ein Weiterkommen in der Champions League konnte man hoffen, jedoch nicht davon ausgehen. Die Schwarz-Gelben werden früher oder später den Meistertitel klarmachen. Möglicherweise am Samstag gegen Gladbach, möglicherweise werden das schon zuvor die Bremer für uns erledigen. Wenn das Pokalfinale verloren gehen sollte, wäre das sehr schade, weil der BVB zum ersten Mal das Double holen könnte. Es wäre jedoch trotzdem eine überwältigende Saison gewesen. Alle Beteiligten haben hervorragende Arbeit geleistet. Auch wenn noch nichts fix ist – dafür müssen wir Fans uns bedanken. Das war super!

Die Aufstellung: Weidenfeller (7) – Piszczek (7), Santana (8), Hummels (8), Schmelzer (7) – Gündogan (7), Bender (6) (46. Kehl (8)) – Kuba (6) (81. Perisic), Kagawa (5), Großkreutz (5) (89. Owomoyela) – Lewandowski (6). Gelbe Karten: Kehl, Schmelzer. Tore: Piszczek, Kehl

Advertisements

4 Kommentare

  1. Der Teufel ist ein Eichhörnchen, weshalb der BVB, wie auch schon letzte Saison, sehr gut damit fährt, den Ball flach zu halten. Was er auch tut. Was ebenfalls klar ist: Diese Saison toppt komplett die letzte (von der CL abgesehen). Als ob ein Superlativ für den Superlativ erfunden worden wäre.

    Wg. Schiri: Seh ich genauso. Glücklicherweise kein Fehlgriff bei den großen Entscheidungen, viel Schieflage bei den „kleineren“. Fuchs hätte gelbrot bekommen MÜSSEN, normaler Körpereinsatz wurde zu oft falsch bewertet.

    Egal.

    Ich mach’s wie Klopp und die anderen: Ich denk von Spiel zu Spiel.

    („We have another grandios Saison gespielt“)

    Gefällt mir

  2. Jedenfalls ist Hoeneß reichlich sauer ist, weil es im zweiten Jahr mit der Meisterschaft für den FC Bayern nichts wird. Und er nimmt den BVB für voll.

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s