Bayern holt Dortmunder Meistertrainer

Der FC Bayern setzt zukünftig auf schwarz-gelbe Kompetenz und hat den BVB-Meistertrainer von 2002, Matthias Sammer, als neuen Sportdirektor verpflichtet. Die überraschende Ablösung von Vorgänger Christian Nerlinger stand scheinbar bereits seit Mai fest, wurde jedoch absichtlich nicht im Vorfeld oder während der EM bekanntgegeben. Als Grund für die Trennung nannte der Verein „unterschiedliche Auffassungen über das Konzept für die Zukunft der Mannschaft.

Dass das nur ein Grund neben dem offensichtlichen – den fehlenden Titeln – sein kann, dürfte klar sein. Gibt es tatsächlich unterschiedliche Auffassungen zwischen Sammer und Nerlinger hinsichtlich der Ausrichtung des Vereins und wenn ja, welche? Möglicherweise streben die Vereinsoberen, zuvorderst Uli Hoeneß, eine Wende in der Transferpolitik an, zurück zu den klassischen Führungsspielern, die auch Sammer immer wieder fordert. Spielen bald wieder Raubeine wie Mark van Bommel bei den Bayern, Typen, die auch mal jemand umhauen, wenn es nicht läuft? Solche ‚Tugenden‘ werden ja im Zuge des erneuten deutschen Ausscheidens gegen Italien bei der EM auch von Löws Nationalspielern allen Ernstes gefordert.

Neben diesen neuen, alten Denkmustern, die für Sammer sprechen, könnte jedoch schlicht dessen Kompetenz auf einem anderen Feld ausschlaggebend sein. Trotz der gelegentlichen Differenzen mit der Führungsriege der Nationalmannschaft war man beim DFB schließlich sehr zufrieden mit Sammers Konzepten für die Nachwuchsarbeit. Vom neuen Sportdirektor erwartet die Bayern-Führung also gleichzeitig die Rückkehr des Sieger-Gens und eine bessere Förderung jüngerer Spieler. Ob der Neue auf dem Transfermarkt ebenfalls kompetenter ist als Nerlinger, muss sich jedoch erst erweisen. Abzuwarten bleibt auch, wie sich die berühmte Chemie zwischen den Entscheidern entwickelt. Nach dem Hoeneß-Freund Heynckes und dem unerfahrenen Nerlinger haben sich die Bayern mit Charakter-Sturkopf Sammer wieder einen genau gegenteiligen Typen geangelt.

Advertisements

4 Kommentare

  1. Da war ich erst vor fünf minuten auf Deinem Blog. Wollte noch das neue design loben, bin dann aber abgehauen, weil Du nicht über „Führungsspieler“ reden wolltest. Kehrte nochmal zurück, und jetzt tust Du es doch. Ich finde es ehrlich gesagt nur zum Kopfschütteln, wie von Günter Netzer über Thomas Helmer bis hin zu Sammer jetzt lautstark nach Leuten gerufen wird, die „auch mal einen umhauen“. Sind denn Xavi und Iniesta „Führungsspieler“ a la Kahn oder Effenberg? Kann man zwar dicht wirklich vergleichen, da die Spanier eben einen anderen Fußball spielen, aber dennoch..

    Zu Sammer: War der nicht am Ende der Ära van Gaal schon als neuer Bayern-Trainer im Gespräch? Der Vorstand mußte natürlich nach den beiden Spielzeiten was tun und Sammer gegen Nerlinger zu tauschen war da jetzt eigentlich auch naheliegend. Wie du schon sagst: Das Zusammenspiel mit Heynckes wird interessant.

    Gefällt mir

  2. Da sind wir ja sehr ähnlicher Auffassung. Genau deshalb hatte ich ursprünglich keine Lust auf diese Diskussion – weil da an vielen Stellen ernsthaft über diese altbackenen Konzepte diskutiert wurde. Und das nur wegen der Nationalmannschaft und nur wegen einer Niederlage. Die zwar mehrere Gründe hatte, aber sicher nicht hauptsächlich den beispielsweise im „Doppelpass“ kolportierten. In einem weiteren Kontext habe ich nichts gegen die Debatte. Und wenns die Bayern betrifft, ist es ja sowieso amüsant.

    Ich habe auch schon früher hier und da von den Sammer-Gerüchten gelesen. Eine Riesenüberraschung ist das tatsächlich nicht. Das vermutlich letzte Jahr von Heynckes bei Bayern werden sich die beiden irgendwie arrangieren. Mittelfristig ist interessant, wie es mit der Geduld des Präsidenten steht und wie Sammer mit den unweigerlich zu erwartenden Einmischungen der Führung umgeht.

    Gefällt mir

  3. Ich finde die Führungsspieler Diskussion auch ermüdend, besonders weil sie immer nur nach Niederlagen geführt wird, doch um mal beim Beispiel Spanien zu bleiben seh ich dort schon einige Leute die mal dazwischen hauen können wie z.b. einen Ramos..
    Ob es diese Methoden braucht um Titel zu gewinnen sei mal dahingestellt, wir haben sicherlich schon Spieler die Verantwortung übernehmen können und bei dem HF Spiel hat es vorwiegend an anderen Dingen gefehlt.

    Zum eigentlichen Thema: ich finds schon schade das Sammer zu Bayern geht, einerseits wegen seiner BVB Vergangenheit und andererseits wird er mir als Sky Experte fehlen.
    Ich persönlich halte ihn fachlich für sehr kompetent und hoffe einfach nur das er mit dem Gespann Hoeneß, Rummenigge und Heynckes nicht warm wird.

    Gefällt mir

  4. Klar, man braucht natürlich Spieler, die sich zutrauen, in einen Zweikampf zu gehen und diesen zu gewinnen. Ich finde nur diese Ansicht, dass es um des Sieges willen ruhig schmerzhaft für den Gegenspieler werden darf, solange es keine rote Karte gibt, eher unsportlich. Fouls gehören zum Fußball – jemandem schaden, um ein Zeichen zu setzen, nicht.

    Vor Matthias Sammer habe ich einerseits wegen seiner Dortmunder Zeit großen Respekt. Was er in den letzten Jahren so vertreten hat, wirkt wie eine seltsame Mischung aus alten und neuen Konzepten. Und in Interviews fand ich ihn teilweise eher anstrengend – wenn auch sicher kompetent.

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s