Der Dortmunder Weg

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Freundliche Österreicher. Ein Platz in sehr gutem Zustand. Viel Sonnenschein. Das waren die Themen, die Borussia Dortmund in den letzten Tagen bewegt haben. Dann gab es leider einen Busunfall in Polen, bei dem sich zwei BVB-Fans zum Glück nur leicht verletzten. Der Bus war auf dem Weg ins ehemalige Konzentrationslager Auschwitz, die Fans nahmen an einer Bildungsreise dorthin teil. Eine dramatische Nachricht, die aber nichts daran ändert, dass Borussia Dortmund sein Kerngeschäft auch in diesem Sommer mit bemerkenswerter Ruhe versieht.

Es ist erstaunlich und bewundernswert: Am Mittwoch war Trainingsauftakt beim Deutschen Meister und die Pressekonferenz dazu fand in gelöster Stimmung und ohne echte Neuigkeiten statt. Sie ging unaufgeregt über die Bühne, war aber aufgrund ihrer Lockerheit nicht langweilig. Die sportliche Führung des BVB hat schlicht ihre Hausaufgaben bereits gemacht. Mit Julian Schieber als Barrios-Ersatz wurde schon knapp zwei Wochen vor Start der Saisonvorbereitung der letzte Baustein für den Kader gesetzt. Und wenn Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke nun klipp und klar sagt, dass kein Spieler mehr abgegeben wird, gibt es keinen Grund, daran zu zweifeln.

Natürlich wird es Versuche seitens der Medien – vor allem der internationalen – geben, einen Schwarz-Gelben ins Gespräch zu bringen. Robert Lewandowski zu den Spurs, zu Arsenal, für 20, 25, 30 Millionen Euro. Doch selbst wer sich erst seit Beginn der Klopp-Ära mit Borussia Dortmund beschäftigt, wird über derartige Gerüchte nachsichtig lächeln und schauen, was der neue Sportdirektor des FC Bayern gerade so macht.

Man merkt deutlich, dass der Dortmunder Weg viele Medien langweilt. Da hat man einen deutschen Meister, schickt jeden Tag seine Journalisten hin und kann tatsächlich nur über das Training berichten, möglicherweise noch über Taktik und Formationen spekulieren. Es muss doch noch mehr geben. Die Implikationen von Marco Reus‘ hoher Ablöse etwa. Der langjährige BVB-Beobachter Oliver Müller fragt seriös nach einer möglichen Neiddiskussion innerhalb der Mannschaft, mit dem berechtigten Hinweis auf die Dortmunder Vergangenheit. Jürgen Klopp macht eindeutig klar, dass er eine solche Debatte nicht tolerieren würde. Trotzdem würden sich die üblichen Verdächtigen während der Saison auf das Thema stürzen, wenn Reus mal drei Spiele schwächeln sollte.

Das ist keine ganz neue Erkenntnis. Überraschender ist, dass auch manchem Fan im Augenblick des größten Triumphes zu viel Harmonie zu herrschen scheint. Und daher Animositäten gegenüber den Vereinsverantwortlichen geschürt werden, die nur ein Bruchteil der gesamten Fangemeinde teilen dürfte. Bedenkenswerte Kritik wird mit Maximalforderungen überfrachtet, während man die Fans fast pauschal von einer kritischen Beurteilung ausnimmt. Wer ernsthaft über Stadionverbote und Willkür diskutieren will, muss dazu objektive, belastbare Informationen liefern.

Die Zeit lässt sich nicht zurückdrehen. Im Sommer 2012 sehe ich in der Bundesliga jedenfalls keinen Verein, der mit den Faktoren sportlicher Erfolg und mediale Aufmerksamkeit, Fannähe und kommerziellen Interessen besser umgeht, sie besser ausbalanciert als die Borussia – was sie nicht immun gegen Kritik macht. Ich mag diese schwarz-gelbe Ruhe – the Dortmund way.

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3 Gedanken zu “Der Dortmunder Weg

  1. Marc Quambusch

    “ Überraschender ist, dass auch manchem Fan im Augenblick des größten Triumphes zu viel Harmonie zu herrschen scheint.“ Auf der einen Seite beschwerst Du Dich über Pauschalaussagen und haust dann selber eine raus. Es gibt eine Menge Tolles beim BVB, aber es gibt eben auch eine Menge zu kritisieren und es gilt wachsam zu sein.Im Erfolg werden die größten Fehler gemacht. Das mag manchmal hysterische Züge haben, aber nur weil man paranoid ist, heißt es nicht, dass sie nicht doch hinter einem her sind

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  2. Das ist doch keine Pauschalaussage. Um meine Kritik an dem verlinkten Artikel noch mal zu verdeutlichen: Da werden alle möglichen Sachen in einen Topf geworfen und zu einer Generalkritik an den Verantwortlichen aufgekocht, die völlig übertrieben ist. Berechtigte Kritik bezüglich der Meisterfeier oder den Preiserhöhungen durch die Hintertür steht neben Vorwürfen, die mMn unheimlich aufgeblasen sind. Eine Rückbenennung des Westfalenstadions wäre wünschenswert, es ist aber völlig weltfremd, sie ernsthaft zu erwarten. Und selbst wenn unter (!) dem BVB-Wappen wirklich „Echte Liebe“ stehen würde – so what? Ich sage jetzt mal etwas ganz Frevelhaftes: Unsere Farben sind mir wichtig und unser Name – am Wappen hänge ich nicht so. Das finde ich tatsächlich nicht besonders hübsch.

    Und dann das ewige Thema Stadionverbote. Da fehlt mir nach wie vor die Selbstkritik, und sei sie nur stellvertretend. Der Autor liefert Mutmaßungen oder nicht verifizierbare Informationen über das ‚Sündenregister‘ der betroffenen Fans. Und fragt nicht danach, warum sich gewisse Leute beim Fußball einfach nicht benehmen können. Es bleibt natürlich jedem selbst überlassen, ob man glauben will, dass alle Vorwürfe der Polizei haltlos sind. Natürlich müssen Stadionverbote nach der Schwere des Vergehens verhängt werden. Bei starken Beweisen für Gewalttaten sehe ich nicht, warum man bis zur Gerichtsverhandlung damit warten sollte. Der springende Punkt bei dem Artikel: Er legt willkürlich Willkür nahe, weil er bei diesem Thema keine echten Informationen liefert.

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