Wir wollten doch nur spielen

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Supercup / FC Bayern München 2 BVB 1

Vielleicht fehlten den Innenverteidigern nur ein paar Prozent Ernsthaftigkeit, um das 0:2 nach elf Minuten zu verhindern. Denn hätte ein von Beginn an wacher Neven Subotic die nicht allzu scharfe Flanke von Franck Ribery vor der Bayern-Führung nicht abgefangen? Hätten er und Mats Hummels in guter Frühform sich von Arjen Robben vor dem zweiten Treffer überlaufen lassen? Es fühlte sich auf schwarz-gelber Seite noch arg nach Saisonvorbereitung an, was die Jungs gestern in der Arroganz-Arena zunächst darboten – dabei war doch klar, wie ernst die Bayern das Spiel nehmen, wie aggressiv bis überhart sie in die Partie gehen würden.

Die Begegnung hatte zum Glück zwei Halbzeiten. Denn die erste wurde nach dem 0:2 aus BVB-Sicht nicht wirklich besser. Die Gastgeber hatten das Spiel weitestgehend im Griff, obwohl sich die Dortmunder Defensive stabilisierte und nur noch wenige Chancen zuließ. Und damit ist man schon bei einer der wenigen Lehren, die man aus diesem Supercup ziehen kann: der Borussia fehlte massiv ein zweikampfstarker Spieler mit Übersicht im defensiven Mittelfeld. Der Borussia fehlten Sebastian Kehl und/oder Sven Bender, so wie es bei dieser Konstellation zu vermuten war. Mit schnellen Pässen durchschnitten die Bayern die Zentrale, ohne durch präzise Tacklings oder vorausschauendes Stellungsspiel dabei übermäßig gestört zu werden. Sehr aufmerksame Leser werden möglicherweise schon bemerkt haben, dass ich bei Moritz Leitner noch deutlichen Steigerungsbedarf sehe – das bestätigte sich gestern in eklatanter Weise. Und auch Ilkay Gündogan ist ohne einen defensivstärkeren Nebenmann nur die Hälfte wert.

Keine neue Erkenntnis ist außerdem, dass über die linke Seite offensiv bei gut stehenden Gegner wenig läuft – Kevin Großkreutz und vor allem Marcel Schmelzer sind dazu technisch zu limitiert. Doch es gab ja noch die zweite Hälfte und andere Spieler, die für einen recht entspannten Ausklang des Wochenendes vor dem Echtstart sorgten. Der BVB kam zunächst durch eine Reihe von Standards zu Chancen, für die wir in Marco Reus einen würdigen Spezialisten gefunden haben – Ausnahmen bestätigen die Regel. Letztlich war es – natürlich – Robert Lewandowski, der gegen die Bayern traf und noch mal für Spannung sorgte. Und obwohl der gut aufgelegte Arjen Robben noch zweimal Roman Weidenfeller prüfte, brachte diese zweite Halbzeit das wohlige Gefühl zurück, dass wir auch 2012/13 den FCB noch dann und wann unter Druck setzen können.

Dass es letztlich bei einer knappen Niederlage blieb, das hat mich schon nach der Vorjahresveranstaltung in Gelsenkirchen nur kurz geärgert. Es ging um ein Gefühl und allenfalls ein paar personelle Erkenntnisse. Und natürlich hätte es kurz vor Schluss einen Elfmeter für die Borussia geben können, als Philipp Lahm den Ball mit Brust und/oder Arm annahm – eine 50:50-Entscheidung, über die man sich in so einem Spiel sicher nicht aufregen muss. Eigentlich hat die Partie – in der zweiten Hälfte – richtig Lust auf die neue Saison gemacht. In der der BVB natürlich wieder nur auf sich selber schauen wird.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Piszczek, Subotic, Hummels, Schmelzer – Leitner (64. Götze), Gündogan – Blaszczykowski (71. Schieber), Reus, Großkreutz (64. Perisic) – Lewandowski. Gelbe Karte: Schmelzer. Tor: Lewandowski.

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2 Gedanken zu “Wir wollten doch nur spielen

  1. Andy

    Ich persönlich konnte die Niederlage auch gut verschmerzen. Lieber jetzt gegen die Bayern verlieren als in den wichtigen Partien der Liga. Mit Ausnahme der ersten Anfangsminuten, bei denen es mir teilweise so vorkam als würden uns die Bayern überrollen, war ich mit dem Passspiel recht zufrieden. Klar hatten wir wenig bis gar keine Abschlüsse doch bis zum Strafraum sah alles ganz gut aus. Zu Beginn der Liga gilt es jetzt die Konzentration zu schärfen und das Pressing in allen Mannschaftsteilen durchgehend zu verbessern.

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  2. Ja, und das Pokalspiel kann vielleicht noch dazu dienen, dass sich die Startelf besser einspielen kann. Hoffentlich dann wieder mit Kehl. In den Testspielen wurde ja immer sehr viel gewechselt.

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