Zu alt mit 30? Hinkel hört auf

Ex-Nationalspieler Andreas Hinkel beendet seine Karriere – mit 30 Jahren. Zuletzt hatte der Schwabe beim SC Freiburg gekickt, allerdings nicht mehr so häufig wie gewünscht. Bekannt geworden war er durch seine Zeit beim VfB Stuttgart, für den Hinkel auch in der Champions League auflief. 2006 schlug er den Weg ins Ausland ein, spielte zunächst zwei Jahre beim FC Sevilla, im Anschluss in Schottland für den FC Celtic. Nachdem seine Karriere nun auch im Breisgau nicht mehr auf Touren kam, zog Hinkel die Konsequenzen. Und stellt fest: „Mit 30 gehört man zum alten Eisen.“

Unbestritten ist, dass 29 oder 30 heute nicht mehr als „bestes Fußballer-Alter“ gilt. Junge Spieler reifen schneller, auch dank der verbesserten Ausbildung. Schnelligkeit, Spritzigkeit und Energie haben Erfahrung als Primärtugend abgelöst. Unbestreitbar ist aber auch, dass es selbst ein 29-jähriger Absteiger noch in den Profikader des Meisters schaffen kann – wie zuletzt Oliver Kirch.

Was genau ist bei Andreas Hinkel falsch gelaufen? Pech spielte ohne Frage eine Rolle. Hätte der damalige Stuttgarter an der WM 2006 im eigenen Land teilgenommen, wären ihm womöglich mehr Türen offengestanden. Den folgenden Wechsel zum FC Sevilla kann man sicher nicht als Abstieg bewerten, doch es fehlte Hinkel ein wenig die Reputation eines WM-Teilnehmers. In zwei Spielzeiten absolvierte er nur 15 Einsätze für die Andalusier. Bei Celtic, in einer sportlich höchstens zweitklassigen Liga, lief es spätestens ab 2008 besser, ehe Hinkel der klassische Schicksalsschlag des Profifußballers ereilte: Kreuzbandriss.

Aber lag es nur an dieser langwierigen Verletzung, dass sich der Schwabe auch nach seiner Rückkehr nach Deutschland nicht mehr in den Vordergrund spielen konnte? Es dürfte ebenfalls eine Rolle gespielt haben, dass er auf den Zetteln der hiesigen Sportdirektoren und Scouts bereits zuvor nach unten gerutscht oder ganz von ihnen verschwunden war. Wer in Sevilla nur Reserve bleibt und schließlich auch bei Celtic keinen Vertrag mehr bekommt, hat hierzulande erst mal schlechte Karten. Der Ruf des vielmaligen schottischen Meisters und einzigen verbliebenen Topclubs im Land ist eben nicht mit Real Madrid oder auch nur Ajax Amsterdam zu vergleichen. Wie etwa seinem früheren Teamkollegen Timo Hildebrand ist auch Hinkel der vorschnelle Wechsel ins Ausland, konkret nach Spanien nicht bekommen.

Andreas Hinkel ist deshalb nicht gescheitert. Er hat mit dem FC Sevilla den UEFA-Cup gewonnen und mit Celtic die Meisterschaft und den Pokal – wie das so dort zu erwarten ist. Nur endet seine Karriere eben etwas früher als bei vereinstreueren Spielern wie Sebastian Kehl, der ebenfalls schwer von Verletzungen geplagt war. Hinkel wollte keinen Ausklang seiner Laufbahn in fußballerisch eher unbedeutenden Ländern; er wollte es auch wegen seiner Familie nicht, was absolut nachzuvollziehen ist. Vor dieser Entscheidung muss man Respekt haben. Und kann sich trotzdem fragen, wie es mit dem gebürtigen Backnanger weitergegangen wäre, wenn er im Winter 2007 das Angebot von Borussia Dortmund angenommen hätte.

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