Stark gegen schwach

1. Bundesliga, 3. Spieltag / BVB 3 Bayer Leverkusen 0

Schön, wenn man sich so irrt. Enges Spiel, starker Gegner, gefährlich über die Flügel? Alles falsch, zumindest heute. Mit einer Souveränität, die an die besten Momente der letzten Jahre erinnerte, bezwang Borussia Dortmund die Werkself aus Leverkusen, die maßlos enttäuschte. Zwei Tore nach Standards, ein Tor nach einem herrlich schnell vorgetragenen Angriff – zum richtigen Zeitpunkt ist der meisterliche BVB wieder da.

Dabei standen die beiden Jungstars Marco Reus und Mario Götze erneut nicht gemeinsam auf dem Platz. Jürgen Klopp schonte ersteren und ließ letzteren von Anfang an spielen, wenn auch nicht über 90 Minuten. Eine Maßnahme, die absolut aufging: Mario wirkte zumindest in der ersten Hälfte frisch und belebend, Marco Reus schoss später von links den Freistoß, den Robert Lewandowski zum 3:0 ins Tor köpfte.

Überhaupt Lewandowski, überhaupt die Polen. Wenn man die ersten vier Pflichtspiele auf einen Nenner bringen will, dann kommt man zwangsläufig zu der Erkenntnis, dass der polnische Anteil an dem, was funktioniert hat, sehr, sehr groß war. Kuba und Robert befinden sich in bestechender Frühform. Der Verbleib unseres Topstürmers könnte sich als die wichtigste Personalie der Saison herausstellen. Jakub wiederum ist trotz starker Konkurrenz derzeit nicht aus der Startelf wegzudenken. Nun zeigte sich heute auch noch Lukasz Piszczek in richtig guter Verfassung, war beim tollen 2:0 eingebunden, als er Lewandowskis langen Pass bekam und schön in die Mitte legte, wo Kuba nur noch draufhalten musste.

Von Leverkusen hatte ich viel mehr erwartet. Dass zunächst der BVB das Spiel komplett dominierte und die Gäste vorsichtig agierten, registrierte man erfreut, aber angesichts der schon früh ausgelassenen Torchancen mit Skepsis. Irgendwann würde die Werkself schon kommen. Und irgendwann war schließlich in der 13. Minute, als Stefan Kießling im Fünfmeterraum an den Ball kam. Doch der Stürmer hat gerade nicht seine besten Tage, bekam die Drehung zum Tor nicht richtig hin, so dass sein Schuss letztlich noch geblockt werden konnte. Und das war es mit Ausnahme von zwei, drei über das Spiel verstreuten Szenen von Leverkusen.

Die Borussia war im Mittelfeld sehr schnell am Mann. Kehl, der immer wieder vorstoßende Hummels und selbst Gündogan präsentierten sich erfreulich zweikampfstark. Die Gäste standen zwar bis zur Dortmunder Führung in der 29. Minute hinten nicht schlecht, verloren jedoch auf den restlichen drei Vierteln des Spielfelds viel zu viele Zweikämpfe und waren zudem im Offensivspiel erstaunlich unpräzise. Von den gelobten Flügelspielern war kaum etwas zu sehen. Und das ist durchaus wörtlich zu nehmen: Wann war Andre Schürrle denn mal im Bild? Castro agierte in der zweiten Hälfte geringfügig besser. Es bleibt gerade für außenstehende Beobachter die Frage: Wann schaffen es ‚Trainer‘ Lewandowski und ‚Teamchef‘ Hypiää, aus guten Einzelspielern ein Team zu formen? Und schaffen sie es überhaupt?

Defensiv zeigte sich der BVB zwar nicht unantastbar, aber die Fehlerquote wurde gegenüber den beiden vorhergehenden Spielen minimiert. Zwei Nachlässigkeiten des ansonsten sehr ordentlichen Sebastian Kehl fielen auf, die Viererkette präsentierte sich jedoch weitestgehend stark. Marcel Schmelzer konnte beweisen, dass er sich in Dortmund doch am wohlsten fühlt: Seine Seite machte er gut zu, offensiv zeigte er wenigstens in ein, zwei Szenen, dass es für den Gegner gefährlich werden kann, wenn er mit nach vorne kommt. Und natürlich trat er den Eckball, den ein sehr frei stehender Mats Hummels zur Führung ins Tor köpfte.

In der zweiten Hälfte hätte die Borussia das Ergebnis durchaus noch höher gestalten können. Natürlich spielten die Schwarz-Gelben nicht 45 Minuten im Turbo-Modus, aber sobald sie ihn starteten, bekamen die Gäste Probleme. Ivan Perisics später Kopfball, der von der Latte auf die Linie fiel, hätte gerne noch drin sein dürfen – dann stünde der BVB schon heute vor dem Reviernachbarn. Nichtsdestotrotz: Das war eine Klasse-Leistung, die von großer mannschaftlicher Geschlossenheit geprägt war. Nur einer ist noch nicht in der Saison angekommen: Trainings-Weltmeister Kevin Großkreutz, von dem genauso wenig zu sehen war wie vom gegnerischen Linksaußen Schürrle. Das ist bei der derzeitigen Personalsituation kein Grund zur Panik; zudem hat das Trainer-Team schon in der Vergangenheit bewiesen, dass es mit kriselnden Spielern umgehen kann.

Was lernen wir aus diesem Spiel für den Champions League-Auftakt in der Mutter aller Hammergruppen? Das Selbstbewusstsein dieses emphatischen Sieges kann gut tun, wenn die Schwarz-Gelben die Qualitäten von Ajax immer im Kopf behalten. Es wird sehr spannend zu sehen sein, wie sich gegen den heutigen Gegner voll überzeugende Akteure gegen einen erfahrenen Europapokal-Teilnehmer schlagen. Eines ist jedenfalls sicher: die Vorfreude auf Dienstag hat das heutige Spiel noch mal ein gutes Stück gesteigert.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Piszczek, Subotic, Hummels, Schmelzer – Kehl, Gündogan – Kuba (81. Leitner), Götze (69. Perisic), Großkreutz (60. Reus) – Lewandowski. Gelbe Karten: Schmelzer. Tore: Hummels, Kuba, Lewandowski

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