Das Mögliche vom Unmöglichen

Die echten Champions warten: Morgen startet Borussia Dortmund in eine Europapokal-Gruppe voller Meister. Zum Auftakt geht es im Westfalenstadion gegen Ajax Amsterdam, einen Verein, der den europäischen Fußball bis vor einigen Jahren deutlich stärker geprägt hat als etwa Manchester City oder der FC Chelsea.

Im Vorfeld der morgigen Begegnung stellt sich nun vor allem die Frage, wie dieser Gegner heute einzuschätzen ist. Allgemein ist die Rede von einem Pflichtsieg, den der BVB einfahren müsse, um in der Meistergruppe eine Chance zu haben. Das ist natürlich richtig und falsch. Letzteres wird von Jürgen Klopp propagiert, der zu Recht darauf hinweist, dass diesem einen Spiel mindestens fünf weitere folgen werden. Andererseits kann man nicht wegdiskutieren, dass die beiden anderen Gruppengegner deutlich stärker besetzte Kader haben als Ajax und die Borussia.

Der niederländische Hauptstadtclub hat in den letzten beiden Jahren jeweils den dritten Platz seiner CL-Gruppe erreicht und dürfte bei einem normalen Verlauf der Gruppe der Hauptkonkurrent um eben jenen Platz sein. Ein Heimsieg ist da keine Pflicht, wäre jedoch sehr hilfreich. Das Problem bei der Einschätzung von Ajax: Viele Spieler dürften nur den Experten für niederländischen Fußball bekannt sein. Trainer Frank de Boer hat einen sehr jungen Kader um sich und knüpft damit an die langjährige Tradition des Vereins an. Allgemein wird von einer offensiven Ausrichtung der Gäste ausgegangen, womöglich einem 4-3-3, das eigentlich ebenfalls Tradition in Amsterdam hat. Doch es würde nicht verwundern, wenn auch de Boer und sein Team ihre Scouting-Hausaufgaben gemacht haben und den BVB erst einmal hinten herauslocken wollen.

Zu den bekannten Gesichtern im Ajax-Team zählen der Ex-Schalker Christian Poulsen und der bei der TSG Hoffenheim in Ungnade gefallene Ryan Babel. Beide gehören jedoch nicht unbedingt zu den Anwärtern auf einen Platz in der Startelf. Achtzugeben ist unbedingt auf das offensive Mittelfeld – da wären wir bei einer von nicht wenigen Parallelen zum BVB. Den Dänen Christian Eriksen listet Transfermarkt.de als wertvollsten Spieler im Kader (Marktwert: 16 Millionen Euro). Nicht ohne Grund, bei einem Tor und drei Vorlagen in vier Spielen. Ähnliche Werte haben die Offensiv-Kollegen, Kapitän Siem de Jong und Lasse Schöne vorzuweisen: Ihnen gelangen in fünf Partien drei Tore und zwei Vorlagen respektive ein Tor und vier Vorlagen. Ohne Zweifel wird unsere Viererkette schon in diesem Auftaktspiel eine große Bewährungsprobe zu bestehen haben.

Positiv stellt sich in jedem Fall die Personallage der Schwarz-Gelben dar. Jürgen Klopp kann wie gegen Leverkusen nahezu aus dem Vollen schöpfen. Bei der heutigen Pressekonferenz zum Spiel wollte er verständlicherweise noch nicht verraten, ob Marco Reus und Mario Götze erstmals gemeinsam auflaufen werden – es erscheint jedoch alles andere als unwahrscheinlich.

Bleibt festzustellen, dass ein Sieg morgen möglich ist. Alles andere aber auch. Es ist kaum vorherzusagen, wie sich das mit vielen Neuzugängen gespickte Gästeteam in der Champions League verkaufen wird. Und die Borussia wird zwar ein gewisses Selbstvertrauen und den Heimvorteil mit in die Partie nehmen, doch würde irgendjemand etwas Wertvolleres als Geld auf einen schwarz-gelben Erfolg setzen? Genau diese Ungewissheit macht aber auch den besonderen Reiz der Champions League aus – weswegen ich mich genauso auf das Spiel freue wie auf Real Madrid.

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