Marcoreus Superstar

1. Bundesliga, 6. Spieltag / BVB 5 Mönchengladbach 0

Dass Marco Reus in der Partie gegen seinen Ex-Verein eine gewisse Rolle spielen würde, war irgendwie vorherzusehen. Dass ihm mit einem grandiosen Auftritt nun der endgültige Durchbruch in Dortmund gelungen ist, hätte man wohl nicht zu hoffen gewagt. Marcos tolles Tor zum 1:0 war die Initialzündung in einer Begegnung, in der zuvor zwei gut verteidigende Mannschaften den gegnerischen Angreifern das Leben schwer machten.

Jürgen Klopp hatte mit seiner Aufstellung in einem Punkt wohl jeden überrascht: Niemand erwartete einen Wechsel auf der Stürmer-Position, doch lief um 18.30 Uhr tatsächlich Julian Schieber aufs Feld und Robert Lewandowski zur Bank. Letzterem vor der CL-Partie in Manchester mal eine Pause zu gönnen, war – im nachhinein – gar nicht blöd. Mit den drei sehr offensiven Mittelfeldspielern dahinter hoffte Klopp, auch ohne den vereinsintern besten Torschützen der Vorsaison genügend Druck aufzubauen. Man kann nicht sagen, dass Schieber seine Chance perfekt genutzt hat – nur ein Torschuss steht bei ihm zu Buche. Allerdings schuf er mit seiner Präsenz Räume für die flinken Drei hinter ihm und gewann die meisten Dortmunder Zweikämpfe.

Es brauchte jedoch den inzwischen häufig zitierten „Dosenöffner“, damit sich die schwarz-gelbe Offensivkraft auszahlte. Diverse Fehlpässe und aufmerksame Gladbacher Abwehrspieler brachten die Dortmunder Angriffe in den ersten 25 Minuten immer wieder vorzeitig zum Erliegen. Die Gäste hatten in der Anfangsphase sogar die zwei besten Gelegenheiten gehabt – abgesehen von einem Subotic-Kopfball an die Latte nach einer Ecke. Das sollte Neven später noch besser machen.

Doch es blieb Marco Reus vorbehalten, den Reigen zu eröffnen – mit einem Tor, dass den zahlreich anwesenden Gladbach-Fans schmerzlich genau jene Qualitäten ihres ehemaligen Spielers aufzeigte, die sie derzeit vermissen. Marcos Sololauf aus dem Mittelfeld, bei dem er zwei Gladbacher stehen ließ und schließlich durch ter Stegens Beine vollendete, versprühte das individuelle Flair, das jede Mannschaft gelegentlich als Inspirationsquelle benötigt.

Das 2:0 in der 40. Minute durch den schon angedeuteten Kopfball von Subotic, seinem ersten Treffer seit November 2010, hatte gestern vorentscheidenden Charakter. Es war ein Heimspiel und den Schwarz-Gelben standen keine euphorisierten Überflieger wie die Eintracht gegenüber. Gladbach hatte noch ein, zwei erwähnenswerte Szenen in Hälfte 2, ließ aber ansonsten von durchschnittlichem Niveau aus stark nach. Der BVB dominierte das Spiel so, wie man es sich als Schwarz-Gelber wünscht, aber in dieser Saison allenfalls gegen Leverkusen gesehen hat. Die selbstsichere Darbietung brachte schöne Spielzüge hervor und ein weiteres herrliches Reus-Tor. Einen geblockten Ball holte sich unsere Nummer 11 an der Strafraumlinie halbrechts zurück und … plötzlich war der Ball im Tor. Unerwartet hatte Reus aus dieser Position mit einem hohen Kunstschuss getroffen – man brauchte die Wiederholung, um die Szene nachzuvollziehen.

Sven Bender ersetzte knapp zehn Minuten später den Mann des Spiels, der für diesen Titel trotz seiner beiden Tore starke interne Konkurrenz hatte. Gündogan und Blaszczykowski trafen beide freistehend nach schönen Spielzügen, waren an der Entstehung mehrerer Tore beteiligt und bewiesen, wie wichtig sie für das Team sein können. Gerade Ilkay war das nach seiner unglücklich vergebenen Gelegenheit in Frankfurt sehr zu gönnen. Bei den letzten beiden Treffern musste übrigens der Ex-Schalker Christopher Heimeroth hinter sich greifen, der den am Becken verletzten ter Stegen eine knappe Viertelstunde vor Schluss ersetzte.

Jürgen Klopps Lösung für das offensive Mittelfeld – mit Reus, Götze und Blaszczykowski – funktionierte gestern sehr überzeugend. Die drei generierten zwar keine Weite wie echte Flügelspieler, Reus und Götze zogen immer wieder nach innen. Doch für Heimspiele und gegen einen am Ende doch arg wackligen Gegner ist diese offensive Ausrichtung mit Zug zum Tor ein probates Rezept. Man darf jetzt schon gespannt sein, was sich der Trainer für die wahnsinnig schwere Partie in Manchester einfallen lässt. Unverändert zu beginnen wäre riskant, scheint aber nicht ganz ausgeschlossen. Bleiben die Rückkehr von Kevin und eine echte Doppel-6 mit Kehl und Bender als wahrscheinlichste Alternativen. Aber da sind wir schon wieder einen Schritt weiter – ein 5:0 gegen einen CL-Qualifikanten sollte gebührend gewürdigt werden. Der BVB ist wieder da und auf Kurs!

Die Aufstellung: Weidenfeller – Piszczek, Subotic, Hummels, Schmelzer – Gündogan, Kehl (83. Santana) – Blaszczykowski, Götze (71. Großkreutz), Reus (76. Bender) – Schieber. Tore: Reus (2), Subotic, Gündogan, Blaszczykowski

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3 Gedanken zu “Marcoreus Superstar

  1. Klasse Partie unserer Jungs.. Wobei die Heimspiele bisher ja nicht das Problem waren. Hoffe das mit der Rückkehr von Manni unsere Defensive wieder zusätzlich an Stabilität gewinnt.. Die nächsten 2 Auswärtsspiele haben es nämlich in sich und sind vom Ausgang völlig offen.. Ich hoffe nur das die Mannschaft nicht zu viel Respekt vor City hat..

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  2. Eine Riesen-Bewährungsprobe für die Defensive ist das am Mittwoch. Bin sehr gespannt, ob Klopp dann Manni und Kehl gemeinsam bringt. Ich rechne mir allerdings in Hannover deutlich mehr aus …

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