Derbyfieberkurve

Woran merkt man, dass das Derbyfieber steigt? Zum Beispiel daran, dass die Sportbild dem armen Schalker Aufsichtsratsvorsitzenden Clemens Tönnies ein paar Bonmots zum BVB abnötigt, obwohl der doch dringend seine Steuererklärung machen muss. Und daran, dass man selber das liest und denkt: Jetzt erst recht – mach was, Kevin! Für uns Fans sind Derbys eben herrlich einfach – einfach schwarz-weiß.

Dazu gehört auch, dass man sich nicht mit dem Worst Case beschäftigt. Wer denkt schon vorher an eine Derby-Niederlage? Das wäre Masochismus. Doch ein realistischer Blick muss sein und der besagt, dass der FC Schalke derzeit noch zwei Punkte vor dem BVB in der Tabelle steht. Zudem werden die Personalsorgen bei den Schwarz-Gelben größer. Mario Götze musste kurz nach seiner 25-minütigen Beteiligung am deutschen 4:4 für die Ewigkeit Jürgen Klopp mitteilen, dass er wieder Probleme mit dem Oberschenkel hat. Nach einer Untersuchung steht fest: Das Traumduo Götze & Reus ist mal wieder gesprengt, Mario muss am Samstag pausieren.

Damit stellt sich nun massiv die Frage nach der Besetzung des Mittelfelds. Jakub Blaszczykowski fällt noch wochenlang aus. Die Chancen von Kevin Großkreutz auf eine Rückkehr in die Startelf sind groß, so viel verriet Jürgen Klopp in der PK zum Spiel dann doch. Wer die zweite vakante Position im offensiven Bereich besetzt, ist schwerer zu sagen. Ivan Perisic wäre die naheliegendste Lösung. Für Moritz Leitner oder Leonardo Bittencourt dürfte es das falsche Spiel zum Aufrücken sein. Ein Geheimtipp: Julian Schieber kommt ins Team und spielt etwas vor oder hinter Robert Lewandowski.

Noch nicht ganz sicher ist auch, ob Ilkay Gündogan fit genug fürs Derby wird. Gebrauchen könnten wir ihn ohne jede Frage, weil zwar sowohl Sebastian Kehl als auch Sven Bender einsatzfähig sein dürften, es aber ungewiss ist, ob es für die beiden über annähernd 90 Minuten reicht. Ein weiteres Fragezeichen steht hinter Marcel Schmelzer, der – im nachhinein ironischerweise – schon das Länderspiel absagen musste. Mats Hummels ist hingegen zurück im Training und auf einem guten Weg.

Angesichts dieser Personallage hört man es ehrlicherweise nicht ungern, dass auch der Gegner seine Probleme hat. Wegen einer Viruserkrankung muss der sichere Innenverteidiger Kyriakos Papadopoulos das Derby sausen lassen, Linksverteidiger Fuchs hat ähnlich wie Marcel Schmelzer einen schmerzenden Fuß. Julian Draxler wird wegen seines Unterarmbruchs in jedem Fall mit einer Armschiene spielen – ob von Beginn an oder überhaupt, steht noch nicht fest.

Nüchtern betrachtet muss man angesichts der gesammelten Vorzeichen zum selben Schluss kommen wie Jürgen Klopp:

Wir haben den Vorteil, dass wir zu Hause spielen. Und ich habe das Gefühl, das ist der einzige.

Die Statistik legt nahe, dass dieser Vorteil nicht ganz unbedeutend ist. Doch was bedeutet schon eine kalte Statistik vor dem Derby?

Leider muss auch in diesem Jahr wieder mit der üblichen Derby-Folklore egoistischer oder gewaltbereiter Fans gerechnet werden. Auf den üblichen Wegen ins Stadion wurde von der Polizei das für Risikospiele übliche Glasverbot verhängt. Und die Anhänger der Blauen müssen wegen exzessiven Pyro-Einsatzes beim letzten Derby im Westfalenstadion auf viele Fan-Utensilien verzichten. Mitleid wegen letzterem? Kein bisschen. Was zählt ist ohnehin nur, dass Sebastian Kehl recht behält: „Die Nummer 1 sind wir.“

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