Schweigen am Anfang, Schweigen am Ende

1. Bundesliga, 14. Spieltag / BVB 1 Fortuna Düsseldorf 1

Zwölf Minuten und zwölf Sekunden schwiegen fast alle Fans gestern zu Beginn der Partie Borussia Dortmund gegen Fortuna Düsseldorf. Es muss eine ausgesprochen ungewohnte Nicht-Atmosphäre geherrscht haben im Westfalenstadion – auch wenn die sich über Kneipenlautsprecher schwer übertragen lässt. Bekanntlich protestierten die Fans hinsichtlich der entscheidenden Sitzung des DFL-Ligaausschusses am 12.12. gegen das Konzept „Sicheres Stadionerlebnis“ in seiner ursprünglichen Form. Nach Abpfiff herrschte Schweigen in der Kneipe, betretenes Schweigen, bis die Diskussionen losgingen, wieso um alles in der Welt man diese Begegnung nicht gewinnen konnte. Was gerade im Stadion los war, bekam man nur am Rande mit.

Es war eines jener Spiele, die den Unterschied ausmachen können. Sie müssen es nicht. Doch es blieb die frustrierende Erkenntnis, dass die Schwarz-Gelben etwas, für das man sie gerade gelobt hat, doch noch nicht richtig beherrschen: Eine Partie ohne übermäßigen Kraftaufwand kontrolliert runterzuspielen. Das war ohnehin noch nie die Idealvorstellung von Fußballfans, doch es nötigte einen gewissen Respekt ab, dass die Mannschaft das im vermeintlichen Stil einer Spitzenelf mehrmals hingekriegt hatte.

Gestern drückte die Borussia gegen extrem tief stehende Fortunen fast eine Hälfte lang erfolglos. Der letzte Pass fehlte ebenso häufig wie die Kreativität im Mittelfeld, ein paar Weitschuss-Versuche blieben harmlos. Noch viel harmloser war allerdings, was die Gäste nach vorne zu bieten hatten: so gut wie nichts. In schwarz-gelb verbreitete Jakub ‚Kuba‘ Blaszczykowski die meiste Gefahr – nur logisch, dass er den tollen Schlusspunkt einer mäßigen Halbzeit setzte. Kuba spielte Doppelpass mit Kevin Großkreutz, der ansonsten extrem glücklos agierte, und hämmerte den Ball dann von halbrechts ins lange Eck.

Schaute man dem Treiben in den zweiten 45 Minuten aufgrund der zuvor so harmlosen Fortunen zunächst noch gelassen zu, hätte man schon bei Reisingers Slapstick-Chance gewarnt sein sollen. Der Angreifer und spätere Torschütze schoss in dieser Szene Mitspieler Ilsö in die Beine – auf der Torlinie hätte nur noch Marcel Schmelzer gestanden. Im Anschluss wurde das Spiel der Borussen sukzessive immer inkonsequenter – was Zweikämpfe, Pressing und Angriffsversuche angeht. Der weiterhin vorsichtige Gegner wurde eingeladen, mehr zu tun, und spätestens fünf Minuten vor dem Ausgleich lag der Treffer schwer in der Luft, ohne dass die Fortunen zuvor weitere dicke Chancen gehabt hatten. Auch Jürgen Klopp räumte im Anschluss im sky-Interview ein, dass ihm etwas geschwant hatte.

Eine weitere Erkenntnis aus der Begegnung ist, dass der BVB mehrere wichtige Spieler gegen keinen Gegner aus der Liga ohne Effektivitätsverlust ersetzen kann. Hummels, Gündogan und Götze saßen alle auf der Tribüne – für sie spielten Santana, Kehl und Kuba. Mit dieser Startelf hätte die Partie vielleicht mit einem Sieg geendet. Doch Trainer wechseln Spieler aus und über Jürgen Klopps Wechsel konnte man sich gestern streiten. Mal im einzelnen: In der 68. Minute kam Leitner für Kehl. Unser Kapitän war gerade wieder genesen, die Auswechslung deshalb verständlich. Ob es jedoch gerade in dieser Spielphase sein musste? Moritz Leitner machte gestern gar kein so schlechtes Spiel. Fakt ist jedoch, dass die Borussia in der Bundesliga mit ihm eine Torstatistik von 8:12 aufweist – allerdings war er im Pokal am 4:1 in Aalen 90 Minuten beteiligt.

In der 75. Minute ersetzte Ivan Perisic Marco Reus. Auch für dessen Auswechslung muss man angesichts des Krachers am Samstag Verständnis haben – doch leider nutzte Ivan Perisic die sich ihm bietende Gelegenheit erneut nicht. Ich muss leichte Zweifel eingestehen, ob das mit Perisic und Klopp noch etwas wird. Nach dem Gegentreffer kam noch Schieber für Blaszczykowksi – aus unerfindlichen Gründen blieb der deutlich schwächere Großkreutz in der Partie, der in der 84. Minute auch prompt die 100%-ige Chance zum 2:1 vergab. Dieser Wechsel zu diesem späten Zeitpunkt macht nur Sinn, wenn Kuba angeschlagen war.

Leider stimmte gestern bei vielen die Leistung nicht und bei einigen fehlte sogar ein wenig die Bereitschaft. Man hat sich von den bis zum letzten pokernden Gästen einlullen lassen und stand schließlich zweimal falsch, woraus ein Gegentor resultierte. Selbst wenn man mit Klopps Wechseln nicht vollends zufrieden ist, seine Spielanalyse war wie immer punktgenau:

Unser Hauptproblem war, dass wir kein Gegenpressing im Spiel hatten. Ich kann mich kaum an Szenen erinnern, wo uns das gelungen ist – bis auf die Schlussphase. Das lässt einen Gegner immer am Leben, und das war heute unnötig.

Er war so was von unnötig, dieser Punktverlust, und das ist ärgerlicher als der Vorsprung, den die Bayern heute Abend vielleicht haben werden. Das Schöne ist – und ich weiß, dass ich das nicht zum ersten Mal schreibe: diese Mannschaft ist absolut lernfähig. Also schweigen wir ein wenig und warten ab, was noch so passiert.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Piszczek, Subotic, Santana, Schmelzer – Kehl (68. Leitner), Bender – Blaszczykowski (82. Schieber), Reus (75. Perisic), Großkreutz – Lewandowski. Gelbe Karte: Subotic. Tor: Blaszczykowski

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