Die reale Analyse des Topspiels

icon_spielberichtfinalAndere haben Reif, Effenberg und die realtaktische Analyse, hier schreiben heute Ermittler Dembowski und Nick von Any Given Weekend über das Topspiel in München. Zwei Blogger, zwei Ideen, eine Leidenschaft.

Klar. An Spieltagen  konnte ich irgendwann nicht mehr, ich musste dann los. Es war mir nicht möglich, in der Wohnung zu sitzen, den Verkehr zu sehen, Musik zu hören. Irgendwann packte mich die Aufregung. Sogar vor den Spielen gegen die Bayern. Die konnten wir seit einiger Zeit voller innerer Ruhe angehen. Mit jedem Sieg hatten wir den Druck auf die Bayern abgewälzt. Deren Sieg im Supercup war nichts weiter als eine Demütigung gewesen. Hier, den könnt ihr haben.

Sogar den Bayern war es zu blöd gewesen, im Vorfeld des Spiels auf diesen sommerlichen Triumph einzugehen. Schon Tage vorher waren sie nervös. 11 Punkte hin oder her. Mir war es klar gewesen, dass die Wachablösung im deutschen Fußball nicht an einem Tag zu vollziehen war. Wir waren nicht mehr die Emporkömmlinge mit der „wenn wir wollen kaufen wir euch auf“-Mentalität der 90er-Jahre, wir planten den Weg mit bedacht.

Das war den Bayern bewusst. Das schmerzte sie. Ein Verein, den man nicht eben mit ein paar Transfers zu Fehlern treiben konnte. Ein Verein, den man mit Abwerbeversuchen nicht schwächen konnte. Ein Verein, der einen am Ende sogar noch Spieler wegschnappte. Es musste schmerzen. Es schmerzte. Das sah man den Spielern an. Das sah man noch viel mehr den Offiziellen an.

Während ich über Bayerns Sorgen nachdachte, war ich in der Bahn in Richtung Kneipe. Als ich ausstieg und auf die lange Straße in Richtung Kneipe einbog, gönnte ich Matthias Sammer noch ein paar Gedanken. Sammer steht, dachte ich in Richtung Kneipe laufend für das Dortmund der 90er –Jahre. Für das Ende. Für die Mentalität die Niemeier in den Verein gepflanzt hatten. Damit hatten sie uns beinahe das Ende beschert. Es war noch einmal gut gegangen und jetzt waren wir hier am 1.Dezember 2012 und in der Kneipe war es voll.

Inmitten der Meute machte ich Nick aus. Der war immer da. Er analysierte, ich trank. Er zog Statistiken hervor, ich ließ meine Wut aufblitzen. Er schimpfte laut, ich litt still. Wie immer. Irgendwann hatte mir Nick von seiner Fußballfachseite erzählt. Ich kannte sie bereits vorher. Auch wenn mir das zu wenig Populismus war. Über Fußball konnte er schreiben. Nüchterner, klarer, präziser als mi es jemals gelingen konnte. Und so sollte Nick das Spiel nüchtern einordnen. Ich hätte doch wieder nur von der entscheidenden Wende im Meisterkampf gesprochen. Das aber nahm ich mir selbst auch nach dem achten Bier nicht ab.

Die Borussia holt ein Unentschieden in München und das fühlt sich gut an. Wo kämen wir denn hin, wenn es anders wäre? Es sind schon Gefühlswelten, die zwischen dem 1:1 gegen die Fortuna und dem gestrigen liegen. Und dafür gibt es belastbare Gründe: Der BVB hat aus den letzten fünf Liga-Partien gegen die Bayern 13 Punkte geholt. Wir sind längst das ‚bogey team’ des Rekordmeisters. Die Mannschaft ist gestern nach einem Rückstand gegen den FCB zurückgekommen. Das war in der Vergangenheit selten und zuletzt gar nicht nötig – gut, dass die schwarz-gelben Jungs auch das inzwischen können.

Der FC Bayern hat sich im Sommer noch mal für 70 Millionen Euro verstärkt, mit Matthias Sammer einen Fußball-Fachmann dazugeholt und sich entsprechend entwickelt. Unter diesen Gesichtspunkten war es umso erfreulicher, wie kompakt und konzentriert die Borussen dagegenhalten konnten. Viele Chancen hatten die Gastgeber nicht und deshalb muss man auch nicht von einem glücklichen Unentschieden für den BVB sprechen, sondern von einem durchaus verdienten. In der Schlussphase war es weniger Pech für die Bayern oder Glück für den BVB, dass es beim 1:1 blieb, sondern dem hervorragenden Roman Weidenfeller geschuldet – der nun mal ein Borusse ist.

Ein brillantes Spiel war es nicht, aber wie immer unglaublich spannend, wenn es zwischen diesen beiden Teams eng zugeht. Beide Mittelfeldreihen verstehen es inzwischen, die Räume gut dicht zu machen. Glücklicherweise wurde Ilkay Gündogan rechtzeitig fit, um mit Sven Bender das Duo in der Zentrale zu bilden – Sebastian Kehl hatte wegen seiner Kapselentzündung im Knie passen müssen. Abgesehen von einem potenziell gefährlichen Fehlpass machte Gündogan zusammen mit Bender einen guten Eindruck, auch wenn er seltener als gegen schwächere Gegner in Strafraumnähe auftauchte.

Mats Hummels hatte schon auf der Pressekonferenz vor dem Spiel einen guten Eindruck gemacht. Sein Auftritt in München war ultrastark, selbst wenn er beim 0:1 gegen den in dieser Szene ebenfalls starken Kroos nichts ausrichten konnte. Die schwarz-gelbe Unsicherheit in den letzten Minuten hatte auch mit dem Ausfall von Abwehrpartner Neven Subotic zu tun, der verletzungsbedingt durch Felipe Santana ersetzt werden musste. Neven wird am Montag untersucht; es dürfte ihn aber nicht so schlimm erwischt haben wie Bayerns Innenverteidiger Holger Badstuber, der in der ersten Hälfte einen Kreuzbandriss erlitt. Santana brauchte etwas, um ins Spiel zu kommen, wie auch Jürgen Klopp im Anschluss sagte. Doch da war ja noch Roman Weidenfeller. Niemand könnte seine Leistung so gut auf den Punkt bringen wie „Der Samstag“. Klar, deutlich, kompetent.

Der Mann zwischen den Pfosten

(berlin / 02.12.2012) Das nennt man dann brettstark! Amsterdam, Manchester, Madrid, München. Weidenfeller kann Champions League. Das hat der sympathische Proll aus der Gerry-Ehrmann-Schule in den letzten Minuten gegen München wieder bewiesen. Heynckes, Kahn und sogar Hoeneß fordern: Weidenfeller in die Nationalmannschaft! Wird Bundes-Jogi jetzt wach? DerSamstag! meint: Muss er nicht! Weidenfeller gehört zwischen die Dortmunder Pfosten. Es ist der Traum der Dortmunder Torwartlegende sein (niemand holte mehr Titel!), doch er wird unerfüllt bleiben. Nicht weil Weidenfeller brettstark ist, sondern weil ein Torwart dieser Qualität nicht um ein mickriges Länderspiel betteln muss. Der Platz von Weidenfeller ist zwischen den Dortmunder Pfosten. Fragen Sie nach bei Toni Kroos, Thomas Müller und Javi Martinez. Es mögen nur 3 Paraden gewesen sein, für Bayern waren sie der finale Stich ins Herz. (DerSamstag! / dembowski)

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