Alle Punkte ohne Stimmung

1. Bundesliga, 17. Spieltag / TSG Hoffenheim 1 BVB 3

icon_spielberichtfinalZweiter Ligaerfolg für den BVB in Hoffenheim, der damit als Tabellendritter die Hinserie beendet: Ein Grund zum Feiern, auch wenn der Auswärtssieg in einem selbst für Sinsheimer Verhältnisse gespenstisch stillen Stadion zustande kam. Wie bei einigen anderen Vereinen an diesem Wochenende hatte sich ein Großteil der aktiven Fans einen 90-minütigen Stimmungsboykott verordnet – als Reaktion auf die Verabschiedung des DFL-Sicherheitskonzepts am Mittwoch.

Unter den darin zusammengefassten und gebilligten Anträgen gibt es einige, bei denen man genau hinschauen muss, wie sie umgesetzt werden – allerdings nur einen, der ohne wenn und aber inakzeptabel ist. Heimvereine sollen künftig Risikospiele selber definieren und dann dafür besondere Sicherheitsvorkehrungen treffen dürfen – inklusive der Limitierung des üblichen Kontingents an Gästekarten. Die DFL muss die vom Verein vorgebrachte Begründung für die Einschätzung billigen. Bei diesem Antrag besteht in der Tat die Gefahr der Willkür – andererseits muss jeder Verein seine Entscheidung nicht nur vor der DFL, sondern auch vor der Öffentlichkeit rechtfertigen.

Die Nicht-Stimmung von gestern kann man aufgrund der akuten Enttäuschung verstehen. Spätestens zur Rückserie sollten sich die beteiligten Gruppen jedoch Gedanken über andere, zielgerichtetere Protestformen machen. Von Dingen, die noch nicht geschehen sind und zum großen Teil nicht geschehen werden, sollte man sich nicht die Freude am Fußball nehmen lassen. Vor allem sollte man unsere Mannschaft nicht längerfristig einer ihrer Stärken berauben.

Es kann selbstverständlich andere Gründe gehabt haben, doch das Spiel der Schwarz-Gelben passte in der ersten Halbzeit zur Stimmung ihrer Fans. Auch wenn die Borussia alles in allem deutlich überlegen war, hatte man den Eindruck, dass manche Spieler einen Schritt weniger gingen, einige Pässe lässiger spielten. Und es der TSG somit nicht allzu schwer machten, gut zu stehen und auf ihre Chance zu warten. Letztlich war es eine Einzelaktion von Mario Götze, die die Dortmunder Führung brachte. Der zog einfach mal vom Strafraumrand ab und traf gegen den jungen Torwart Casteels ins kurze obere Eck. Ein schönes Tor, doch die Führung hielt nur zehn Minuten. Dann kamen nach einem guten Seitenwechsel der Gastgeber Piszczek, Subotic und Hummels zu spät gegen Volland und Schipplock – letzterer konnte in der Mitte einschieben.

Sowohl Michael Zorc als auch Ilkay Gündogan deuteten nach dem Spiel an, dass es in der Kabine laut geworden war. Vielleicht war das der Weckruf, den es zuvor von den Rängen nicht gegeben hatte. Denn in der zweiten Hälfte zeigte der BVB sehr souverän, wer Deutscher Meister und wer Tabellensechzehnter ist. Zunächst konnte Casteels noch ‚Schlimmeres‘ verhindern, doch bei einem typisch schnellen Dortmunder Angriff über Götze passte Reus schließlich in die Mitte zu Großkreutz, der den Ball über die Linie drückte. Und in der 66. Minute zeigte Robert Lewandowski mal wieder alle Torjäger-Qualitäten, als er sich erst gegen Delpierre durchsetzte, dann Casteels umspielte und aus sehr spitzem Winkel zum 3:1 traf. Im Anschluss war von der TSG nicht mehr viel zu sehen, die Schwarz-Gelben konnten sich in Ruhe den Ball zupassen und mussten nicht mehr tun als die Partie zu verwalten. Gefahr nach hinten entstand kaum noch, auch wenn Roman Weidenfeller gar keinen besonders guten Tag hatte.

Am Mittwoch trifft die Borussia im letzten Pflichtspiel 2012 auf Hannover 96. Es wird wohl ein frommer Weihnachtswunsch bleiben, dass dabei im Westfalenstadion noch mal richtige Pokal-Stimmung aufkommt. Enorm wichtig ist die Partie trotzdem.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Piszczek, Subotic, Hummels, Blaszczykowski – Gündogan, Leitner – Reus (83. Kirch), Götze (89. Hofmann), Großkreutz (74. Perisic) – Lewandowski. Tore: Götze, Großkreutz, Lewandowski

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