Das Augsburg der Premier League?

Gut gespielt und nicht getroffen; Komplimente, aber keine Punkte gesammelt – mit dieser Situation kennt sich der FC Augsburg bestens aus. Das Problem: Die Stürmer treffen nicht – außer Sascha Mölders, der aber die halbe Hinserie verletzt war. Ähnlich geht es dem englischen Premier League-Klub Wigan Athletic. Nach der jüngsten 0:1-Heimniederlage gegen einen FC Arsenal, der immer noch deutlich unter seinem vermuteten Potenzial spielt, gaben selbst Gästefans zu, dass die ‚Latics‘ etwas aus dem Spiel verdient hatten. Hinzu kam noch, dass der Siegtreffer der Londoner durch einen umstrittenen Elfmeter fiel, den Theo Walcott herausgeholt hatte.

Hier enden jedoch die Parallelen zwischen den beiden Vereinen, die jeweils auf Abstiegsplätzen stehen (Augsburg 17., Wigan 18.). Das Rosenaustadion ist in der ersten Bundesliga-Saison des FCA gut ausgelastet und war schon häufiger mit 30.660 Zuschauern ausverkauft. Im DW Stadium von Wigan wurde gegen Arsenal zum ersten Mal in dieser Spielzeit die 20.000er-Marke überschritten (Kapazität: 25.133). Dabei ist jedoch zu bedenken, dass die Stadt nur gut 81.000 Einwohner hat (Augsburg: 266.647). Wigan liegt zwar in einer urbanen Gegend im Großraum Manchester, doch dementsprechend gibt es mehrere erfolgreichere Klubs in der Region – auch Liverpool ist nicht weit.

Während Augsburg trotz seiner langen Geschichte zum ersten Mal in Deutschlands höchster Spielklasse mitmischt, haben es die Latics (gegründet 1932) nach dem Aufstieg in die Premier League 2005 entgegen aller Erwartungen geschafft, ihren Status als Erstligaklub zu behaupten. Zu einem Großteil verdanken sie dies dem in der Stadt tätigen millionenschweren Unternehmer Dave Whelan, der den damaligen Viertligisten Wigan 1995 mit dem Ziel übernahm, ihn in die erste Liga zu führen. Wer bei diesem ‚patriarchalischen‘ Modell an Dietmar Hopp und seine TSG denkt, liegt nur bedingt richtig. Wigan ist kein Dorf, sondern eine mittelgroße Stadt, die eines der Zentren der Northern Soul-Musikszene war. Zudem hat sich Whelan aus dem sportlichen Tagesgeschäft stets herausgehalten und nur dann und wann einen Trainer gefeuert; manche gingen von sich aus zu größeren Klubs.

Seit Sommer 2009 hat der Spanier Roberto Martinez, ein Ex-Spieler des Vereins, den Trainerposten inne. Mit Whelan soll ihn ein sehr vertrauensvolles Verhältnis verbinden. Dass die Latics Jahr für Jahr in erster Linie gegen den Abstieg spielen, wird von den Mitarbeitern akzeptiert – für verrückte Investitionen ist der Klubbesitzer nicht bekannt. Die Macher des empfehlenswerten Online-Fanzines „This Northern Soul“ haben aufgrund der Gegebenheiten ihr Motto kreiert: „No Fans. No History. No Money. No Worries“.

Martinez scheint daher in Wigan eine sichere Stellung zu haben. Vor dem jüngsten Trainerwechsel in Liverpool war er bei den Reds im Gespräch; einige Fans des jüngsten Gegners Arsenal sehen in ihm gar einen möglichen Arsene Wenger-Nachfolger. Der Spanier lässt die Latics einen engagierten, nicht unansehnlichen Stil spielen, der jedoch wegen der Besetzung des Kaders und akuter Verletzungsprobleme derzeit keine Erfolge hervorbringt. Gelobt wurden Wigans sportlich Verantwortliche kürzlich von Arsene Wenger – dafür, dass sie in exotischen Fußball-Ländern wie Honduras Premier League-taugliche Spieler auftreiben. Im Januar wird Mittelfeldspieler Roger Espinoza aus den USA nach Greater Manchester wechseln – ein Spieler, der bei Olympia in London für Honduras von sich reden machte.

Mögliche Probleme bei der Integration von ausländischen Spielern teilen die Latics mit einem großen Teil der Premier League-Konkurrenten. In Wigans Kader stehen derzeit neun Spieler (von 23), die von den britischen Inseln stammen, darunter vier aus England. Das Problem sind die hohen, oft überhöhten Preise für englische Spieler mit Premier League-Qualität. Roberto Martinez‘ verständlicher Ansatz ist es, daneben viele Akteure aus spanischsprachigen Ländern zu verpflichten. Eine der wenigen Ausnahmen ist der neue Stürmer Arouna Koné, den manch einer noch von Hannover kennen dürfte. Der Ivorer hatte zuletzt immerhin in Spanien beim UD Levante gekickt. Die Lösung der Sturmproblematik ist jedoch auch mit ihm noch nicht geglückt – bisher stehen vier Tore aus 18 Spielen (zuzüglich vier Assists) in der Statistik.

Wigan wird auch in dieser EPL-Saison wieder lange gegen den Abstieg kämpfen. Viele Fans großer und traditionsreicherer Vereine hätten nichts dagegen, die Latics wieder in die zweiten Liga verschwinden zu sehen – dabei sind die Strukturen bei jenen Klubs keineswegs sympathischer als das Modell Dave Whelan. Es mag ein bisschen wie Augsburg, ein bisschen wie Hoffenheim wirken, aber letztlich geht es in Wigan doch sehr englisch zu.

Advertisements

Ein Gedanke zu “Das Augsburg der Premier League?

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s