Steiler Weg ins neunte Jahr

Niemand hatte geglaubt, dass es einfach werden würde. Auch im achten Jahr der Premier League-Zugehörigkeit spielt Wigan Athletic gegen den Abstieg und niemand ist überrascht. Und doch könnte man den Fans der Latics verzeihen, wenn der ein oder andere von ihnen der jährlichen Sisyphos-Arbeit überdrüssig wäre. Tatsächlich hat das DW Stadium von Wigan mit einem Zuschauerschnitt von knapp 18.700 die zweitschwächsten Zahlen der Liga aufzuweisen, die nur vom Aufsteiger Queens Park Rangers unterboten werden. Dazu muss man jedoch auch wissen, dass die Stadt nur ca. 81.000 Einwohner hat und der Club erst vor 35 Jahren aus dem Amateurbereich aufstieg.

In der Premier League schien es für die Latics zuletzt düster zu werden. Vor dem 27. Spieltag standen sie auf dem 19. Tabellenplatz, in der Abstiegszone, und ihre drei Hauptkonkurrenten hatten alle mehr oder minder gute Gründe, größere Hoffnung zu haben als Wigan. Der 17., Aston Villa, hat zumindest einen größeren Namen, den man sich schwer in der zweiten Liga vorstellen kann. Wem das als Grund zu soft ist: Trainiert wird der Verein aus Birmingham vom Ex-Dortmunder Paul Lambert und in seinen Reihen steht mit Christian Benteke ein veritabler Torjäger, der sogar schon – rein hypothetisch  – mit dem BVB in Verbindung gebracht wurde.

Aufsteiger Reading, zuletzt 18., scheint zunächst größter Außenseiter zu sein, genoss aber einen ordentlichen Start ins Jahr 2013 und wurde in den letzten Wochen für späte Tore bekannt. Und der nach wie vor Tabellenletzte QPR hat immerhin Harry ‚Houdini‘ Redknapp auf der Trainerbank sitzen.

Am letzten Wochenende kehrte zumindest der Feel-Good-Factor zurück nach Wigan. Erst zum zweiten Mal in ihrer Geschichte erreichten die Latics das Viertelfinale des FA-Cups. Beim 4:1-Auswärtssieg in Huddersfield setzte Trainer Roberto Martinez auf Rotation, ohne das Team komplett umzukrempeln. Besonders die jungen Spieler aus der zweiten Reihe wie Callum McManaman und Fraser Fyvie wussten das Vertrauen zu rechtfertigen – nicht jeder Club aus Englands Topliga kann das in den aktuellen Pokalwettbewerben von sich behaupten. In der nächsten Runde, die schon kommendes Wochenende ausgetragen wird, trifft Wigan nun erneut auswärts auf den Sieger des Wiederholungsspiels zwischen dem FC Everton und Liverpool-Bezwinger Oldham Athletic.

Doch auch in England zählt die Liga, zumal die Premier League, mehr als der Pokal. So war die heutige Begegnung beim Tabellen-Nachbarn Reading für die Latics ebenso wichtig wie der Sieg des FC Augsburg über die TSG Hoffenheim – mit dem FCA habe ich Wigan Athletic vor zwei Monaten verglichen. Und tatsächlich gelang den Gästen der erste Sieg des Jahres – in beeindruckender Art und Weise. 0:3 hieß es am Ende und endlich einmal kam das von Roberto Martinez gelehrte ansehnliche Passspiel zur Geltung, ohne gleichzeitig für defensiv prekäre Situationen zu sorgen. Die Rückkehr von Ex-Hannover-Stürmer Arouna Kone  (erzielte zwei Treffer) vom Afrika-Cup hatte ebenso positive Auswirkungen wie die Gesundung mehrerer anderer Akteure. Und HSV-Leihgabe Paul Scharner, der schon früher mehrere Jahre in Wigan spielte, entschärfte eine der kritischsten Situationen mit einem exzellenten Tackling.

Durch den großen Sieg und die gleichzeitige Niederlage von Villa beim FC Arsenal haben die Latics die Abstiegsplätze verlassen. Ausruhen darf man sich darauf selbstverständlich nicht. Bis der Stein wieder auf den Berg gerollt ist, sind noch elf Partien zu absolvieren. Wigan-Fan Ned fasst daher in seinem Blog „Los Three Amigos“ das einzig Doofe an diesem Spieltag wie folgt zusammen:

Despite escaping the bottom three, the league table is still frighteningly tight. But today’s was a performance to celebrate.

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